Nordlichter Fotografieren – die Ausrüstung

Die erste Nordlichtnacht steht an und ich packe meinen Rucksack – aufgeregt bin ich, hoffentlich gibt es Nordlichter zu sehen und hoffentlich verziehen sich die Wolken noch rechtzeitig! Es ist eine klare Nacht vorhergesagt, aber viel gebe ich auf den Lofoten nicht auf die Wettervorhersage – zu oft hat sich in den letzten Tagen gezeigt, dass sich das Wetter davon nicht beeindrucken lässt.

Inhalt

  1. Nordlichter Fotografieren – die Basics
  2. Wie fotografiert man Nordlichter?
  3. Nordlichter Fotografieren – praktische Tipps an Beispielen
  4. Nordlichter Fotografieren – die Ausrüstung
  5. Nordlichter Fotografieren – Planung ist alles?

Als ich ein grünes Leuchten am Himmel sehe, renne ich zum Auto und merke auf dem Weg, dass ich doch wieder etwas vergessen habe! Fluchend haste ich zurück ins Haus.

Wie die Nordlichtjagd auf den Lofoten weiterging erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Damit es dir nicht auch so geht zeige ich dir in diesem Blogbeitrag welche Ausrüstung ich dabei habe und was ich bei der Anschaffung von neuem Equipment im Hinblick auf die Nordlichtfotografie empfehlen kann.

Die richtige Ausrüstung ist bei der Nordlichtfotografie nicht ganz unwichtig. Einiges braucht man unbedingt, anderes erhöht den Komfort beim Fotografieren drastisch (Stichwort kalte Finger;)).

Ausrüstung Nordlichtfotografie

Mein Rucksack für die Nordlichtfotografie

Kamera

Eins ist klar: Ohne vernünftige Kamera wird es schwierig. Für die Nordlichtfotografie braucht man schon etwas mehr als eine normale Kompaktkamera, wie du seit den letzten Beiträgen weißt – darf man bei Nordlichtern nicht allzu lange belichten. Daher braucht man eine Kamera die mit hohen ISO Zahlen umgehen kann – je mehr desto besser!

Bei aktuellen Kameras ist das nicht mehr das große Problem. Bis ISO 2500 kann man mit den aktuellen Sensoren problemlos gehen. Eine Sony A6000 beispielsweise bekommt man für schmales Geld und kommt damit sehr weit. Nordlichter sind damit kein Problem.

Ein Vollformat Body wie die Sony A7ii, A7rii oder auch die Nikon D750 oder D800 sind natürlich besser – eine neue Kamera speziell für diesen Zweck braucht man aber meistens nicht.

Das sind natürlich nur einige Beispiele, auch mit anderen Kameras ist die Nordlichtfotografie möglich.

Objektive

Auch an ein passendes Objektiv sollte man denken, mit dem Kitobjektiv macht die Nordlichtfotografie kaum Spaß – wichtig ist eine hohe Lichtstärke, auch sollte man ein Weitwinkelobjektiv verwenden, um einen großen Bildwinkel aufnehmen zu können.

Lichtstärke ist wichtig, aber nicht ganz so wichtig wie beispielsweise bei der Fotografie der Milchstraße.

Warum das so ist habe ich in den letzten Beiträgen ausführlich beschrieben – die Kurzversion: Nordlichter sind heller als Sterne!

Während in der Astrofotografie eine Blende von f/2.8 als Minimum gilt, kann man für Nordlichter auch noch Objektive mit Blende 4 problemlos einsetzen. Voraussetzung ist dann natürlich eine Kamera mit ausreichend ISO Reserven.

Meine Nordlichtbilder sind fast ausschließlich mit dem Sony FE 16-35 mit einer Offenblende von f/4 an der A7rii entstanden.

Das 14mm Samyang mit f/2.8 habe ich bewusst nicht genutzt, da mein Sony deutlich schärfer ist – in meinem Fall ist das Bildergebnis mit höherer ISO aber dem besseren Objektiv besser, das hängt aber von der Kombination aus Kamera und Objektiv ab und lässt sich nicht pauschal beantworten.

Offenere Blenden sind definitiv hilfreich! Gerade wenn die Kamera nicht so spielend mit hohen ISO Zahlen umgehen kann ist es vorteilhaft wenn man Blende f/2.8 und besser zur Verfügung hat.

Zur Einordnung: Bei Blende f/4 liege ich an der A7rii bei ISO 2.500 – 6.400, letzteres ist dann aber nicht mehr mit jeder Kamera möglich.

Das Samyang ist übrigens nicht per se schlecht, aber eben schlechter als mein Sony Zoom. Für um die 400€ je nach System ist es definitiv eine Überlegung wert, für die Milchstraßenfotografie nutze ich es selbst auch.

Wer mehr Geld zur Verfügung hat findet bei Tamron mit dem aktuellen 15-30mm f/2.8 eine geniale Linse mit hoher Lichtstärke, die man in allen Bereichen der Landschaftsfotografie sehr gut einsetzen kann.

Wer eine A6000 sein eigen nennt, findet mit dem Samyang 12mm eine gute und lichtstarke Linse – ideal für die Nordlichtfotografie. Wer über eine Neuanschaffung nachdenkt, sollte sich diese Kombination näher anschauen.

Stativ ist Pflicht!

Ohne Stativ geht es nicht, Belichtungszeiten von 2-30s für die Nordlichter und teilweise noch länger für den Vordergrund erfordern in jedem Fall ein Stativ.

Man sollte dabei auf ein ausreichend stabiles Stativ achten – nichts ist ärgerlicher als wenn die Bilder wegen einem instabilen Stativ unscharf werden.

Meine Empfehlung lautet nach wie vor: Vanguard Alta Pro 263 stabil, ausreichend hoch und gute Qualität. Es ist bei mir regelmäßig Sturm und Salzwasser ausgesetzt und tut seinen Dienst sehr zuverlässig.

Von leichten Reisestativen rate ich ab, denn gerade in Norwegen hat man oft mit viel Wind zu tun. Wenn das Stativ dann noch im Wasser steht wird es schnell gefährlich für die Kamera.

Auslösen – mit Kabel oder Funk

Auch ein Auslöser ist sehr zu empfehlen, zwar haben die meisten Kameras einen 2-3 Sekunden Timer, sodass man nicht in Gefahr läuft beim Auslösen zu verwackeln – aber spätestens bei längeren Belichtungszeiten (mehr als 30s) ist bei den meisten Kameras Schluss.

Ich empfehle daher einen einfachen Kabelauslöser, damit sind auch Langzeitbelichtungen im Bulb Modus möglich.

Die einfache Variante nur zum Auslösen gibt es für schmales Geld: einfacher Kabelauslöser

Die etwas besser ausgestatteten Auslöser haben auch noch eine Intervallfunktion (z.B. für Timelapse aufnahmen): Intervall Auslöser

Kalte Finger sind Blöd

Nicht unterschätzen sollte man die Temperaturen! Zwar wird es auf den Lofoten nicht so eisig wie im Landesinneren, warm ist es trotzdem nicht. Bei starkem Wind fühlt es sich zudem auch deutlich kälter an als es tatsächlich ist. Wenn man dann mehrere Stunden draußen verbringt sollten gute Handschuhe nicht fehlen.

Ich habe diese hier: Matin Fotohandschuhe

Vorteil dieser Variante: Man kann die Finger umklappen und so die Kamera besser bedienen! Neben Handschuhen schadet eine Thermoskanne mit Tee sicher auch nicht um sich warm zu halten 😉

Es werde Licht!

Wenn nicht gerade Vollmond ist und Schnee liegt, sind Nächte nunmal recht dunkel. Eine Taschenlampe ist daher Pflicht, denn gerade an den Steinstränden auf den Lofoten kann es sehr rutschig sein, man sollte also sehen wo man hintritt. Oft ist eine Taschenlampe auch zum Fokussieren sehr hilfreich!

Empfehlen kann ich da die LED Lenser Modelle von Zweibrüder – extrem hell und sehr robust! Allerdings sollte man sich definitiv nicht in die Augen leuchten, aber versteht sich ja von selbst 😉

Ohne Strom geht gar nichts!

Akkus sind bei der Nordlichtfotografie – aber auch allgemein in kälteren Gefilden ein wichtiges Thema! Die Akkus halten bei sehr niedrigen Temperaturen nicht so lang durch wie im Warmen. Das heißt man sollte ausreichend Akkus einplanen, nichts ist ärgerlich als wenn die Fotosession wegen zu wenig Akkus abgebrochen werden muss!

Ausrüstung schützen

Mit etwas mulmigem Gefühl im Bauch stehe ich vorn auf dem letzten erhöhten Stein am Uttakleiv Strand auf den Lofoten. Katja ist auf dem Weg zum Auto und holt meinen improvisierten „Gaffa-Plastiktüten“ Kameraschutz. Wie war das mit der Statistik? „Jede zehnte Welle ist besonders hoch“, aber wann war die letzte zehnte Welle?!

Es stürmt und die Wellen ergeben bei der Langzeitbelichtung einen tollen Vordergrund, dazu muss man eben nah ans Wasser! No Risk no fun lautet die Devise – letztendlich ist alles gut gegangen.

Der Schutz der Ausrüstung gehört aber trotzdem Dazu, gerade wer am Wasser unterwegs ist sollte eine einfache Plastiktüte mitnehmen. Die gröbsten Wasserspritzer kann man damit gut abhalten, auch mit Niselregen muss man gerade auf den Lofoten immer wieder rechnen. So ein improvisierter Schutz gehört daher in jeden Rucksack!

Aber auch nach dem Fotografieren muss man aufpassen. Denn gerade wenn es kalt ist, sollte man die Kamera nicht direkt mit ins warme Wohnzimmer nehmen. Es besteht die Gefahr das die Luftfeuchtigkeit auf den kalten Elementen der Ausrüstung kondensiert, wenn es ganz blöd läuft auch im Objektiv oder in der Kamera. Das ist nicht gut!

Daher nach dem Fotografieren die Kamera am besten noch einige Zeit eingepackt im gut isolierten Rucksack im Flur stehen lassen – so kann sich die Temperatur langsam angleichen.

Die Anforderungen an die Ausrüstung sind nicht allzu hoch, mit einer ordentlichen „Standard Landschaftsausrüstung“ kann man bereits loslegen!

Ich freue mich über Rückmeldungen zum Tutorial, wir lesen uns die Tage!

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar
wpDiscuz