ND Filter Kalibrieren

In diesem Beitrag möchte ich die Kalibrierung von ND Filtern, auch Graufilter genannt, erklären. Ich beschreibe das ganze beispielhaft anhand des Haida Graufilter Set 67mm, die Vorgehensweise lässt sich jedoch 1:1 auch auf andere Filter übertragen!

Los geht´s!

ND filter Kalibrieren wozu?

ND Filter werden wie bereits in meinem ND Filter Grundlagen Beitrag genau beschrieben mit verschiedenen Angaben versehen, über die Angabe des Verlängerungsfaktors kann direkt die einzustellende Belichtungszeit errechnet oder aus einer Tabelle abgelesen werden.

Oft jedoch stimmt der auf dem Filter angegebene Wert aufgrund von Fertigungstoleranzen nicht genau, was zu Abweichungen zur tatsächlich notwendigen Belichtungszeit führt. Dieser Effekt tritt vor allem bei stärkeren Filtern (z.b. ND3.0) auf, bei meinen schwächeren Filtern (ND0.8, bzw. ND1.9) stimmt der Verlängerungsfaktor ausreichend genau. Dies kann jedoch auch von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich sein. Meinen Recherchen zufolge, tritt die Abweichung jedoch auch bei teuren Filtern wie beispielsweise von B+W auf, man sollte also grundsätzlich eine Kalibrierung durchführen.

Ohne Kalibrierung kann man sich natürlich an die richtige Belichtungszeit herantasten indem mehrere Bilder mit unterschiedlichen Belichtungszeiten aufgenommen werden. Dies ist jedoch dann bei jedem Foto mit Mehraufwand verbunden. Daher rate ich gleich zur Kalibrierung!

Für die korrekte Bestimmung der Verlängerungsfaktoren kann man auf zwei verschiedene Methoden zurückgreifen.

  1. Kalibrierung per Excel Tool
  2. Kalibrierung per Smartphone App (momentan nur iOS)

Ich möchte in diesem Beitrag auf die Kalibrierung per App eingehen. Die Kalibrierung mithilfe eines Excel Tools wurde bereits von Achim Sieger ausführlich beschrieben: Kalibrierung mit Excel. Achim Sieger bietet auf seiner Website das Excel Tool auch zum Download an, bei Bedarf einfach dort vorbeischauen.

Die App, um die es geht nennt sich Exposure Guide und ist für schmale 1,99€ im App Store erhältlich: App Store Link. Dort kann man nun eigene Filter anlegen. Das tolle dabei ist, dass der genaue Wert für die Anzahl an Blendenstufen, um die der Filter verlängert, selbst eingestellt werden kann.

Vorgehensweise

Wir haben nun also einen Filter mit großem Verlängerungsfaktor, in meinem Fall ein Haida ND3.0, die Kalibrierung läuft nun folgendermaßen ab:

  1. Die Kamera wird auf ein Stativ gestellt und ein passendes Motiv wird ausgesucht, Wichtig: Auf gleichbleibende Lichtsituation achten! Ansonsten können während der Kalibrierung Abweichungen auftreten.
  1. Es wird ein Bild ohne Filter angefertigt, dabei das Histogramm beachten.
  1. Nun kann, beispielsweise mithilfe meiner Filter Excel Tabelle, welche in diesem Beitrag: Fotografie mit ND Filtern zu finden ist, die Belichtungszeit bestimmt werden, die mit dem Filter nach Herstellerangabe benötigt wird. Alternativ kann man auch den Filter mit der Herstellerangabe an Blendenstufen in der App anlegen und dort die benötigte Belichtungszeit ablesen. Anschließend wird ein Bild mit Filter angefertigt.

Es gibt nun zwei Vorgehensweisen die man nutzen kann:

Eine Möglichkeit ist Bestimmung des Korrekturwertes über die Belichtungskorrektur in einem Bildbearbeitungsprogramm. Dazu werden beide Bilder in Lightroom (oder einem anderen Bildbearbeitungsprogramm) importiert und die Belichtung überprüft. Dabei auch auf das Histogramm achten. Die Meisten Filter rufen Farbverschiebungen und leichte Vignettierungen hervor, sodass man ohne weitere Bearbeitung kein exact gleiches Ergebnis erhält. Das ist jedoch für die Kalibrierung nicht schlimm, hierbei ist nur die Belichtung ausschlaggebend. Die Belichtung wird in Lightroom über den Belichtungsregler reguliert, bis sie bestmöglich mit dem Ausgangsbild ohne Filter übereinstimmt. Die Abweichung in Blendenstufen kann man nun am Belichtungsregler ablesen. Hat man nun ein Bild, dass mit Filter zu Dunkel war, der Filter also stärker ist als angegeben dann muss der Regler in + Richtung verschoben werden. Muss man dort nun beispielsweise +0,4 Blendenstufen höher belichten, bedeutet das, dass der Filter anstatt um beispielsweise 10 Blendenstufen, um 10,4 Blendenstufen abdunkelt.

In der App kann nun im Feld „f-Stop“ der exacte Wert für die Abdunklung in Blendenstufen hinterlegt werden. Die Kalibrierung ist nun abgeschlossen, mithilfe der App kann nun die jeweilige Belichtungszeit ohne Filter ausgewählt werden, unten wird dann die korrekte, kalibrierte Belichtungszeit mit Filter angezeigt. Über den grünen Play Button hat man dann auch gleich eine praktische Timerfunktion zur Verfügung.

Ich bevorzuge jedoch das Herantasten an die richtige Belichtungszeit. Dazu werden beide Bilder am Rechner geprüft, ob das Bild mit Filter zu hell oder zu dunkel ist. Da die Filter meist stärker sind als angegeben, dürfte das Bild in den meisten Fällen zu dunkel sein. Man tastet sich nun durch schrittweise Anpassung der Belichtungszeit an den richtigen Wert und prüft die Bilder immer wieder am Rechner. Hat man das bestmögliche Ergebnis erreicht geht es wieder in der App weiter:

Hier wird nun anders vorgegangen, man erstellt einen neuen Filter und wählt unten „Mit Belichtungszeit kalibrieren“ aus, nun kann man die korrekte, zuvor ermittelte Belichtungszeit eintragen. Die App berechnet daraus die Anzahl der Blendenstufen um die tatsächlich abgedunkelt wird und hinterlegt dies im jeweiligen Filtereintrag. Nun kann man wie bereits bei Möglichkeit A. beschrieben den fertig kalibrierten Filter nutzen.

Die Kalibrierung der Filter ist in meinen Augen unverzichtbar. Vor allem wenn mehrere Filter kombiniert werden oder es allgemein um längere Belichtungszeiten geht, treten durch die Fertigungstoleranzen der Filter ansonsten erhebliche Abweichungen auf. Gerade wenn man mehrere Minuten belichtet, möchte denke ich jeder unnötige zusätzliche Aufnahmen vermeiden.

Wer die App nicht kaufen möchte oder kein iPhone besitzt, kann die grundsätzliche, hier beschriebene Vorgehensweise beibehalten und die Berechnung der korrekten Belichtungszeiten über das angesprochene und verlinkte Excel Sheet von Achim Sieger vornehmen.

Photograficx - Johannes

Gründer der Fotografie Seite photograficx.de

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2 Kommentare auf "ND Filter Kalibrieren"

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Sascha
Gast
Hallo Johannes, vielen Dank für den Artikel, habe ihn mit großem Interesse gelesen. 😉 Wie es der Zufall so will bin ich zur Zeit auf Mallorca, Can Pastilla (gerade erst deinen Bericht hierzu gesehen, auch sehr interessant) und fotografiere mit meinen neuen Haida ND-Filtern (3er Set aus 3-, 6- und 10-Stop) zum aufschrauben. Jetzt habe ich auch eine Kalibrierung vom ND1000 versucht wie Du es vorschlägst, mit Annähern und Histogramm vergleichen (wenn ich es richtig verstehe sind in erster Linie die linke und rechte Grenze relevant, nicht die Farbwerte, die ein wenig anders sind durch den Farbstich ins Blaue) und… Read more »
Johannes Schmidt
Webmaster

Hallo Sascha,

vielen Dank für das tolle Feedback, darüber freue ich mich sehr!
Genau die Farben können sich durch die ND Filter Verändern, das lässt sich dann ja gut wieder durch Lightroom korrigieren. Interessant ist die Helligkeit für die Kalibrierung!
Es kann schon sein, dass der Filter genau 10 stops Schluckt. Das schwankt von Filter zu Filter. Meist sind die stärkeren Filter etwas stärker als angegeben, das muss aber nicht sein.

Viele Grüße,

Johannes

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