Nordlichter Fotografieren – die Basics

Der Traum der meisten Landschaftsfotografen dürfte es wohl sein, einmal die Nordlichter zu Gesicht zu bekommen – besser noch, auch ein gutes Foto davon mitzunehmen!

Da das aber gar nicht so leicht ist und von vielen Faktoren abhängt, möchte ich dir in dieser Artikelserie das Wissen und Handwerkszeug für das perfekte Nordlichtfoto mitgeben!

Inhalt

  1. Nordlichter Fotografieren – die Basics
  2. Wie fotografiert man Nordlichter?
  3. Nordlichter Fotografieren – Praktische Tipps
  4. Nordlichter Fotografieren – die Ausrüstung
  5. Nordlichter Fotografieren – Planung ist alles?

Los geht´s mit den Basics!

Was sind Nordlichter überhaupt?

Ich möchte und kann hier natürlich keine wissenschaftliche Abhandlung über die physikalischen Hintergründe darbieten – daher in Kürze:
„Nordlichter“ oder auch „Polarlichter“ heißen wissenschaftlich korrekt „Aurora Borealis“ und sind – wie soll es auch anders sein – vor allem im hohen Norden sichtbar. Sie entstehen durch das Auftreffen elektrisch geladener Teilchen aus Sonnenwinden auf die Erdatmosphäre.

Wer sich etwas tiefer einlesen möchte, findet auf Wikipedia weitere Infos dazu ;).

Wer schon mal Nordlichtbilder gesehen hat, wird festgestellt haben, dass darauf oft verschiedene Farben zu sehen sind. Nordlichter können in folgenden Färbungen auftreten, abhängig von den Molekülen und der jeweiligen Höhe, in der die geladenen Teilchen die Moleküle in der Erdatmosphäre treffen:

  • Rote Färbung:             Sauerstoff in mehr als 200 km Höhe
  • Grüne Färbung:           Sauerstoff in 100 – 200 km Höhe
  • Violette Färbung:         Stickstoff in 200 km Höhe
  • Pinke Färbung:            Stickstoff in ca. 100 km Höhe

Am häufigsten bekommt man Nordlichter mit grüner Färbung zu Gesicht. Die anderen treten nur bei starken Sonnenstürmen auf, dementsprechend bekommt man sie wesentlich seltener zu sehen.

Wo kann man Nordlichter sehen?

Norden heißt im Fall von Nordlichtern vor allem Skandinavien, Island, Grönland, Kanada und Alaska – je nördlicher desto besser! Wenn der Sonnenwind außergewöhnlich stark ist, was ca. alle 11 Jahre passiert, hat man sogar in Deutschland die Möglichkeit Nordlichter zu sehen. Allerdings sind sie dort natürlich längst nicht so stark wie im Norden. Die letzte Periode mit außergewöhnlich starken Sonnenwinden war übrigens 2013/14, aber das heißt natürlich nicht, dass es dazwischen keine Nordlichter zu sehen gibt!

Sehen kann man Nordlichter vor allem im sogenannten Polarlichtoval, das den Bereich der sichtbaren Erscheinung angibt. Man sollte sich innerhalb dieses Ovals befinden, dann hat man sehr gute Chancen auch Nordlichter zu Gesicht zu bekommen.

Norwegen und Island dürften wohl die bekanntesten Orte für die Nordlichtfotografie sein. Während man in Island die Nordlichter überall bestaunen kann, sollte man in Norwegen den Polarkreis hinter sich lassen: die Lofoten und Tromsø sind hier wohl die beliebtesten Ecken.

Wann ist die beste Zeit für die Nordlichtjagd?

Hat man sich für ein Reiseziel entschieden, stellt sich nur noch die Frage nach dem perfekten Reisezeitraum.

Grundsätzlich treten Nordlichter ganzjährig auf und man könnte sie innerhalb des Polarlichtovals also theoretisch ganzjährig beobachten. Praktisch scheitert das in den nördlichen Regionen jedoch an der mangelnden Dunkelheit in den Sommermonaten. Denn je dunkler, desto besser sind die Nordlichter zu erkennen!

Die beste Zeit für die Nordlichtfotografie ist daher von Mitte September bis März.

Zur Tageszeit gibt es verschiedene Meinungen: die einen schwören darauf, bereits zur Dämmerung loszuziehen, andere sind der Meinung, Mitternacht wäre die beste Zeit. Wenn ich mir jedoch meine Nordlichtfotos ansehe und auch die Vorhersagen dazu, dann kann ich da keine bevorzugte Zeit ableiten. Es ist die ganze Nacht über möglich!

Hier zahlt sich Durchhaltevermögen aus!

Eine wichtige Rolle allerdings spielt, wie auch bei der Sternenfotografie, der Mond. Seine Helligkeit bestimmt zum einen die Sichtbarkeit der Nordlichter, aber auch in welchem Licht die Umgebung erscheint. Auch da gibt es nun je nach Priorität verschiedene Geschmäcker: Die einen fotografieren lieber bei Neumond, die anderen bei Vollmond oder dazwischen, denn im Gegensatz zur Sternenfotografie ist beides gut möglich:
Bei Vollmond müssen die Nordlichter zwar deutlich stärker sein, aber Vollmondnächte haben dafür den Vorteil, dass auch der Vordergrund schön natürlich ausgeleuchtet wird und man oft mit nur einer Belichtung auskommt. Bei sehr dunklen und mondlosen Nächten dagegen ist oftmals eine zweite Belichtung für den Vordergrund oder Lightpainting notwendig.

Ich persönlich finde die Nächte der Halbmondphasen deshalb sehr spannend, da bekommt man von allem etwas ;).

Einen ganz besonderen Reiz haben Nordlichter mit über dem Horizont aufgehendem Mond –  genial, wenn man so eine Komposition mitnehmen kann!

Die bereits angesprochene Schwankung der Sonnenwindaktivität spielt natürlich auch bei der Zeitfrage eine Rolle: Jahre mit starker Aktivität sollte man deshalb nach Möglichkeit unbedingt auch für die „Jagd“ nach Nordlichtern einplanen und nutzen!

 Das Wetter

Vor lauter Nordlichter sollte man aber auf keinen Fall das Wetter aus den Augen verlieren, denn wenn es eine dichte Wolkendecke hat, sieht man eben auch keine Nordlichter, da kann die Aktivität noch so stark sein!

Und weil man das Wetter nun mal schlecht beeinflussen kann, sollte man es bereits bei der Planung der Reisezeit unbedingt berücksichtigen und dabei auch die lokalen Bedingungen im Blick behalten. Man sollte sich z.B. vorher überlegen, ob man eine herbstliche oder lieber eine schneebedeckte Landschaft als Vordergrund haben will.
Auf Island ist das Wetter immer recht launisch, insbesondere im Herbst und Winter. Dasselbe gilt für die Lofoten. Gerade im November hat man hier viele Regentage, aber höchstwahrscheinlich noch keinen Schnee. September und Oktober, bzw. Februar, März haben daher eine wesentlich bessere Nordlichtquote für Fotografen. Das Gute ist, dass das Wetter gerade an den Küsten sehr schnell wechselt und man so bei einem etwas längeren Aufenthalt deshalb gute Chancen hat, dass das Wetter zumindest manchmal mitspielt. Zudem kann man kleinere Wolken auch hervorragend mit den Nordlichtern in Szene setzen!

Reisedauer

Häufig unterschätzt: Die Reisedauer. Die meisten Reisenden, die ich hier auf den Lofoten getroffen habe, waren nur für ein paar Tage hier, um das „Erlebnis Nordlichter“ von der Bucketlist streichen zu können. Kann man machen, ist aber nicht zu empfehlen! Denn das Risiko ist, wie oben schon erwähnt, einfach zu hoch, dass das Wetter eben an diesem verlängerten Wochenende total miserabel ist.

Wer also mit dem Ziel schöne Nordlichtfotos mit nach Hause zu nehmen unterwegs ist, sollte anders vorgehen!

Ich würde als absolutes Minimum eine Woche Aufenthalt ansetzen, besser sind zwei oder mehr. Die Wahrscheinlichkeit Nordlichter zu sehen steigt mit zunehmender Reisedauer deutlich! Außerdem hat man dann natürlich auch viel mehr Zeit um die besten Spots vor Ort auszuchecken und verschiedene Kompositionen abzulichten.

Wer das alles bei der Planung berücksichtigt, hat beste Ausgangsbedingungen für ein gutes Nordlichtfoto. Was man zum Fotografieren alles braucht und wie man am besten Vorgeht folgt in den nächsten Beiträgen.

Viel Spaß bei der Umsetzung ;).

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