Technische Grundlagen – Teil 2 – Die Blende

Im zweiten Teil zu den technischen Grundlagen, möchte ich detailliert auf die Blende eingehen. Die Grundsätzlichen Begriffe der wichtigsten Einstellparameter einer Kamera habe ich bereits im ersten Teil erklärt, dieser ist hier zu finden: Technische Grundlagen – Teil 1. Der erste Beitrag dient dazu, dass die im folgenden verwendeten Begriffe schon einmal aufgegriffen wurden und schon ein gewisses Grundverständnis der verschiedenen Einstellparameter vorhanden ist.

Die weiteren Beiträge der Reihe finden sich hier:

Inhalt

  1. Technische Grundlagen – Teil 1 Wie ensteht ein Bild?!
  2. Technische Grundlagen – Teil 2 – Die Blende

Nun sollen die einzelnen Parameter näher betrachtet werden, fangen wir mit der Blende an:

Blende

Die Blende, das haben wir bereits im letzten Teil gelernt, dient dazu die Lichtmenge zu steuern die in das Objektiv fällt. Was bedeutet das nun?

Um ein Bild korrekt zu belichten, wird immer eine bestimmte Lichtmenge benötigt. Wie viel Licht auf den Sensor gelangt bestimmt nun zunächst die Blende, je weiter geöffnet diese ist, desto mehr Licht gelangt auf den Sensor. Wird die Blende geschlossen und damit der Querschnitt der Öffnung verringert, gelangt weniger Licht auf den Sensor. Soweit eigentlich logisch. Mit der Blendenöffnung zu arbeiten und diese selbst richtig zu wählen ist dabei gar nicht so schwer. Die Blende des Objektivs wird heutzutage meistens über die Kamera gesteuert, manche Objektive haben auch selbst noch einen Blendenring, mit dem die Blende eingestellt werden kann. Die Blendenwerte werden dabei in Zahlenwerten mit einem „F“ davor angegeben, beispielsweise F1.8. Woher das F kommt und was es bedeutet möchte ich an dieser Stelle nicht erläutern, das würde im Rahmen dieses Beitrags zu weit führen. Wer sich intensiver damit auseinandersetzen will, findet hier: Wofür steht das F? weitere Informationen.

Hier soll es weiter um die Praxis gehen ;). Wir haben nun also verschiedene krumme Zahlenwerte, die angeben wie weit die Blende geöffnet ist, eine kleine Zahl steht dabei für eine große Blendenöffnung -> Viel Licht gelangt durch die Blende, eine große Zahl steht für eine kleine Öffnung, also wenig Licht.

Zur Veranschaulichung habe ich in der Folgenden Tabelle einmal eine Blendenreihe aufgetragen.

Blendenreihe

Die Grün markierten Felder sind dabei volle Blendenstufen. Öffnet man die Blende um eine volle Stufe, also beispielsweise von F/4 auf F/2.8 so gelangt doppelt soviel Licht auf den Sensor. Zwischen zwei Blendenstufen liegt der Faktor √2, wodurch auch die krummen Werte entstehen. Die meisten Objektive ermöglichen heutzutage eine feinere Unterteilung, meist in halben oder drittel Blendenstufen. Diese weiteren Unterteilungsschritte sind in der Tabelle rot dargestellt.

Wir wissen nun also, dass man durch das Einstellen der Blende die Lichtmenge variieren kann und sich diese bei ganzen Blendenstufen verdoppelt, bzw. verringert. Fotografiert man im Automatikmodus der Kamera, dann wird sowohl die Blende, als auch die anderen Parameter wie ISO und Zeit automatisch nach der aktuellen Lichtsituation eingestellt. Man könnte also die Einstellung der Kamera überlassen und alles passt, da diese alle Einstellungen vornimmt?! Dann kann man sich ja das ganze drumherum sparen.

Das ist sogar richtig, jedoch überlässt man dann einige extrem wichtige Möglichkeiten der Bildgestaltung der Kamera und diese kann nicht wissen wie wir unser Bild gern hätten, die Kamera misst lediglich die, für eine korrekte Belichtung notwendige, Helligkeit und stellt die Parameter entsprechend ein. Jedoch weiß die Kamera nicht wie wir unsere Bilder gestalten wollen und liegt daher mit der Automatik nicht immer richtig. Den genauen gestalterischen Möglichkeiten, die die manuelle Einstellung der Parameter mit sich bringt, möchte ich jedoch einen eigenen Beitrag widmen.  Auch die anderen Parameter wollen wir nun mal ganz aus den Augen lassen, damit beschäftigen wir uns später.

Die Blende beeinflusst nämlich noch eine weitere Eigenschaft unseres Bildes, mit ihr wird im Zusammenhang mit der Lichtmenge nämlich auch der Schärfebereich festgelegt. Auch dabei will ich nicht zu sehr auf die Hintergründe des ganzen eingehen. Wir merken uns lediglich, dass wir bei einer weit geöffneten Blende eine geringe Schärfentiefe im Bild haben und die Schärfentiefe mit dem schließen der Blende größer wird. Ich habe das ganze in ein paar Beispielbildern veranschaulicht:

Abgebildet ist eine Blendenreihe von einer Blende f/1.8 über f/4.0 und f/8.0 bis Blende f/18. Man erkennt schön den geringen Schärfebereich auf dem Bild mit Offenblende (f/1.8), im Verlauf der Blendenreihe erkennt man wie mit dem schließen der Blende auch die Schärfentiefe zunimmt. Die Schärfentiefe ist dabei ein wichtiges gestalterisches Mittel in der Fotografie. Oftmals möchte man beispielsweise in der Portraitfotografie eine Person „Freistellen“ es soll also nur die Person scharf dargestellt werden, der Hintergrund soll in der Unschärfe verschwimmen, man muss also eine möglichst offene Blende nutzen. Bei Landschaftsaufnahmen dagegen möchte man meist das gesamte Panorama scharf abbilden und blendet daher ab. Fotografiert man nun im Automatikmodus kann die Kamera nicht wissen was wir gerade fotografieren möchten, daher ist es wichtig sich mit den Einstellparametern auseinander zu setzen und diese nach Bedarf selbst einzustellen.

Dem aufmerksamen Leser ist jetzt vielleicht aufgefallen, dass die 4 oben abgebildeten Bilder alle gleich hell sind, das ist doch eigentlich komisch denn weiter oben haben wir gelernt, dass durch schließen der Blende die einfallende Lichtmenge pro Blendenstufe halbiert wird. Eigentlich müssten die Bilder doch dunkler werden? Des Rätsels Lösung liegt darin, dass wir bisher die Blende als einzigen Einstellparameter, losgelöst von den anderen betrachtet haben. In der Praxis ist das jedoch nicht möglich, da sich alle Parameter gegenseitig beeinflussen. Das klingt zunächst kompliziert, ist es aber nicht ;).

In diesem Fall habe ich beim schließen der Blende im Gegenzug die Belichtungszeit erhöht und zwar genau soviel, das am Ende wieder dieselbe Lichtmenge auf den Sensor trifft und somit das Bild gleich belichtet wird. Die Belichtungszeit schauen wir uns im nächsten Beitrag an, möchte man nun mit verschiedenen Blendeneinstellungen arbeiten und nur die Blende als gestalterisches Mittel nutzen, so bietet die Kamera hierfür einen eigenen Modus. In der sogenannten Zeitautomatik wird wie der Name bereits sagt die Belichtungszeit von der Kamera automatisch eingestellt. Die Kamera wählt also automatisch die richtige Belichtungszeit zur eingestellten Blende. Bei den meisten Kameras wird dieser Modus entweder „A-Modus“ oder „Av-Modus“ genannt. Damit ist es möglich die Blende für die Bildgestaltung zu nutzen, ohne sich um die Belichtungszeit groß Gedanken machen zu müssen. Man muss lediglich darauf achten, dass die Belichtungszeit nicht zu lang wird um das Bild nicht zu verwackeln, dazu jedoch mehr im nächsten Beitrag.

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3 Kommentare auf "Technische Grundlagen – Teil 2 – Die Blende"

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