Oslo – Bergen – Trondheim und zurück! Mit dem Schiff auf der Hurtigrute

Wie so oft in letzter Zeit klingelt der Wecker zu sehr früher Stunde. Das Frühstück fällt kurz aus, ein letztes Mal noch die Kameraausrüstung checken und schnell runter zum Taxi: hier in Norwegen fällt ein laufendes Taxometer nochmal deutlich unangenehmer auf als in Deutschland.

Auf geht´s Richtung Bahnhof, das Ziel für heute: Bergen. Wir fahren mit einem gewöhnlichen Regionalzug. Wobei so gewohnt ist er gar nicht, er ist 1. sauber und hat 2. kostenloses WLAN! Und das in der 2. Klasse! Achja das ganze übrigens zuverlässig über die gesamte Strecke, auch auf dem Fjell, wo keine Menschenseele wohnt steht die Verbindung. Das klappt nicht mal im ICE im Großraum Stuttgart!

Die Antwort der Bahn findet sich auf Twitter, war irgendwie klar 😉

Dank toller Aussicht und viel produktiv genutzter Zeit (WLAN sei Dank) ging die Zugfahrt wie im Flug vorüber. Nach der Ankunft in Bergen war eigentlich noch eine Stadtbesichtigung geplant, aber der CheckIn auf der MS Finnmarken beanspruchte doch recht viel Zeit. Naja nicht so schlimm, in Bergen waren wir ja schließlich schon einmal. Das Schiff der Hurtigruten Rederei ist das zweitneuste und größte auf der wohl „schönsten Seereise der Welt“ (Zitat Lonely Planet). Für die nächsten zwei Tage wird es also unser zuhause sein J

Das bedeutet natürlich zu allererst mal das Schiff und die Fotografie Möglichkeiten auschecken: leider liegen wir nicht im schöneren Teil des Hafens von Bergen und da das Schiff erst nach Sonnenuntergang ausläuft, fällt selbiger für heute im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.
Na dann checken wir halt als nächstes gleich mal die Bordcafeteria aus:

Ein Burger ohne Sauce (wo gibt´s denn sowas?) für umgerechnet 20€, aber immerhin macht er halbwegs satt!

Zurück an Deck warten wir vergeblich auf das Auslaufen des Schiffes. Eigentlich sollte es um 20 Uhr losgehen, aufgrund „technischer Probleme“ verzögert es sich aber auf unbestimmte Zeit – das geht ja gut los! Ein LKW (Typ-Kanalreiniger) steht vor dem Schiff und einige müde Gestalten laufen drum herum. Irgendwie tut sich aber nichts und so ziehen wir uns gegen 10 in unsere Kajüte zurück – irgendwie ist reisen halt doch immer ermüdend.  Im Halbschlaf registrieren wir dann doch noch das Auslaufen, haben aber keine Kraft mehr, uns nochmal an Deck zu schleifen.

Nachdem der Kapitän die verlorene Zeit nachts wiederreinholen musste, braucht es keinen Wecker zum Aufwachen, das erledigt der Seegang recht zuverlässig und noch vor der eigentlich angepeilten Weckzeit. Der Himmel ist leider auch zu stark bewölkt für einen schönen Sonnenaufgang. Um kurz vor 7 geht es dann trotzdem an Deck, schließlich kann man auch ohne Sonne schöne Fotos schießen, v.a. auf den Fjorden, wo es ja eigentlich fast immer schöne Felsformationen zu sehen gibt. Leider ist das 90mm Objektiv etwas kurz bemessen, eine längere Brennweite habe ich jedoch nicht dabei – muss also auch so gehen.

Nach den ersten Shots heute morgen erwartet uns ein opulentes Frühstück – so etwas sehen wir in unserer Studentenküche selten! Zum Glück ist das auch schon im Preis inbegriffen, da schmeckts gleich doppelt so gut.

Frisch gestärkt steht auch bald schon der erste Landgang in Ålesund an, leider nur ca. eine halbe Stunde – es reicht also nur für einen kurzen Spaziergang durch den Hafen und ein paar Bilder von unserem temporären mobilen Zuhause.

MS Finmarken - Hurtigrute

Unser mobiles Zuhause, die MS Finmarken!

Da die Hurtigruten Schiffen traditionsgemäß keine klassischen Kreuzfahrtschiffe sind,
wird die Route auch heute noch für den Fracht- und Personenverkehr zwischen den einzelnen Häfen genutzt. Man kann also an jedem Punkt zusteigen, bzw. die Reise beenden, deshalb werden viele Häfen nur kurz zum Ein- und Ausladen, bzw. Passagierwechsel angefahren, während es in anderen Häfen natürlich auch längere Aufenthalte gibt, sodass man die Gegend erkunden kann. Das kann man dann entweder mit vom Schiff organisierten Ausflugsangeboten oder aber auf eigene Faust tun, was eher unserer Art zu Reisen entspricht 😉

Ab Ålesund beginnt das Highlight der Reise: Die Fahrt in den Hjørundfjorden,  ein traumhafter Fjord mit einer genialen Sicht vom Schiff aus. Das Wetter ist inzwischen bestens und jahreszeitbedingt, steht die Sonne ja auch zur Mittagszeit nicht mehr hoch am Himmel. D.h.  beste Bedingungen, um den ganzen Tag ohne Pause durch zu fotografieren – ohne zu harte Schatten in der Mittagszeit. Das Ergebnis sind in meinem Fall dann bis zum Anschlag gefüllte Speicherkarten und die erstaunten bis genervten Blicke der anderen Passagiere, weil ich den ganzen Tag wie wild um das ganze Schiff herumrenne und alle paar Minuten jemanden bitte ein paar Schritte zur Seite zu gehen, damit ich von dieser Stelle aus 1, 2, 3  oder auch 50 Bilder machen kann.

Der nächste „Hafen“ ist Urke, obwohl Hafen tatsächlich übertrieben ist: Der Ort, in dem es mehr Schafe als Einwohner gibt, ist nur über ein Schnellboot zu erreichen, während unser Schiff vor Anker gehen muss. Nichtsdestoweniger ist Urke ein ganz toller Flecken für wunderschöne Bilder! Ca. 1,5 Stunden Aufenthalt sind definitiv zu kurz für die Motivdichte. Auf jeden Fall sollte man versuchen den Hausberg bei Urke zu erklimmen, die Sicht auf das Schiff und den Fjord ist fantastisch! Aber auch unten am Hafen gibt es tolle Buchten, wo man neben dem Fjordpanorama auch noch interessante Vordergründe findet. Außerdem gibt es dort auch ein kleines Café mit frischen Waffeln J Manche Norweger fallen tatsächlich aus allen Wolken, wenn man ihnen offenbart, dass Waffeln auch außerhalb Norwegens bekannt sind und gern gegessen werden ;).

Urke Norwegen Hurtigrute

Traumhafter Blick von Urke auf den Frjord

Zurück an Bord, geht es dann wieder den Weg zurück nach Ålesund, wo der Aufenthalt dieses mal länger ausfällt. Zeit genug, auch hier den Hausberg der Stadt zu erklimmen. Hab ich vorhin behauptet die Fahrt in den Fjord sei das Tageshighlight?! Na dann gibt’s davon eben heute gleich zweiJ Der Blick vom Aussichtspunkt auf dem Berg Aksla, den man nach einem Aufstieg über die gut 400 Stufen Treppe erreicht, ist einfach nur genial!

Alesund Fotospot

Ausichtspunkt in Ålesund

Sonne und Wolken spielen ebenfalls mit, sodass sich eine absolut geniale Stimmung ergibt! Selten habe ich so eine tolle Aussicht genossen.

Alesund

Blick auf Ålesund

Leider ist unser kurzer Aufenthalt auf der Finnmarken auch schon fast wieder vorbei. Früh morgens am darauffolgenden Tag steht schon der Abschied in Trondheim an. Der Tag ist leider etwas verregnet, aber wir lassen uns von so ein bisschen Wasser natürlich nicht abschrecken sondern unternehmen einen kleinen Ausflug in das angrenzende Naturschutzgebiet Bymarka, das auch sehr zu empfehlen ist! Wie auch in Oslo ist man in wenigen Minuten raus aus der Stadt und in der freien Natur. Das kenne ich so nur aus Norwegen – einfach toll!

Den Weg zurück fahren wir dann im Tesla-Taxi – ein Fahrvergnügen der besonderen Art und dazu sogar 4 Kronen billiger als mit dem Bus!

Auch die Festung, die berühmte Kathedrale (hier werden die norwegischen Könige gekrönt) und das Hafengebiet mit den bekannten Speicherhäusern dürfen natürlich nicht fehlen. Hier bietet sich am zweiten Tag auch noch ein toller Sonnenaufgang, bevor es dann im Mietwagen wieder Richtung Oslo geht – mitten durch die verschiedensten Landschaften im Inneren dieses facettenreichen Landes!

Trondheim Sonnenaufgang

Die berühmten Speicherhäuser Trondheims zum Sonnenaufgang

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3 Kommentare auf "Oslo – Bergen – Trondheim und zurück! Mit dem Schiff auf der Hurtigrute"

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Erika Wehde
Gast
Erika Wehde

Leider lassen sich deine Fotos auf meinem iPad nicht hochladen. Bin auf der Suche nach einem Filtersystem auf dich aufmerksam geworden. Als Norwegen- vielfahrerin ( auch mehrfach Hurtigrute) habe ich mir sofort deinen Bericht durchgelesen. Aber Urke habe ich noch nie gehört. Also ich denke, du meinst Geiranger

Erika Wehde
Gast
Erika Wehde

Als Norwegen-Vielfahrerin habe ich noch nie etwas von „Urke“ gehört. Könnte es Geiranger sein?

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