Milchstraße Fotografieren – Tutorial

Die Planungstools und auch die Bearbeitung von Milchstraßenfotos habe ich hier im Blog und auf Youtube bereits behandelt, aber die Fotografie und das Vorgehen selbst fehlt bislang noch. Mit diesem Beitrag soll sich das ändern.

Hier möchte ich die bei der eigentlichen Fotografie wichtigen Punkte zusammenstellen, das nach erfolgreicher Planung auch gutes Ausgangsmaterial für die Bearbeitung entsteht ;).

Zeitpunkt

Für die Milchstraßenfotografie ist der richtige Zeitpunkt wichtig. Um die Milchstraße gut zu erkennen, sollte es möglichst dunkel sein. Sprich der Mond sollte den Himmel nicht unnötig aufhellen. Daher eignen sich die 4-5 Tage vor, bzw. nach Neumond am besten. Man hat also nur eine begrenzte Anzahl an Tagen Zeit für ein gutes Foto! Aber nicht nur die Mondphasen sind wichtig, die Milchstraße ist auch nicht das ganze Jahr gleich gut sichtbar. Über die Sichtbarkeit der Milchstraße in Deutschland und die beste Jahreszeit für Milchstraßenfotos, hat Kollege Gunther Wegner bereits einen sehr Informativen Blogbeitrag geschrieben, auf den ich an dieser Stelle einfach mal verlinken möchte: Die beste Zeit für die Milchstraßenfotografie – Gwegner.de.

Ort

Auch der Standort will bei der Milchstraßenfotografie gut gewählt sein. Wie bereits bei der Wahl des richtigen Zeitpunkts angedeutet, spielt Lichtverschmutzung eine große Rolle. Je heller es in der Umgebung ist, desto weniger gut sind die Sterne tatsächlich sichtbar. Daher sollte man sich beispielsweise von großen Städten fernhalten! Um sich über den Grad der Lichtverschmutzung zu informieren, bietet sich die Seite Lightpollutionmap.info an. Dort kann man den gewünschten Standort eingeben und sich die Lichtverschmutzung anzeigen lassen.

Aber auch im Hinblick auf die Bildkomposition will der Standort gut gewählt sein! Die Kamera einfach auf den Himmel zu richten ergibt selten ein spannendes Bild. Man sollte auf eine interessante Komposition mit Vordergrund achten. Das gibt dem Bild Tiefe und lässt es interessanter wirken. Das kann ein Leuchtturm, eine Kirche oder auch nur ein Baum sein. Spannend ist es auch, wenn sich der Himmel in einem See spiegelt. Da empfehle ich einfach mal kreativ zu sein, bzw. sich Inspiration auf den gängigen Bilderplattformen zu holen.

Hat man dann einen guten Ort gefunden, sollte man für diesen Standort die Lage der Milchstraße und die genauen Uhrzeiten der Sichtbarkeit prüfen, um sicherzugehen das die Bildkomposition die man sich zurechtgelegt hat auch funktioniert. Dafür sind Hilfsmittel wie beispielsweise PhotoPills hilfreich, es gibt zahlreiche Apps auf dem Markt die sich für die Planung von Milchstraßenfotos eignen, ich nutze schon lange PhotoPills und empfehle die App daher. Andere Lösungen sind aber sicher auch brauchbar.

In diesem Beitrag findest du ein Video, wo ich die Planung mit PhotoPills ausführlich erkläre: Milchstraßenfotos planen mit PhotoPills

Wie Fotografiere ich die Milchstraße?

Ist das Bild soweit vorgeplant kann es eigentlich losgehen oder?

Im Prinzip kann man jetzt loslegen, auf die notwendige Ausrüstung, bzw. eine Empfehlung was ich benutze gehe ich in einem extra Beitrag ein – hier möchte ich die Vorgehensweise bei der Fotografie selbst beschreiben, denn daraus ergeben sich auch die Anforderungen an die Ausrüstung.

Bei der Milchstraßenfotografie, hat man mit mehreren Problemen zu tun:

  1. Belichtungszeit: Die Belichtungszeit muss bei Nacht und praktisch völliger Dunkelheit ausreichend lang gewählt werden, um die Sterne richtig zu belichten. Zu lange darf die Belichtungszeit allerdings auch nicht gewählt werden, denn sonst verschwimmen die Sterne und werden nicht mehr punktförmig dargestellt. Je nach eingesetzter Brennweite variiert die maximale Belichtungszeit die man einstellen sollte. Es kommt neben der Brennweite natürlich auch auf die eigenen Vorlieben an, vor allem die Frage: „Kann ich mit leichtem verzerren der Sterne leben?“ ist ausschlaggebend wie die Zeit gewählt werden kann. Die Faustregel für die Belichtungszeit lautet: 500/Brennweite (am Vollformat), daran kann man sich gut orientieren – aber eben auch nur orientieren! Denn die Regel stammt aus der analogen Fotografie, heutige, hochauflösende Sensoren mit hoher Pixeldichte erfordern da wie so oft auch mal ganz andere Parameter (kürzere Belichtungszeiten). Ich fotografiere meist mit 14mm Brennweite, da komme ich rechnerisch auf 35 Sekunden am Vollformat. Tatsächlich verwende ich jedoch meist 25 – 30 Sekunden Belichtungszeit.
  2. Blende: Die Blende sollte möglichst weit offen sein, logisch! Mit dem Standardzoom bei Blende f/5,6 kommt man nicht besonders weit. Ein Objektiv mit mindestens f/2.8 ist gut geeignet, mehr ist wie so oft besser. Bei Sensoren mit sehr gutem Rauschverhalten kann man zur Not auch noch mit Blende f/4 leben. Außerdem ist es je nach Objektiv sinnvoll minimal abzublenden, da das der Schärfe oftmals sehr gut tut. Besser ist also immer eine größere Offenblende, wer ein Objektiv mit f/1.4 hat, hat mehr Spielraum – sowohl zum abblenden, aber auch was die ISO angeht.
  3. ISO: Bei diesen Belichtungszeiten kommt man mit moderaten ISO Werten nicht weit, unter ISO 1.600 erhält man meistens kein ausreichend helles Grundbild. Ich bin oft bei ISO 3.200 – 6.400 unterwegs und bekomme damit in Verbindung mit der oben genannten Belichtungszeit gute Ergebnisse. Als Richtwert kann man sich diese Werte merken! Je nach Kamera rauscht es dann doch merkbar, aber das lässt sich bei dieser Art der Fotografie nicht vermeiden, eine andere Möglichkeit stelle ich am Ende des Beitrags vor. Diese ist aber sicher nicht für jeden geeignet, da dafür einiges an Ausrüstung benötigt wird.

Mit ISO 3.200 – 6.400 und der Faustregel 500/ Brennweite (Vollformat) hat man einen guten Anhaltspunkt für ein Milchstraßenfoto. Dennoch gilt: Diese Parameter sollte man auf jeden Fall auf die eigene Ausrüstung anpassen! Die Blende sollte möglichst weit offen sein, ein Objektiv mit einer Offenblende von f/2.8 oder mehr hilft!

Stößt man an die Grenzen, muss jeder für sich entscheiden was einem wichtiger ist:

Komplett Runde Sterne und damit Verbunden eine kürzere Belichtungszeit und mehr Rauschen durch die höhere ISO, oder weniger Rauschen und dadurch leicht verzogene Sterne durch die längere Belichtungszeit.

Wer anstelle der Faustregel gerne gleich die optimalen Werte berechnen möchte, kann das über dieses Tool von Leonhard Kreissig und Nicolas Müller hier unter Eingabe aller Daten machen: Astrofotografie Rechner.

Ich habe die Werte für mich jedoch trotzdem noch auf die oben genannten, für meine Ausrüstung als gut befundenen Werte angepasst.

Der Vordergrund

Belichtet man das Bild mit den genannten Einstellungen, erhält man ein gutes Ergebnis für den Himmel und die Milchstraße, jedoch ist der Vordergrund je nach Lichtsituation vor Ort sehr dunkel bis Schwarz. Im Titelbild habe ich eine Szene ohne jegliche Beleuchtung gewählt, das Bild war zunächst praktisch Schwarz. Ich habe bewusst einen dunklen Vordergrund gewählt, wollte aber dennoch leichte Zeichnung in den Tiefen haben. Fotografiert wurde mit der Sony A7rii da habe ich ausreichend Reserven, um auch in solchen Extremsituationen noch die Tiefen aufhellen zu können. Mit anderen Kameras geht das so nicht. Entweder hat man dann einen schwarzen Vordergrund oder muss mehrere Belichtungen anfertigen. So habe ich es beispielsweise beim folgenden Bild gemacht:

Milchstraße - Eselsburger Tal

Milchstraße – Eselsburger Tal – Sony A7ii – Samyang 14mm f/2.8

Eine Belichtung für den Himmel und die Milchstraße und eine weitere für den Vordergrund. Dabei kommt es darauf an, was man für einen Vordergrund hat. In diesem Beispiel ist das zusammensetzen der Bilder recht einfach, da der Vordergrund sehr klar vom Himmel abgegrenzt ist. Beim Titelbild wäre das deutlich schwerer gewesen, da die feinen Strukturen der Bäume das zusammensetzen erschweren. Auch das ist machbar, aber eben mit größerem Aufwand verbunden.

Generell sollte man den Vordergrund allerdings nicht zu hell belichten, denn das wirkt in Nachtszenen schnell unnatürlich, so habe ich auch bei diesem Bild trotz zweiter Belichtung den Vordergrund eher dunkel entwickelt.

Bei der Belichtung des Vordergrundes kommt es zum einen auf den persönlichen Geschmack an (wie hell möchte man den Vordergrund haben), aber auch auf die Lichtsituation. Hat man ein beleuchtetes Gebäude oder als Vordergrund kann man besser mit nur einer Belichtung arbeiten, als wenn man sich an komplett dunklen Orten aufhält. Es hängt also auch maßgeblich vom Motiv ab welche Methode man nutzen sollte.

Auf den Vordergrund verzichten sollte man jedoch nicht, denn er macht das Bild spannender als wenn nur der Himmel zu sehen ist!

Richtig Fokussieren!

Fokussieren ist Nachts schwerer als am Tag, AF kann man praktisch vergessen. Hilfreich ist daher ein Objektiv mit dem man vernünftig manuell Fokussieren kann. Fotografiert man nur den Himmel, reicht es auf unendlich zu fokussieren. Hat man auch einen Vordergrund im Bild, sollte man auf die hyperfokale Distanz fokussieren. Wer sich damit noch nicht auskennt sollte mal bei meinem Blogbeitrag zu diesem Thema vorbeischauen: Die hyperfokale Distanz

Nachführung?

Alternativ kann man auch mit einer Nachführungslösung arbeiten, sprich einem Tracker der die Kamera den Bewegungen der Sterne nachführt. Damit kann man dann deutlich längere Belichtungszeiten realisieren, was einem deutlich mehr Spielraum gibt. Das ganze kostete aber für eine brauchbare Lösung einige Euros und man muss die Ausrüstung auch immer mitschleppen. Ich habe mich daher bislang dagegen entschieden. Ich bin kein reiner Astrofotograf und kann mit meinen Ergebnissen sehr gut leben.

Also nutzt die Zeit in der die Milchstraße fotografiert werden kann und lasst mir gern auch mal eure Ergebnisse zukommen (am besten über Facebook),

 

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