Technische Grundlagen – Teil 3 – Die Belichtungszeit

Im dritten Teil der Artikelserie wollen wir uns mit dem zweiten Einstellungsparameter, der Belichtungszeit etwas intensiver auseinander setzen. 

Die bisherigen Beiträge der Reihe finden sich hier:

Inhalt

  1. Technische Grundlagen – Teil 1 Wie ensteht ein Bild?!
  2. Technische Grundlagen – Teil 2 – Die Blende
  3. Technische Grundlagen – Teil 3 – Die Belichtungszeit

 

Überblick

Die Belichtungszeit, auch Verschlusszeit genannt, gibt an wie lange der Sensor der Kamera belichtet wird, also wie lange Licht auf den Sensor fällt. Somit ist klar, dass auch mit der Belichtungszeit die Lichtmenge die auf den Sensor trifft reguliert werden kann.

Folgendes Video veranschaulicht die Funktion des Verschlusses einer Kamera in Zeitlupe.

Zunächst betrachten wir die Belichtungszeit auch wieder losgelöst von den anderen beiden Einstellparametern. Die Belichtungszeit wird in Sekunden, bzw. Sekundenbruchteilen angegeben und reicht bei den meisten Kameras von 1/4000 Sekunde bis zu 30 Sekunden. Einige Kameras, vor allem im professionellen Segment bieten auch noch deutlich kürzere Verschlusszeiten von 1/8000 Sekunde oder kürzer.

Je länger nun die Belichtungszeit ist, desto mehr Licht fällt logischerweise auf den Sensor und desto heller wird demnach auch das Bild. Wie bereits bei der Blende, resultieren auch bei der Belichtungszeit die Einstellstufen in einer Verdopplung oder Halbierung der Lichtmenge. Wird also die Belichtungszeit beispielsweise von einer Sekunde auf zwei Sekunden verdoppelt, fällt auch doppelt soviel Licht auf den Sensor und das Bild erscheint dann ebenfalls „doppelt“ so hell. Andersherum natürlich bei einer Halbierung der Belichtungszeit. Auch der Zusammenhang zwischen Belichtungszeit und Blende resultiert immer in einer Verdopplung, bzw. Halbierung der Lichtmenge. Wir erinnern uns an die Blendenstufen aus dem Beitrag zur Blende, schließt man die Blende um eine ganze Stufe, so verdoppelt sich die benötigte Belichtungszeit für ein gleich belichtetes Bild. Andersherum beim Öffnen der Blende.

Man könnte aus dem bisher zusammengetragenen Wissen nun schließen, dass man einfach die Blende entsprechend der gewünschten Bildgestaltung einstellt und dann die Belichtungszeit frei gewählt werden kann. Grundsätzlich ist diese Annahme auch richtig, stößt jedoch in der Praxis an ihre Grenzen, auf die ich im folgenden Abschnitt eingehen möchte.

Die Richtige Belichtungszeit

Aus allem was ich bisher erklärt habe wissen wir nun, dass die Blende und die Belichtungszeit zusammengehören, da sie ja beide die einfallende Lichtmenge regulieren. Möchte man ein Bild korrekt belichten, müssen also beide Parameter richtig eingestellt werden. Möchte man ohne Stativ fotografieren, muss darauf geachtet werden, dass die Belichtungszeit nicht zu lange wird, da das Bild ansonsten verwackelt.

Während der Sensor belichtet wird, sollte sich sowohl das Objekt das man fotografiert, als auch die Kamera selbst nicht bewegen. Ist eigentlich logisch, bewegt sich entweder das zu fotografierende Objekt oder die Kamera während der Belichtung, „verschwimmt“ es auf dem Bild. Man nennt das auch verwackeln (wenn man die Kamera während der Belichtung bewegt), bzw. Bewegungsunschärfe (wenn sich das Objekt vor der Kamera bewegt). Fotografiert man starre Objekte wie z.B. Architektur, ist nur ausschlaggebend wie ruhig man selbst die Kamera halten kann, da sich das Gebäude im Normalfall nicht bewegt ;). Fotografiert man dagegen Personen, muss man auch immer deren Bewegungen mit einkalkulieren.

Für die Belichtungszeit existiert eine Faustregel, so sollte die Belichtungszeit nicht länger sein, als der Kehrwert der Brennweite. Fotografiert man also mit einem 50mm Objektiv, sollte die Belichtungszeit mindestens 1/50 Sekunde betragen. Das ganze ist aber nur ein grober Anhaltspunkt. Wer eine besonders ruhige Hand hat, kann oft auch längere Belichtungszeiten noch ohne Verwackeln halten, außerdem gilt die Regel natürlich nur für unbewegte Objekte, wer Sportler oder ein schnelles Auto fotografieren möchte muss die Zeit deutlich kürzer wählen!

Desweiteren muss bei dieser Faustregel auch der Crop Faktor der Kamera berücksichtigt werden. Die Regel ist für Vollformat Kameras ausgelegt, also einer Sensorgröße die eher in Profikameras zu finden ist. die meisten Einsteiger und Mittelklasse Kameras haben einen so genannten APS-C Sensor, welcher deutlich kleiner ist. Folgende Grafik zeigt eine Übersicht der verschiedenen Sensorgrößen

Sensorformate KB.svg
Sensorformate KB“ von ХрюшаEigenes Werk

Diese Vektorgrafik wurde mit Inkscape erstellt.. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

APS-C Sensoren sind um den Faktor von ca. 1,5 kleiner als Vollformat Sensoren, daher muss die Brennweite für die Faustregel mit diesem Faktor multipliziert werden.

Wird also wieder mit einer Brennweite von 50mm Fotografiert bedeutet dies: 50mm * 1,5 = 75mm. Davon der Kehrwert ergibt 1/75 Sekunde als längste Verschlusszeit.

Verfügen Kamera oder Objektiv zudem über einen Bildstabilisator, kann darüber die Verschlusszeit länger gewählt werden, da der Stabilisator Verwacklungen ausgleicht. Hier muss jedoch ebenfalls beachtete werden, dass sich der Stabilisator nur auf Verwacklungen der Kamera auswirkt, bei bewegten Objekten hat er keinen Einfluss!

 

Kameraeinstellungen

Wie bereits im Artikel zur Blende erklärt, kann man die Einstellungen komplett der Kamera überlassen, verzichtet dann aber auf eine ganze Reihe an Möglichkeiten zur Gestaltung des Bildes. Eine weitere Möglichkeit ist beide Werte manuell einzustellen (im M-Modus der Kamera), hierbei müssen sowohl Blende, als auch Belichtungszeit selbst eingestellt werden. Schließt man dabei die Blende muss im Gegenzug die Belichtungszeit verlängert werden, um das Bild gleich zu belichten.

Zwischen der komplett manuellen und der automatischen Einstellung gibt es noch die bereits im Beitrag zur Blende erklärte Zeitautomatik, bei der die Blende selbst gewählt wird um beispielsweise die Schärfentiefe zu bestimmen. Desweiteren gibt es Analog dazu die Blendenautomatik (S-Modus), bei der die Belichtungszeit selbst eingestellt werden kann und die Kamera die Blende dazu passend selbst wählt.

Möchte man beispielsweise schnelle Bewegungen einfrieren, muss man sehr kurze Belichtungszeiten wählen. Andersherum kann man auch gezielt eine lange Belichtungszeit wählen, um beispielsweise wie im Titelbild das Wasser und die Wolken bewusst verwischen zu lassen.

Gerade in dunklen Umgebungen kann es jedoch passieren, dass trotz komplett geöffneter Blende die Belichtungszeit zu lang gewählt werden muss, um ein verwacklungsfreies Bild machen zu können. Für diesen Fall gibt es noch einen dritten Einstellparameter, dieser wird im nächsten Beitrag behandelt.

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