Wie fotografiert man Nordlichter?

Nach dem ersten Beitrag zur Nordlichtfotografie  weißt du jetzt schon einmal, was du da überhaupt fotografieren willst. Nun stellt sich natürlich die nächste Frage: Wie geht man bei der Nordlichtfotografie am besten vor?

Inhalt

  1. Nordlichter Fotografieren – die Basics
  2. Wie fotografiert man Nordlichter?
  3. Nordlichter Fotografieren – Praktische Tipps
  4. Nordlichter Fotografieren – die Ausrüstung
  5. Nordlichter Fotografieren – Planung ist alles?

Um ein gutes Nordlichtfoto erstellen zu können, muss man einiges beachten, aber wie so oft gibt es kein Standardrezept das man für jedes Foto 1:1 anwenden kann. Daher will ich dir in diesem Beitrag die verschiedenen Einstellungen erklären, damit du dann beim Fotografieren selbst die richtigen Einstellungen für die jeweilige Situation wählen kannst.

Nordlichter fotografiert man bei Dunkelheit (oder wenn sie richtig stark sind auch manchmal in den Dämmerungsstunden). Kennen wir ja eigentlich von der Milchstraße oder? Ja und Nein! Ein gemeinsames Problem ist offensichtlich: es muss genügend Licht auf den Sensor.

Nordlichter sind widerspenstig

Bei Nordlichtern gibt es aber noch eine weitere Schwierigkeit, wäre sonst ja fast zu einfach?! 😉 Nordlichter bewegen sich nämlich auch noch unterschiedlich. Es gibt Nordlichter, die sehr schnell am Himmel tänzeln, andere wiederum sind recht statisch. Das bedeutet, man muss sich den Gegebenheiten ständig neu anpassen. Ganz im Gegenteil zur Milchstraße: Hier hat man recht statische Bedingungen, die Erdrotation ist immer gleich, je nach Brennweite hat man also fixe Werte für die maximale Belichtungszeit die man wählen kann, bevor die Sterne verwischen.

Mehr dazu findest du in meinem Milchstraßen – Tutorial

Da man keine allgemeingültigen Einstellungen für die Nordlichtfotografie nennen kann will ich dir hier als erstes einige Richtwerte mitgeben, außerdem beschreibe ich in einem weiteren Beitrag, anhand konkreter Bildbeispiele, welche Einstellungen ich für die jeweilige Situation verwendet habe. So bekommst du am ehesten ein Gefühl für die Bandbreite an Einstellungen und in welcher Situation was am besten passt.

Belichtungszeit

Die Belichtungszeit ist die interessanteste Einstellung, denn diese muss sich nach den Gegebenheiten richten. Bewegen sich die Nordlichter schnell am Himmel? Sieht es so aus, als würde jemand mit einem Filzstift den Himmel anmalen? Gleichen die Nordlichter tausenden Sternschnuppen, die vom Himmel fallen?

Bei solchen, ich nenne sie mal „schnellen Nordlichtern“ braucht es eine kurze Belichtungszeit! Denn wenn man nur einfach 50s belichtet, kommen die feinen Strukturen dieser Nordlichter nicht zur Geltung und auf dem Foto sieht man nur noch grünen „Matsch“! Klar, auch das kann man künstlerisch einsetzen und manchmal wirkt so ein Bild auch, normalerweise gilt jedoch: Je kürzer, desto besser – um die Strukturen der Nordlichter bestmöglich abbilden zu können.

Was nun „kurz“ bedeutet, richtet sich nach der Geschwindigkeit, mit der sich die Lichter bewegen. In der Regel fährt man hier mit 10s und weniger sehr gut. Ich starte bei schnelleren Bewegungen meistens mit 10 Sekunden und reduziere die Belichtungszeit dann weiter. Oft lande ich bei 6-8 Sekunden, bei sehr schnellen Bewegungen können auch mal 2-3 Sekunden notwendig sein.

Sind die Nordlichter dagegen sehr langsam unterwegs und ziehen sich eher wie ein Schleier über den Himmel, kann die Belichtungszeit auch länger ausfallen, 13 – 20 Sekunden sind dann möglich. Mehr als 30 Sekunden wähle ich allerdings praktisch nie, da sonst auch langsame Nordlichter anfangen zu verschwimmen und auch die Sterne werden langezogen.

Ich wähle als Startwert meistens 10 Sekunden und korrigiere dann nach oben oder unten

Bildstabi aus!

Bei diesen Belichtungszeiten geht´s nicht ohne Stativ – logisch! Daher daran denken auf dem Stativ den Bildstabilisator auszuschalten, in bestimmten Situationen kann sich der nämlich sonst nachteilig auswirken.

Blende

Die Blende ist bei der Nordlichtfotografie nicht ganz so entscheidend wie bei der Sternenfotografie. Nordlichter sind nahezu immer eine ganze Ecke heller als die Sterne –  ich verwende daher meistens eine Blende von f/4 für Nordlichter.

Der Grund ist recht einfach: Es ist die offenste Blende meines Standard Landschaftsobjektivs (Sony FE 16-35). Es ist bei Blende 4 deutlich schärfer als mein Astroobjektiv (Samyang 14mm) bei f/2.8 und auch bei Blende f/4 ist das Samyang dem Sony deutlich unterlegen.

Ich gehe im Zweifel lieber mit der ISO höher und habe das bessere Objektiv an der Kamera.

Grundsätzlich hilft aber natürlich auch bei Nordlichtern eine offene Blende. Den Trade off zwischen Offenblende und ISO muss man durch ausprobieren und den Umgang mit der eigenen Ausrüstung herausfinden!

ISO

Wie bei der Milchstraße ist auch bei Nordlichtern eine hohe ISO Zahl nötig, je nach Lichtintensität ist ein Bereich von ISO 1000 bis 6400 sinnvoll. Ich gebe bewusst eine solche Bandbreite an, denn die ISO richtest du am besten nach den vorhandenen Gegebenheiten.

Wenn du langsame Nordlichter hast und mit der Belichtungszeit etwas länger werden kannst, schraub die ISO runter!

Hast du sehr schnelle Nordlichter, dann muss eben die ISO entsprechend nach oben korrigiert werden. Auch hier gibt es keine allgemeingültigen Werte, man muss sich den Bedingungen anpassen.

Profitipp:

Es ist meistens ziemlich kalt beim Fotografieren – die Kombination aus nördlichen Breitengraden und dem fotografieren bei sternenklarer Nacht sorgt meist dafür, dass man bei Temperaturen um den Gefrierpunkt unterwegs ist. Das sorgt für weniger Rauschen – experimentiere also auch mal mit höheren ISO Zahlen als sonst!

Alle drei Zusammen

Wie du nun welche Parameter veränderst, musst du selbst herausfinden. Gehst du lieber mit der ISO etwas herunter, um weniger Rauschen im Bild zu haben? Oder machst du lieber die Blende etwas zu, um ein schärferes Bild zu erhalten?

Das ist sehr subjektiv und hängt von der Ausrüstung ab, deine Kamera rauscht stark bei hoher ISO? Dann mach lieber die Blende auf und wähle eine niedrigere ISO.

Ich kann mir bei meinen Kameras hohe ISO Zahlen leisten, daher nutze ich das auch aus – Man braucht keine Kamera mit Top Sensor kaufen, wenn man sich dann nicht traut sie auch ans Limit zu bringen.

Ohje diese Farben… blöder Weißabgleich

Dachte ich mir, als ich das erste Bild in Hamnoy geschossen habe – der Vordergrund war komplett gelb. Klar die Steine und Gebäude wurden bei diesem Bild von einer extrem gelblich abstrahlenden Straßenlaterne aufgehellt. Da ist es natürlich schwierig den richtigen Weißabgleich zu finden. Nordlichter sorgen für eine extreme Färbung, gerade wenn sie sich auch auf dem Untergrund spiegeln. Aber auch Einflüsse von Umgebungslicht wie Straßenlaternen und Mondlicht sorgen für verschiedenste Lichtbedingungen, mit denen man sich arrangieren muss.

Nordlichter Hamnoy Unbearbeitet

Nordlichter über Hamnoy – unbearbeitetes out of Camera RAW

Daher gibt es auch für den Weißabgleich keine allgemeingültigen Werte. Nordlichtbilder sehen immer anders aus als „normale Landschaftsaufnahmen“. Man sollte sich auf korrekte Farben bei den Vordergründen und Landschaften konzentrieren. Auch ist das ganze recht subjektiv, wie bei der Zimmertemperatur mags der eine gern wärmer und der andere lieber kälter ;).

Es gilt daher: RAW, RAW, RAW!!! Nein das ist nicht das Gebrüll des Eisbärs um die Ecke,  gemeint ist das Fotografieren in RAW, extrem wichtig bei Nordlichtbildern. Klar kann man den Weißabgleich in der Kamera korrekt einstellen, ich mache es in der Praxis jedoch meistens nicht, warum?

  1. Zeit: Bei der Nordlichtfotografie muss man schnell sein – ich will kein Bild verpassen, weil ich noch 5 Minuten am Weißabgleich schraube, bei mir steht er daher bei Nordlichtern auf Auto! Oft passt das bereits relativ gut, hängt aber auch von der Kamera ab. Beispiel das Bild aus Hamnoy, dort war keine 2 Minuten nach Entstehung des Bildes das Spektakel schon wieder vorbei, es wäre schlichtweg keine Zeit gewesen groß am Weißabgleich zu schrauben.
  2. Den Weißabgleich muss man gerade bei mehreren Lichtquellen im Bild oft sowieso selektiv nochmal anpassen, daher setze ich den Weißabgleich meist in der Nachbearbeitung!

Fotografiert man in RAW kann man den Weißabgleich nachher problemlos anpassen, aber auch sonst hat man deutlich mehr Bearbeitungsspielraum, den man auf jeden Fall nutzen sollte.

In diesem Videotutorial findest du eine Möglichkeit, den Weißabgleich ganz einfach und vor allem richtig in Photoshop zu korrigieren

Autofokus oder manuell fokussieren?

Das Scharfstellen ist bei Nacht eine Herausforderung und richtet sich nach der Ausrüstung. Mein Samyang 14mm hat keinen Autofocus, da bleibt nur manuell fokussieren. Da man Nachts nicht viel erkennt macht es bei manuellen Objektiven Sinn, tagsüber auszuprobieren wo die richtige Einstellung am Fokusring liegt und sich diese zu merken, bzw. am Objektiv zu markieren.

Samyang 14mm f/2.8 Sony

Samyang 14mm mit manueller Fokusskala

Nordlichter fotografiere ich aber ja wie bereits angesprochen meistens mit meinem Sony Weitwinkelzoom, da hier die Fokussierung elektronisch angesteuert wird, gibt es keine feste Fokusskala mehr.

Sony Zeiss FE 16-35 Weitwinkelzoom

Sony FE 16-35 – Focus by Wire, daher kein markierter Fokusring mit festen Einstellungen 

Hier muss man dann tatsächlich per Autofokus fokussieren, das mache ich indem ich mit einer Taschenlampe einen Punkt anleuchte und auf diesen fokussiere – anschließend stelle ich die Kamera auf manuellen Fokus und habe so für die gesamte Fotosession meinen Fokus gewählt.

Worauf fokussieren?!

Teilweise wird empfohlen auf unendlich zu fokussieren, z.B. auf die Sterne. Davon halte ich allerdings nichts, denn ich wähle bei Nordlichtern IMMER eine Komposition mit einem interessanten Vordergrund. Den will ich aber auch scharf abbilden, daher fokussiere ich auf die hyperfokale Distanz – damit bekomme ich Vorder- und Hintergrund scharf dargestellt.

Mehr Infos dazu in meinem Blogbeitrag zur hyperfokalen Distanz

Im nächsten Beitrag zeige ich dir anhand einiger Beispielbilder, welche Einstellungen in welcher Aufnahmesituation sinnvoll sind!

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