Nachtfotografie (Sterne, Milchstraße) – aber mit welcher Ausrüstung?

In der Nacht zu fotografieren hat einen besonderen Reiz, wenige Menschen sind unterwegs – Motive die man am Tage aufgrund der Menschenmassen auf den Straßen kaum fotografieren kann, sind Nachts komplett verlassen. Aber auch die Stimmung und das Licht ist ganz besonders. Um stimmungsvolle Nachtaufnahmen erstellen zu können, braucht es jedoch auch eine geeignete Ausrüstung. In diesem Beitrag stelle ich meine Ausrüstung für die Nachtfotografie vor und gebe auch einige systemübergreifende Tipps, was man unbedingt einpacken sollte!

Das Stativ

Ich fange bewusst mit dem Punkt Stativ an, es geht zwar auch ohne, aber trotzdem empfehle ich unbedingt ein Stativ mitzunehmen! Mit einem Stativ kann man:

  • Langzeitbelichtungen machen, was vor allem am Wasser oder bei vorbeiziehenden Wolken auch nachts super aussieht. Zudem sind Langzeitbelichtungen oftmals schlichtweg notwendig, wenn man mit geschlossener Blende einen großen Bereich bei wenig Licht scharf bekommen möchte. Auch für die Astrofotografie kommt man um ein ordentliches Stativ nicht herum.
  • Panoramen ohne Verwacklungen erstellen, z.B. bei der Skyline Fotografie machen Panoramen aus mehreren Bildern Sinn.
  • HDR´s erstellen, bei großen Helligkeitsunterschieden kommt man oftmals nicht um eine Belichtungsreihe/ HDR herum, auch dafür ist ein Stativ mehr als hilfreich.

Ein gutes Stativ sollte also nicht fehlen, eine Empfehlung für ein sehr gutes und bezahlbares Stativ, das ich praktisch täglich nutze, findest du hier: Review Vanguard Alta Pro 263. Mehr ist meiner Meinung nach auch nicht notwendig, klar es geht leichter (Carbon), was dann aber auch gleich wesentlich teurer wird. Für extrem schweres Equipment gibt es sicher auch besser geeignete Stative. Eine normale DSLR/ Systemkamera mit Objektiven bis 70-200 f/2.8 trägt das Stativ aber problemlos.

Die Kamera

Hat man ein Stativ dabei, ist die Kamera weniger ausschlaggebend, denn man kann lange Belichtungszeiten wählen um die ISO niedrig zu halten. Aber klar mit einer guten ISO Performance hat man mehr Möglichkeiten. Wichtiger ist da schon der Dynamikumfang, mehr ist wie so oft besser – man muss im Zweifel weniger Bilder machen, bzw. kommt direkt mit einer Belichtung aus.

Zusammengefasst: Ein Body mit gutem Sensor ist hilfreich, aber man kommt auch mit Einsteigerkameras (z.B. Canon 7xxD, Nikon D5xxx) etc. klar. Ich selbst nutze eine Sony A7rii und eine A7ii und bin damit sehr zufrieden. Mein absoluter Preis/Leistungstipp ist jedoch die Sony A6000, mit um die 500€ für den Body sehr günstig und bietet bereits eine geniale Bildqualität!

Das Objektiv

Interessanter wird es bei den Objektiven, für das fotografieren einer nächtlichen Skyline sind die Anforderungen nicht allzu hoch, wie immer in der Landschafts- und Architekturfotografie gilt: Schärfe ist nur durch mehr Schärfe zu schlagen! Ein Superzoom ist weniger geeignet, man deckt zwar einen großen Fokusbereich ab, den braucht man aber meist nicht einmal. Besser ist da ein Weitwinkelzoom – das 16-35 wäre hier der klassische Vertreter. Ein entsprechendes Zoom hat eigentlich jeder Hersteller im Angebot. Meist will man viel aufs Bild bekommen: Skyline, Himmel und Vordergrund natürlich auch. Daher ist man meist im Weitwinkelbereich unterwegs – selbes gilt auch für die Astrofotografie. Für Teleaufnahmen dann lieber ein extra Objektiv mitnehmen – oder die Luxusvariante: zweiter Body.

Wichtig sobald Sterne im Bild zu sehen sind: Offenblende! Man ist bei der Sternenfotografie (gilt natürlich dann auch für die Milchstraße) stark limitiert was die Belichtungszeit angeht. Wer zu lange belichtet bekommt verwaschene Sterne, das möchte man im Normalfall vermeiden. Daher muss man entweder mit der ISO stark nach oben gehen (schlecht für die Bildqualität aufgrund des Rauschens, oder teuer wenn man dafür einen besseren Body anschaffen muss) – oder aber ein Objektiv mit möglichst großer Offenblende verwenden. Ab f/2.8 ist gut geeignet, auch hier wieder: Mehr ist besser!

Wer ein Objektiv mit f/1.4 verwendet, hat auch noch die Möglichkeit abzublenden was der Schärfe und Vignettierung meist sehr zugute kommt. Die bereits angesprochenen Weitwinkelzooms gibt es oftmals mit einer Offenblende von f/2.8, die sind dann aber auch recht teuer.

Eine günstigere Alternative ist das Samyang 14mm f/2.8, erhältlich für eigentlich alle Systeme und mit Preisen zwischen 300 und 400€ auch bezahlbar. Ich nutze es selbst und bin grundsätzlich zufrieden. Gerade am Rand zeigt es im Hinblick auf die Schärfe schwächen, aber eben es kostet auch nicht die Welt. Ich setze es vor allem für die Astrofotografie ein und bin dabei zufrieden mit den Ergebnissen. Besser geht immer, kostet aber auch.

Hier wurde vor kurzem eine neue Version angekündigt, da sollte man aktuell vielleicht abwarten, ob die Schärfeleistung nochmal verbessert wurde!

Fernauslöser

Unverzichtbar ist ein Fernauslöser! Zum einen reduziert man die Gefahr von Verwacklern massiv, da man die Kamera zum auslösen nicht anfassen muss, zum anderen ist er für lange Langzeitbelichtungen im Bulb Modus der Kamera notwendig. Die meisten Kameras können von sich aus maximal 30s lang belichten, darüber hinaus muss man in den Bulb Modus wechseln – hier kann man praktisch unendlich lange belichten (bis der Akku leer ist), muss aber für die gesamte Dauer auf dem Auslöser bleiben. Kabelauslöser haben dafür meist eine Einrastfunktion, das ist deutlich bequemer und verhindert ebenfalls Verwacklungen.

Für die Timelapsefotografie gibt es Auslöser mit mehr Funktionen, um auch Aufnahmeintervalle erstellen zu können. Hat man das jedoch nicht vor, empfehle ich einen einfachen Kabelauslöser – die gibt es für kleines Geld und haben keine Batterien, die zwangsläufig irgendwann in einem ungünstigen Moment leer sind.

Ich verwende diesen hier: Kabelauslöser

Alternativ eine Variante mit Timer: Kabelauslöser mit Timerfunktion

Taschenlampe

Ohne Taschenlampe sollte man das Haus nicht verlassen, zumindest nicht zum fotografieren. Schnell fällt mal ein Kleinteil aus dem Rucksack oder man braucht ein Hilfslicht zum Fokussieren, da ist eine gute Taschenlampe Gold wert und sollte in keiner Kameratasche fehlen! Ich nehme dafür eine LED Lenser von Zweibrüder. Die Teile sind extrem stark, damit bin ich sehr zufrieden: LED Lenser P7-2

Filter

Auch Nachts können Filter hilfreich sein, z.B. zum entspiegeln von Oberflächen wie Wasser oder ähnlichem, ND Filter dagegen braucht man meist nicht, es sei denn man will sehr lange Belichtungszeiten über mehrere Minuten realisieren. Ich selbst nutze Nachts allerdings nur sehr selten Filter. Wer welche braucht, sollte dazu bei Haida vorbeischauen. Hier stelle ich die Filter ausführlich vor: Haida ND Filter Erfahrungsbericht

Also, geht auch mal Nachts raus! Das gibt nochmal ganz andere Bilder wie am Tage. Die Comfortzone verlassen ist hier wichtig für bessere Bilder, auch wenn das bedeutet spät Nachts bei Kälte draußen zu stehen!

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