Nordlichter Fotografieren – Planung ist alles?

Ich fahre zur Kirche bei Gimsoy. Als ich den Parkplatz sehe denke ich mir: „Was für ein geiler Spot“ – Die Kirche unter den Nordlichtern sollte eines meiner Zielfotos auf der Lofotenreise werden! Es ist 18 Uhr, noch ca. 2h Stunden bis es wirklich dunkel ist. Alles passt, der Mond steht richtig und sollte die Kirche perfekt ausleuchten, es ist wolkenloser Himmel angesagt – es fehlen nur noch die Nordlichter. So langsam wird es kalt, also schlüpfe ich in den warmen Schlafsack um die verbleibenden 2- 3 Stunden abzuwarten.
Nach einer Stunde schaue ich zum Horizont: „Was soll jetzt der Scheiß?“ rufe ich, als ich das dichte und dunkle Wolkenband am Horizont aufziehen sehe. Man kann schon fast zusehen, wie es in Richtung des geplanten Spots zieht, na ganz toll! Hoffentlich lässt es sich noch etwas Zeit.
Es ist 20 Uhr, das Wolkenband hat den Blick nach Norden schon halb bedeckt, aber noch gebe ich nicht auf! Nordlichter sind leider noch keine zu sehen. Ich schäle mich aus dem Schlafsack und stelle mich an die vorher geplante Stelle. Ein Testbild zeigt eine leichte Nordlichtaktivität. Aber viel zu schwach für die helle Mondnacht! Die Vorhersage sah anders aus….

Das Ergebnis des Abends: Um 23 Uhr habe ich genervt die einstündige Heimfahrt angetreten, das Wolkenband hat inzwischen fast den ganzen Himmel bedeckt und die Nordlichtaktivität war praktisch bei null. Aber es war ja auch erst die 4. Nacht auf den Lofoten – ich hatte also noch Zeit.

Am nächsten Morgen habe ich dann erfahren, dass es gegen 3 Uhr in der Nacht doch noch schöne Nordlichter zu sehen gab. So läuft das eben…

Inhalt

  1. Nordlichter Fotografieren – die Basics
  2. Wie fotografiert man Nordlichter?
  3. Nordlichter Fotografieren – praktische Tipps an Beispielen
  4. Nordlichter Fotografieren – die Ausrüstung
  5. Nordlichter Fotografieren – Planung ist alles?

Die beste Planung hilft (oft) nichts

Wenn das Wetter nicht mitmacht, hilft auch die beste Planung nichts. Damit will ich nicht sagen, dass Planung unwichtig wäre. Ganz im Gegenteil, aber man darf sich auch nicht unterkriegen lassen, wenn die Bedingungen eben nicht dem Plan entsprechen. In der Landschaftsfotografie muss man sich darauf einstellen, dass nicht alles läuft wie geplant, v.a. auf den Lofoten und v.a. bei Nordlichtern! Es gibt einfach extrem viele Abhängigkeiten und alle müssen stimmen, damit der geplante Shot auch möglich ist:

  • eine möglichst klare Nacht
  • (Mondstellung)
  • gute Nordlichtaktivität  (Sterne und auch die Milchstraße sind ja immer da, aber Nordlichter sind teilweise rechte Diven und tauchen dann auf wann es ihnen passt)

Enttäuschung und Ärger bringt nichts, das sollte man gleich von vorn herein mit einkalkulieren!

Letztendlich ist aus dem geplanten Shot dann ein paar Tage später doch noch was geworden, es hatte zwar auch Wolken am Himmel – allerdings nicht so viele und der Mond ging erst sehr spät in der Nacht auf und konnte so auch noch hervorragend ins Bild mit einbezogen werden. Am Ende waren es zwar andere Fotos als geplant, aber keineswegs schlechter – vielleicht sind es sogar die eindrucksvolleren Bilder geworden!

Ohne Planung wird es schwer

Wie ich schon sagte, soll das bisher Geschriebene keinesfalls heißen, dass Planung unnötig oder nicht wichtig wäre. Wer Nordlichter fotografieren will, sollte sich vorher ein paar Gedanken machen:

Das Wetter

Sehr wichtig ist das Wetter! Ich nutze für eine einigermaßen sichere Vorhersage  die Wetterapp Weather Pro. Die Datenbasis der MeteoGroup ist sehr gut – außerdem zeigt die App alle wichtigen Parameter und vor allem auch die sehr wichtige Wolkenbedeckung an. Zudem gibt es dort super Satellitenkarten für die aktuelle Lage, auf denen sehr gut sichtbar ist, ob es sich lohnt, den Standpunkt doch nochmal um 10km zu verschieben oder ob die Wolkenfront in der nächsten Stunde verschwindet und man also getrost warten kann.

Weather Pro iOS

Weather Pro Android

Die Nordlichter

Neben dem Wetter gibt es natürlich auch für die Nordlichter selbst Vorhersagen.  Ich selbst nutze eine recht einfache App und verlasse mich ansonsten vor allem auf zwei Facebook Seiten, die die aktuelle Aktivität sehr gut ankündigen.

Die App ist kostenlos und nennt sich Norway Lights und berücksichtigt Wetterinformationen und Nordlichtaktivität, um daraus die mögliche Sichtbarkeit darzustellen. Das Ganze ist einfach gehalten und reicht für den ersten Überblick, mehr aber auch nicht.

Besser finde ich die Facebook Seite Aurora Alerts – darüber kann man sich über die aktuelle Aktivität benachrichtigen lassen und es werden dort laufend Updates veröffentlicht, mit denen man die Aktivität sehr gut einschätzen kann. Bei meinen zahlreichen Nordlichtnächten hat diese Quelle sehr gute und verlässliche Infos geliefert! Ebenfalls empfehlenswert ist die Seite Aurora Service Europe – dort wird zusätzlich immer noch dargestellt, wo die Nordlichter bei welcher Aktivität ungefähr sichtbar sind. Gerade am Anfang, wenn man noch kein Gefühl für die Werte hat ist das hilfreich.

Einen guten Überblick über die Entwicklung findet man auf der Website Spaceweatherlive. Dort wird auch für einen längeren Zeitraum die zu erwartende Aktivität aufgelistet.

Was ist der KP Wert?

Alle Quellen, mit Ausnahme der zuerst genannten App, geben den sogenannten KP Index an. Ich will hier nicht zu tief einsteigen, Infos zu den Hintergründen findet man bei Interesse unter anderem auf Wikipedia und auf dieser Seite.

Kurz erklärt: Der KP Index gibt die geomagnetische Aktivität – und damit die Möglichkeit zur Beobachtung der Nordlichter an. Der Index wird auf einer Skala von 0 – 9 dargestellt, null bedeutet niedrige Aktivität, 9 ist ein extremer Sturm! Außerdem gibt der Index an, bis zu welchem Breitengrad die Nordlichter bei jeder Stufe sichtbar sind (mehr Infos dazu auf der verlinkten Seite).

In Stein gemeißelt ist das Ganze allerdings nicht! Ich habe schon Nordlichter gesehen, als der KP Wert eher niedrig war und umgekehrt. Trotzdem ist diese Vorhersage ein guter Ansatzpunkt nach dem man sich richten kann.

Zielfotos!

Wichtig ist außerdem sich vorher zu Überlegen was man denn für Zielfotos machen möchte. Spielt beispielsweise Mondlicht eine Rolle, muss man diesen Faktor auch bei der Planung berücksichtigen. Dazu eignet sich die App Photopills sehr gut: http://www.photopills.com

Mein Tutorial zur App findest du hier: Photopills Tutorial

Man sollte sich auch vorher Gedanken über die Komposition und den Standort machen, am besten ist es, sich die Location bei Tag anzuschauen. Bei Dunkelheit, unter Zeitdruck und mit der Aufregung endlich Nordlichter zu fotografieren, fällt die Suche nach einem geeigneten Spot nicht gerade leicht!

Auch sollte man immer Alternativen im Hinterkopf haben, ich habe immer mehre Locations auf dem Plan, um auch bei wechselnden Wetterbedingungen schnell den Standort wechseln zu können.

Dazu überlege ich mir vorher schon ungefähr, wie ich das Foto gerne haben möchte und auf was man dabei achten muss.

Das entspannt das Fotografieren deutlich!

Beherzigst du diese Tipps, hast du alles dir Mögliche getan, um ein Nordlichtbild vorzubereiten. Den Rest hat man nicht in der Hand! Eine gute Portion Glück ist immer im Spiel ;).

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar
wpDiscuz