Nordlichter Fotografieren – praktische Tipps an Beispielen

Weiter geht´s mit dem großen Nordlichttutorial – in diesem Beitrag möchte ich euch anhand von einigen Bildern meine jeweils gewählten Einstellungen beschreiben und erklären von welchen Randbedingungen die Einstellungen beeinflusst werden. Die Grundlagen zu den Kameraeinstellungen findest du im 2. Beitrag der Serie.

Das Inhaltsverzeichnis führt dich auch zu allen anderen Beiträgen der Tutorial-Serie:

Inhalt

  1. Nordlichter Fotografieren – die Basics
  2. Wie fotografiert man Nordlichter?
  3. Nordlichter Fotografieren – praktische Tipps an Beispielen
  4. Nordlichter Fotografieren – die Ausrüstung
  5. Nordlichter Fotografieren – Planung ist alles?

Der Mond ist dein Freund!

Nordlichter - Haukland - Lofoten

Haukland Beach – 3,2s / f4 / ISO 3200 / 16mm (Sony A7rii – Zeiss FE 16-35)

An den Einstellungen sieht man, dass ich mit sehr kurzer Belichtungszeit fotografiert habe – trotzdem ist der Vordergrund fast taghell, warum ist das so?

Der Grund dafür ist ganz einfach: Weil das Bild bei Vollmond aufgenommen wurde, ist der Vordergrund auf natürliche Weise sehr gut ausgeleuchtet und das Bild braucht nur eine einzige Belichtung! Fantastische Bedingungen also! Eine recht ähnliche Wirkung hat übrigens Schnee auf dem Boden.

Die kurze Belichtungszeit hat es mir dann ermöglicht, die wunderbare Struktur des Nordlichts abzubilden. Da es sich nämlich sehr schnell bewegt hat, wäre mit 8 oder 10 Sekunden Belichtungszeit alles verschwommen gewesen. Trotzdem sieht man, dass die Einstellungen nicht besonders extrem sind, ISO 3200 und Blende 4 sind noch recht moderat. Es gilt die Überschrift: „Der Mond ist dein Freund“ ;).

Aber jeder Freund hat auch seine Macken und so haben Vollmondnächte auch einen kleinen bitteren Beigeschmack: Nordlichter, die nur sehr schwach aktiv sind, sind dann nämlich am Nachhimmel noch schlechter sichtbar. Es braucht also für so ein Bild schon eine höhere Aktivität – in dieser Nacht hatte ich richtig Glück, der Himmel hat gebrannt!

Bei Vollmondnächten auch unbedingt zu beachten ist die „Schattenseite“: Es kann schnell mal vorkommen, dass man selbst einen Schatten auf den ausgeleuchteten Vordergrund wirft. Daher habe ich den Bildschnitt so gewählt, dass der Schatten kaum zu sehen ist und das bisschen Stativ, das es dann doch noch ins Bild geschafft hat, habe ich später raus retuschiert.

Sonne 2.0

Nordlicht Vollmond Uttakleiv Lofoten

Vollmond vs. Nordlicht – Uttakleiv Beach – 2,5s / ISO 2500 / f4 / 16mm (Sony A7rii – Zeiss FE 16-35)

Dieses Bild ist ebenfalls bei Vollmond entstanden (Nein, der Stern ist nicht die Sonne ;)), dieses Mal allerdings in die andere Richtung fotografiert. Die Berge sind nicht ganz so hell wie beim ersten Bild – logisch es wurde ja auch im „Gegenlicht“ fotografiert. Trotzdem reicht auch hier eine Belichtung. Die Parameter sind sogar noch ein wenig moderater als beim ersten Bild, nur 2,5s Belichtungszeit und ISO 2500 bei Blende f/4. Die Belichtungszeit habe ich hier nochmal verkürzt, da die Lichter sich nochmal einen Tick schneller bewegt haben als beim vorigen Bild. Man sieht das schön am linken Bildrand, wo das Nordlicht geradezu vom Himmel zu fallen scheint. Bei längerer Belichtungszeit wäre die Struktur nicht mehr sichtbar gewesen.

Eine Belichtung reicht nicht!

Nordlicht - Gymsoy - Lofoten - Norwegen

Gimsoy – 2 Belichtungen, Nordlicht: 13s / ISO 2500 / f4 / 16mm + Vordergrund: 71s / ISO 2500 / f4 / 16mm (Sony A7rii – Zeiss FE 16-35)

Nicht immer kommt man mit einer Belichtung zurecht. Diese Nacht an der Kirche in Gimsoy war relativ dunkel,  da der Mond noch nicht aufgegangen war (er deutet sich hier aber schon am Horizont durch die leichte Orangefärbung am Himmel an) und es außerdem auch recht bewölkt gewesen ist. An den Einstellungen sieht man, dass dadurch ganz andere Parameter notwendig waren als in der klaren Vollmondnacht vom Uttakleivbeach. Aber einzelne Wolken können für die Bildkomposition nunmal auch ihren Reiz haben 🙂

Das Bild besteht aus zwei Belichtungen: eine für den Nordlichthimmel mit 13s Belichtungszeit, da die Lichter recht langsam unterwegs waren, die zweite für den Vordergrund, der ohne Vollmond ganze 71s belichtet werden musste!

Lichtverschmutzung?

Nordlichter Hamnoy

Hamnoy – 5s / ISO 2500 / f4 / 16mm (Sony A7rii – Zeiss FE 16-35)

Eine dunkle Neumondnacht und trotzdem reichen 5s bei ISO 2500 für dieses Bild!? Grund dafür sind die Lichter rund um die berühmten Robuer von Hamnoy, die sowohl die Berge, als auch den Vordergrund anstrahlen. Auch hier reicht daher eine kurze Belichtung aus!

Aber auch dieses Bild hat seine ganz eigene Challenge: Der Weißabgleich! Ich habe das ja schon im letzten Beitrag angerissen. Das Problem an diesem Spot sind die hellen Straßenlaternen auf der Brücke, von der aus dieses Bild fotografiert wurde. Die strahlen nämlich ein extrem hässliches Orange ab, daher musste ich dieses Bild selektiv bearbeiten, um den krassen Orangestich im Vordergrund abzumildern, ohne gleichzeitig die Nordlichter zu blau erscheinen zu lassen.

Den neutralen Weißabgleich erstelle ich mithilfe der Technik, die ich in diesem Video erkläre.

Jedes Bild ist anders!

Der Reiz bei Nordlichtfotos ist, dass jedes Bild absolut einzigartig ist (außer es stehen gerade zwei Fotografen direkt nebeneinander und schießen gleichzeitig mit den exakt gleichen Einstellungen das gleiche Bild ;)) Man kann guten Gewissens eine Location mehrfach aufsuchen und trotzdem entstehen jedes Mal komplett andere Bilder!

Das bedeutet aber auch, dass man sich auf jede Situation neu einstellen muss. Ich denke die vier Beispiele zeigen recht gut, wie unterschiedlich die Einstellungen und Resultate sind – je nach Lichtsituation.

Die Kameraeinstellungen hängen also wesentlich von diesen Parametern ab:

  • Intensität der Nordlichter
  • Mondphase
  • Wolkenbedeckung
  • Umgebungslicht

Je nach Kombination dieser Parameter, müssen die Einstellungen gewählt werden. Aber das ist alles kein Hexenwerk, wie so oft gilt auch hier: Ausprobieren!

Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Spaß und Erfolg bei der Umsetzung 😉

Im nächsten Beitrag zeige ich dir, welche Ausrüstung man für die Nordlichtfotografie braucht und was ich verwende!

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