Testbericht (Review) – Sony FE 16-35 – Weitwinkelzoomobjektiv für den Sony E-Mount

Für die Landschaftsfotografie ist ein gutes Weitwinkel Objektiv ein absolutes Muss! Die einen schwören dabei auf eine oder mehrere sehr gute Festbrennweiten – andere dagegen setzen lieber auf ein Zoom um flexibler zu sein. Gerade im Weitwinkelbereich machen wenige Millimeter einen immensen Unterschied was den Bildeindruck angeht. Daher nutze ich für die Landschaftsfotografie gerne ein Ultraweitwinkelzoom. Jeder Hersteller hat ein entsprechendes Zoom im Brennweitenbereich von um die 15 – 35 mm (Kleinblild) im Angebot.

Für Sony Vollformatkameras mit E-Mount gibt es aktuell nur eine native Lösung in Form des Sony Zeiss FE 16-35 mit einer Offenblende von f/4. Es wird zwar aktuell (Stand August 2016) gemunkelt, dass auch eine 2.8er Version des Objektivs in der Pipeline ist, aber das ist noch Zukunftsmusik. Wer also eine flexible Weitwinkellösung für den Vollformat E-Mount sucht, kommt an diesem Objektiv nicht vorbei.

Ich nutze die Linse nun seit ca. einem Jahr und habe einige tausend Fotos damit erstellt, daher kenne ich die Stärken und Schwächen inzwischen recht gut und gebe euch hiermit meinen Eindruck vom Objektiv weiter.

Inhalt

Verarbeitung und Haptik

Los geht´s mit den äußeren Werten, bei einem Objektiv in diesem Preisbereich kann man schließlich eine makellose Verarbeitung erwarten. Das Gehäuse ist aus Metall, die Gegenlichtblende teilweise aus Metall und wertigem Kunststoff. Der Objektivtubus ist ebenfalls aus wertigem Kunststoff gefertigt. Auch nach einem Jahr intensiver Benutzung wackelt nichts und die Gegenlichtblende rastet nach wie vor perfekt ein.

Sony Zeiss FE 16-35 - Übersicht

Sony Zeiss FE 16-35 – Tadellos verarbeitet

Fokus- und Zoomring drehen sehr smooth aber nicht zu leichtgängig, genauso muss es sein!

Beworben wird das Objektiv mit einem Staub- und Spritzwasserschutz, was ich jedoch skeptisch sehe, denn dafür würde ich am Bajonett eine Dichtung erwarten (vgl. die Zeiss Batis Linsen).

Die Erfahrung zeigt aber zumindest, dass leichtes nieseln, Nebel oder allgemein hohe Luftfeuchtigkeit kein Problem darstellen. Ich hatte das Objektiv schon oft am Meer, direkt an Wasserfällen und auch in leichtem Nieselregen im Einsatz – bislang ohne Probleme.

Das Objektiv ist nicht gerade leicht (518g), aber an der A7ii/ A7rii liegt es meiner Meinung nach trotzdem sehr gut in der Hand.

Autofokus

Es kommt bei der Landschaftsfotografie vor allem auf einen exakten AF an, was bei diesem Objektiv, bedingt durch den Kontrastautofokus, auch immer gegeben ist. Zumal kann auch die Geschwindigkeit überzeugen, der AF ist sehr flott! Für Filmer interessant: Auch das Tracking des Nachführ- AF funktioniert präzise und schnell. Extreme Geschwindigkeiten in der Sportfotografie habe ich zwar noch nicht ausprobiert, gehe aber aufgrund der guten Geschwindigkeit davon aus, dass auch diese Anwendungsgebiete kein Problem darstellen sollten.

Wichtiger ist mir persönlich sowieso ein funktionierender AF in schwierigen Lichtsituationen, da ich oft beispielsweise mit starkem Gegenlicht und Abends/ Nachts mit sehr wenig Licht arbeite. Beide Extremsituationen meistert der Autofokus des 16-35 sehr gut.

Manueller Fokus

Der manuelle Fokus ist meiner Meinung nach einer der größten Kritikpunkte am Objektiv. Bedingt durch die Focus by Wire Technologie (also keine mechanische Übertragung über den Fokusring, sondern eine elektrisch angesteuerte Fokusgruppe) gibt es keine Fokusskala. Astrofotografie wird damit schwer, da man hier ohne feste Entfernungseinstellungen nur schwer fokussieren kann.
Für mich kein großes Problem, da ich für die Astrofotografie ohnehin eine manuelle Festbrennweite habe, für den ein oder anderen kann das aber problematisch sein.
Mit etwas Eingewöhnungszeit müsste sich aber auch mit dem manuellen Fokus präzise fokussieren lassen.

Optische Leistung

Kommen wir zum wichtigsten Punkt – der Bildqualität!

Schärfe

Die Schärfeleistung des Objektivs würde ich in Summe als sehr gut bezeichnen.

Bei 16mm  und Blende f/4 kann das Objektiv bereits mit einer sehr guten Schärfe in der Bildmitte punkten. Lediglich ganz außen fällt es ab, kann aber immer noch als gut bezeichnet werden. Blendet man dagegen auf landschaftstaugliche f/8 ab, legen die Ecken hinsichtlich der Schärfe nochmal zu, man erkennt noch einen Unterschied zur Mitte dieser fällt jedoch nicht gravierend aus. Da sieht man bei vergleichbaren Objektiven anderer Hersteller deutlich matschigere Bildränder.

16mm Bildmitte f11

16mm – f/11 – Bildmitte

16mm Bildrandf11

16mm – f/11 – Bildrand

Ich bin oft zwischen Blende f/8 und f/13 unterwegs, in diesem Bereich zeigt das Objektiv eine durchgängig sehr gute Schärfe.

Am langen Ende Richtung 35mm fällt die Leistung bei Offenblende etwas ab, das fällt jedoch kaum ins Gewicht. Blendet man ab ist es auch bei 35mm wirklich gut!

Gegenlicht

Neben der Schärfe ist das Gegenlichtverhalten für mich mit der wichtigste Punkt. Hier ist eine klare Aussage schwer. Aufgrund der guten Zeiss Vergütung hat man zwar meistens keine Probleme bei direktem Gegenlicht, es gibt allerdings Lichtbedingungen wo trotzdem sehr starke Flares auftreten, teilweise so stark, dass das Bild unbrauchbar wird. Wird die Sonne direkt in der Bildmitte platziert können diese extrem störenden Lila Kreise entstehen, das Bild ist praktisch unbrauchbar und lässt sich nur mit sehr großem Aufwand retuschieren.

Sony FE 16-35 - extreme Flarebildung

Extreme Flarebildung bei mittiger Sonne – unbearbeitet

Bereits bei leicht außermittiger Platzierung ist das Problem jedoch schon fast verschwunden.

Sony FE 16-35 Flare 1

Sony FE-16-35 Flares – unbearbeitet

Das kommt allerdings sehr selten vor. Wird die Sonne am Bildrand platziert, treten keine bzw. kaum Flares auf. Oft reicht bereits ein leichtes Schwenken des Objektivs und die Flares sind verschwunden. Auch ist das ganze wirklich nur bei sehr starkem und direkten Sonnenlicht ein Problem. Das folgende Bild zeigt, dass Sonnenauf- und Untergangssituationen kaum problematisch sind. Flares habe ich da fast nie und wenn sind sie nicht wirklich störend.

DSC01084

Sony FE 16-35 – keine Flares, trotz mittiger Sonne – unbearbeitet

Bei 80% meiner Bilder habe ich kaum oder keine Flares, so dass ich auch nichts daran mache. Bei 10-15% der Bilder retuschiere ich die kleineren Flares weg. Ca 5% der Bilder werden tatsächlich fast oder ganz unbrauchbar durch zu starke Flares. Alles in allem bin ich trotz anfänglicher Skepsis doch zufrieden mit dem Gegenlichtverhalten. Die Vielzahl der Bilder die ich im direkten Gegenlicht erstellt habe zeigt, dass die Probleme wirklich nur in sehr seltenen Grenzfällen zum tragen kommen. Andere Objektive sind da zwar unter Umständen etwas besser, haben dann aber andere Probleme (matschige Ränder), da ist mir eine gute Schärfeleistung wichtiger!

Der Kontrast bleibt auch in Gegenlichtsituationen sehr hoch, hier gibt es keine Probleme.

Vignettierung

Bei Ultraweitwinkelobjektiven ist Vignette immer ein Thema, so auch beim FE 16-35. Bei 16mm und Offenblende am stärksten, fällt sie beim Abblenden auf f/8 kaum mehr ins Gewicht. Mit dem Lightroom Profil ist die Vignette sehr gut korrigierbar. Für mich kein wirklich störender Punkt, da ich sowieso bei den meisten Bildern am Ende noch eine Vignette einfüge.

16 mm - f/4

16mm – f/4

16 mm - f/4 Vignette in Lightroom korrigiert

16mm – f/4 Vignette in Lightroom korrigiert

16 mm - f/8

16mm – f/8

16 mm - f/8 Vignette in Lightroom korrigiert

16mm – f/8 Vignette in Lightroom korrigiert

Verzeichnung

Auch eine Bildverzeichnung ist im Weitwinkelbereich normal, sie ist erkennbar wenn man genau hinschaut, in der Landschaftsfotografie aber praktisch nicht sichtbar und daher für meine Anwendung auch kein wirkliches Problem. Bei Architekturaufnahmen dagegen muss man korrigieren, das ist aber auch in Lightroom gut machbar, denn besonders stark ist sie nicht.

Sonnensterne

Mir sind Sonnensterne im Bild sehr wichtig, das ist natürlich immer eine sehr subjektive Geschichte, mir gefallen sie auf jeden Fall sehr gut. Bereits ab Blende 8 sind sie gut definiert. Das wird dann bis Blende 16 nochmal deutlich stärker. Daher verwende ich für Bilder mit Sonnensternen meist Blende 11 – 16, was sehr gute Ergebnisse liefert.

Sony FE 16-35 Sonnensterne Norwegen

Sony FE 16-35 Sonnensterne Winter Sony FE 16-35 Sonnensterne Tübingen

Bildstabilisator

Das Objektiv hat einen eingebauten optischen Bildstabilisator, der ist tatsächlich auch sehr effektiv, bis zu ¼ Sekunde kann man bei ruhiger Handhaltung fotografieren. Damit kann man sogar Wasser verschwimmen lassen  – und das ohne ein Stativ!

Geeignet für hochauflösende Sensoren?

Im Netz liest man an verschiedenen Stellen, dass das Objektiv nicht für den hochauflösenden Sensor der Sony A7Rii geeignet sei, weil es schlichtweg den Sensor nicht bedienen kann. Diese Aussagen kann ich nicht bestätigen. Im Vergleich zur A7ii sehe ich an der A7rii deutlich mehr Details, das Objektiv bringt an der A7Rii nochmals eine deutlich höhere Auflösung als an der A7ii.

Ich habe keine Messungen durchgeführt, ob der Sensor nun ganz ausgereizt werden kann. Das ist aber auch nicht nötig, denn mal ehrlich ob ich nun den Sensor ganz ausnutzen kann oder „nur“ 36 Megapixel, welchem Bild sieht man das an? Das hat in meinen Augen keine Praxisrelevanz. Ich gehe lieber fotografieren als Labortests anzuschauen.

Fazit

Zusammengefasst ist mein Eindruck von diesem Objektiv sehr gut. Es ist ein rundes Gesamtpaket mit nur wenigen Schwächen. Die Bildqualität ist sehr gut und durchaus auf Festbrennweitenniveau, vor allem die Bildschärfe kann überzeugen. In allen für die Landschaftsfotografie wichtigen Disziplinen schlägt es sich gut bis sehr gut. Lediglich das Gegenlichtverhalten kann in manchen Lichtsituationen stören.

Wer ein universelles UWW Objektiv für den Sony FE- Mount sucht, kommt aktuell an dieser Linse nicht vorbei. Wer dagegen gerne Festbrennweiten nutzt, findet für jeden Brennweitenbereich auch exzellente native Alternativen (Zeiss Batis 18 mm, Zeiss Loxia 21 mm, Zeiss Batis  25 mm, Sony Zeiss 35 mm). Das muss jeder für sich entscheiden. Will man den gesamten Bereich des FE 16-35 mit Festbrennweiten abdecken wird das jedoch in jedem Fall sehr teuer und vor allem auch schwerer wenn man alle Brennweiten mitnehmen möchte.

Das Thema Gewicht ist auch im Hinblick auf das FE 16-35 oftmals im Netz zu finden. Klar die Kombination mit einer A7xx ist schwerer als eine A6000 mit 12 mm Samyang – auch diese Kombination hatte ich einige Zeit im Einsatz. Mir sind jedoch die höhere Bildqualität und vor allem die deutlich schöneren Sonnensterne das Mehrgewicht wert – auch wieder ein persönliches Abwiegen und Prioritäten setzen!

Wer beide Kombinationen vergleichen möchte, findet hier auf meinem Flickr Account zahlreiche Bilder, die mit der A6000 und dem 12mm Samyang aufgenommen wurden, daneben natürlich auch viele meiner Werke mit dem FE 16-35.

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar
wpDiscuz