Lightroom oder Capture One? – der beste RAW Converter

Lightroom oder Capture One?! – Die Diskussion welcher der beiden Raw Converter Platzhirsche nun der bessere ist wird teils sehr emotional geführt. Ich nutze nun beide eine ganze Weile und habe für mich heraus gefunden, dass weder der eine noch der andere besser ist. Beide haben ihre Stärken und Schwächen und ich benutze auch beide Programme für unterschiedliche Anwendungen. Wie so oft lässt sich die Frage also nicht so einfach pauschal beantworten ;).

Daher möchte ich in diesem Beitrag einen Überblick über die für mich wichtigen Unterschiede und Features geben, um dir damit die Entscheidung für die richtige Lösung zu vereinfachen.

Wichtig: Es handelt sich dabei natürlich um eine Betrachtung aus meiner Sichtweise, mit meinen konkreten Anforderungen an die Programme. Für dich kann das wieder ganz anders aussehen!

Inhalt

  1. Grundlagen
  2. Tethering
  3. Bedienoberfläche
  4. Bearbeitung und Funktionen
  5. Weitere Features und Dateihandhabung
  6. Fazit

Beginnen möchte ich mit der …

Grundlegenden Funktion

… diese unterscheidet sich nämlich stark bei beiden Programmen.

Lightroom nutzt Kataloge um die Bilder zu verwalten, denn neben der reinen RAW Konvertierung ist Lightroom vor allem auch ein Bildverwaltungstool, ein sehr gutes übrigens aber dazu später mehr. Bei Lightroom MUSS zunächst ein Katalog erstellt werden, in den die Bilder dann importiert werden. Der Bilderspeicherort auf der Festplatte wird dann im Katalog abgebildet und man kann sämtliche Aktionen direkt im Katalog durchführen. Bilder löschen, bewerten, markieren etc. geschieht alles im Katalog. Theoretisch muss man auf den Originalspeicherort nicht mehr zugreifen sondern kann alle seine Bilder im Katalog verwalten. Gerade bei sehr großen Bildarchiven kann das von großem Vorteil sein. Alle Änderungen an den Bilddateien finden dabei ausschließlich im Katalog statt, die Originalbildateien werden nicht angetastet! Auch bei der Bearbeitung eines Bildes wird diese Bearbeitung zunächst nur im Katalog dem Bild zugeordnet, erst beim Export werden die Änderungen mit dem Bild zusammen unter einer neuen Datei gespeichert. Die Originalen RAWs stehen jederzeit in ihrer Ausgangsform zur Verfügung.

Capture One dagegen nutzt als zentrales Feature Sitzungen, eine Sitzung kann dabei für jedes Shooting/ Projekt angelegt werden und macht vor allem auch in Verbindung mit Tethered Shooting Sinn, doch dazu auch später mehr. Es werden in einer Sitzung verschiedene Ordner angelegt, die Ausgangsdateien landen beispielsweise im Ordner „Capture“, exportierte Daten im „Output“ Ordner und gelöschtes wandert zunächst in den „Papierkorb“. alle Dateien des Projektes sind somit übersichtlich an einem Ort in der abgeschlossenen Session gespeichert. Man hat bei jeder Session eine einheitliche Ordnerstruktur und den vollen Überblick. Bei dieser Systematik wird im Gegensatz zu Lightroom keine Datenbank angelegt. Eine Verwaltung der Bilder ist damit demnach nicht möglich. Der große Vorteil ist dagegen, dass man die gesamte Session sehr gut zwischen mehreren Geräten austauschen kann, einfach den gesamten Sessionordner mitnehmen und man hat alles dabei was man braucht. Bei Lightroom muss hier umständlich der Teil des Katalogs den man mitnehmen möchte exportiert werden.

Seit einiger Zeit gibt es bei Capture One auch Kataloge, die recht ähnlich wie in Lightroom funktionieren. Das ganze sagt mir jedoch wenig zu, daher nutze ich diese Funktion bei Capture One nicht.

Was die Grundsatzfunktionen angeht, muss man sich demnach entscheiden ob man mit Katalogen arbeiten möchte. Wenn nicht kommt Lightroom nicht in Frage. Capture One kann beides, jedoch ist die Katalog Funktion der Umsetzung in Lightroom unterlegen. Hier muss man ganz klar nach den persönlichen Vorlieben entscheiden!

Tethering

Ein für mich sehr wichtiger Aspekt ist Thethered Shooting. In der People- und Porträtfotografie fotografiere ich, vor allem bei Indoor Shootings, sehr gerne direkt in den Rechner. Dort kann ich dann das Bild viel besser beurteilen. Hier gibt es größere Unterschiede zwischen Lightroom und Capture One. Während Tethered Shooting bei Lightroom mit Nikon und Canon Kameras problemlos möglich ist, geht es mit Sony Kameras nur über einen Umweg, jedoch nicht direkt über die native Lightroom Funktion. Das ist ärgerlich, da eine Zusatzsoftware benötigt wird und das ganze vor allem mit den großen Daten einer A7rii recht träge wird.

So schwer sollte es doch nicht sein auch für Sony Kameras eine vernünftige Tethering Unterstützung zu implementieren?!

Capture One dagegen unterstützt Sony Kameras von Haus aus und das ganze funktioniert absolut reibungslos und deutlich flotter als mit Lightroom. Direkt in Capture One können die Kameraeinstellungen angepasst werden. Auch die direkte Anzeige der Bilder auf einem Tablet oder Smartphone ist möglich, so kann man beispielsweise dem Kunden oder der Make- up- Artistin ein Tablet für die Bildbeurteilung in die Hand drücken – sehr praktisch!

Im Zusammenhang mit Tethering können die Entwicklungseinstellungen auf alle Bilder übertragen werden – das ist ein geniales Feature, wenn ein einheitlicher Look auf mehrere Bilder angewendet werden soll. Es können während des Shootings bereits die grundlegenden Entwicklungseinstellungen festgelegt werden, diese werden dann automatisch auf die nachfolgend geschossenen Bilder übernommen. Sehr praktisch gerade für Editorial Strecken.

Werden Bilder für Magazine angefertigt, kann man in Capture One die Covervorlage oder auch Textseiten importieren und diese bereits während dem Shooting über die Bilder legen. Jedes neu geschossene Bild wird dann automatisch mit der Überlagerung versehen. Kritikpunkt hier: Am Mac kann man einfach direkt PSD Dateien für Überlagerungen nutzen, unter Windows geht das nicht, da muss man auf Tiff Dateien oder andere Formate ausweichen. Das ist nicht nachvollziehbar und etwas ärgerlich. Ansonsten aber ein tolles Feature!

Über Umwege kann man auch in Lightroom Überlagerungen nutzen, allerdings bei weitem nicht so komfortabel wie in Capture One!

Wer also auf Tethering angewiesen ist sollte Capture One vorziehen, vor allem beim Einsatz von Sony Kameras, – insbesondere die erweiterten Funktionen erleichtern die Arbeit stark.

Bedienoberfläche

Die Bedienoberfläche von Capture One unterscheidet sich wesentlich von Lightroom. Das tolle an Capture One ist dabei die enorme Anpassungsfähigkeit der Bedienoberfläche. Während in Lightroom die Bedienelemente fest angeordnet sind und auch die Menüs selbst nicht angepasst werden können, hat man in Capture One die volle Freiheit. Jedes Menü kann hinsichtlich der dort enthaltenen Werkzeuge vollständig umgestaltet werden. Man kann jedes Werkzeug nach eigenem Geschmack deaktivieren oder den Menüs zuordnen. Auch die Minaturansichten der Bilder können frei positioniert werden, ich nutze bei Peopleaufnahmen z.B. die Miniaturansicht als Filmstreifen auf der rechten Seite (von oben nach unten), bei Lightroom ist diese Ansicht fest unten angebracht.

Richtig genial ist jedoch die Unterstützung von mehreren Bildschirmen! Während bei Lightroom lediglich fest definierte Informationen auf dem zweiten Bildschirm angezeigt werden können, ist es bei Capture One möglich freischwebende Werkzeuge zu erstellen. Diese Werkzeuge können frei auf den Bildschirmen positioniert werden, so kann man beispielsweise den Hauptbildschirm auf das zu bearbeitende Bild beschränken und alle Werkzeuge auf den zweiten Screen auslagern. Das ist extrem praktisch!

Bearbeitung und Funktionen

Beide Programme beinhalten die wichtigsten Funktionen für die RAW Konvertierung, dennoch unterscheiden sie sich in einigen Punkten sehr stark. Ich möchte dabei nicht auf alle Funktionen eingehen, sondern nur auf die für mich wesentlichen Unterschiede.

selektive Korrekturen

Beide Programme haben die Möglichkeit mit selektiven Korrekturen zu arbeiten. Die Umsetzung unterscheidet sich jedoch wieder recht stark.

In Lightroom werden selektive Korrekturen vor allem mit Radial- und Verlaufsfiltern eingearbeitet, aber auch ein Pinselwerkzeug steht zum maskieren zur Verfügung. Gerade in der Landschaftsretusche sind die Radial- und Verlaufsfilter in Lightroom für mich unverzichtbar. Ich kann damit sehr schnell und effizient arbeiten. In Capture One existiert dagegen kein Radialfilter, für mich ein großer Nachteil! Das Pinselwerkzeug mag ich dagegen in Lightroom nicht besonders, es reagiert oftmals trotz potenter Hardware sehr träge.

In Capture One dagegen hat man die Möglichkeit direkt mit Masken und Ebenen zu arbeiten und so selektive Korrekturen zu erstellen. Das nutze ich allerdings kaum, da gehe ich dann lieber direkt in Photoshop – dort ist die Arbeit mit Ebenen und Masken wesentlich gezielter und besser anpassbar möglich. Wie bereits angesprochen fehlt mir vor allem der Radial- und Verlaufsfilter aus Lightroom. Es gibt zwar die Möglichkeit in Capture One mit Verläufen zu arbeiten, das ist aber deutlich fummeliger und weniger gut umgesetzt als in Lightroom. Beispielsweise kann in Capture One der einmal gezeichnete Verlauf nicht mehr rotiert oder angepasst werden.

Während mir die selektiven Korrekturen in der Peoplefotografie weniger wichtig sind, mag ich in der Landschaftsretusche nicht darauf verzichten. Für mich führt daher für Landschaftsaufnahmen kein Weg an Lightroom vorbei.

Farbanpassungen

Ein weiteres großes Thema sind Farbanpassungen, in Lightroom können Farben selektiv über die Farbton, Sättigung und Luminanzregler beeinflusst werden. Das funktioniert an sich sehr gut, allerdings ist der grundsätzliche Algorythmus im Hinblick auf die Farbanpassungen bei Capture One klar besser. Für viele auch der Grund für einen Wechsel zu Capture One. Mit dem Farbeditor können zwar vergleichbare Anpassungen durchgeführt werden, dennoch gefällt mir das Ergebnis in Capture One gerade bei Peopleaufnahmen deutlich besser. Großer Vorteil von Capture One: Es können im Farbeditor Ebenen angelegt werden, d.h. Farbbereiche können sehr präzise ausgewählt und bearbeitet werden.

Das wichtigste (in der Peoplefotografie) ist jedoch der separate Bereich für Hauttöne im Farbeditor von Capture One. Der dort zugrunde liegende Algorythmus ist genial! Es können gezielt die Hauttöne im Bild ausgewählt und verändert werden. Die Hauttöne können in Capture One mithilfe der Sektion „Homogenität“ hinsichtlich der Parameter Farbton, Sättigung und Helligkeit homogenisiert werden, ein mächtiges Tool auf das ich in der Peoplefotografie nicht mehr verzichten möchte. Selbst eine komplett rote Nase kann man damit den anderen Hauttönen angleichen. In Photoshop oder Lightroom ist das nur sehr schwer möglich wenn man dabei ein natürliches Ergebnis erreichen möchte. Für mich mit eine DER Funktionen von Capture One!

Während in Lightroom noch das zusätzliche Werkzeug „Teiltonung“ existiert, mit welchem sich die Lichter und Schatten eines Bildes gezielt in ihrer Färbung beeinflussen lassen, bietet Capture One dafür ein wesentlich umfangreicheres Tool. In Capture One findet sich diese Funktion unter dem Namen „Farbbalance“, dort können die Tonwerte wesentlich feiner reguliert werden. Dafür stehen drei Regler für Lichter, Schatten und Mitteltöne zur Verfügung. Zudem kann auch die Helligkeit und Sättigung feinfühliger angepasst werden.

Der Punkt Farbanpassungen geht damit klar an Capture One!

Gradationskurve

Beide Programme verfügen über recht ähnliche Möglichkeiten die Gradationskurven anzupassen, neben einer RGB Sektion können bei beiden die einzelnen Kanäle gezielt beeinflusst werden. Capture One hat dagegen in der aktuellen Version noch ein weiteres sehr interessantes Feature: Die Luma Kurve.

Mithilfe der Luma Kurve kann gezielt der Kontrast von Aufnahmen angepasst werden, ohne die Sättigung zu beeinflussen. Normalerweise wird bei Kontrastanpassungen auch die Sättigung des Bildes beeinflusst, nicht jedoch bei der Luma Kurve. Das Tool mag ich auch gerade in der Peoplefotografie sehr.

Mikrokontrastanpassungen

Auch über diese Funktion verfügen beide Programme, die Anpassung von Mikrokontrasten ist in Lightroom und Capture One in Form eines Klarheitsreglers gelöst. Der Algorythmus gefällt mir hier bei Lightroom deutlich besser, in der Peoplefotografie nutze ich in Capture One jedoch sehr gerne den zweiten Regler (Struktur). Damit lässt sich sehr gut die Struktur in Kleidungsstücken anpassen. In Lightroom gibt es einen solchen Regler leider nicht.

Weitere Features und Dateihandhabung

Capture One bietet einige innovative Funktionen, vor allem was die Bearbeitung von Farben angeht. Da ich sehr viel Landschaftsfotografie betreibe, sind mir noch einige weitere Features wichtig die mir Capture One leider nicht bietet, weshalb ich in der Landschaftsfotografie weiterhin auf Lightroom setze. Der Lightroom Algorythmus zur Erstellung von HDR´s und Panoramen ist sehr gut umgesetzt, der ganz dicke Pluspunkt ist hier das Dateiformat. Nach der Zusammenstellung der Bilder erstellt Lightroom nämlich eine DNG Datei, man hat also weiterhin ein Rohdatenformat mit dem vollen Bearbeitungsspielraum! Das ist für meinen Workflow extrem wichtig.

Auch generell ist die Dateihandhabung von Lightroom besser als bei Capture One. Lightroom kann nämlich im Gegensatz zu Capture One auch vernünftig mit PSD Dateien umgehen. Ich optimiere Landschaftsaufnahmen meist in Lightroom und finalisiere sie dann in Photoshop. Aus Lightroom kann das Rohbild nach der ersten Bearbeitung direkt als PSD Datei an Photoshop übergeben werden (geht in Capture One auch), nach der Bearbeitung in Photoshop importiert Lightroom die PSD Datei automatisch – die Bilder können somit alle zusammen in Lightroom verwaltet werden – das geht in Capture One leider nicht, da es mit PSD Dateien nichts anfangen kann.

Fazit

Ich habe es ja bereits Eingangs vorweggenommen: Für mich gibt es kein „besser“ was die beiden RAW Konverter angeht. Bedienung und Funktionen sind einfach zu unterschiedlich für einen klaren Favoriten. Ich habe es ja bereits angedeutet: Für die Landschaftsfotografie führt für mich kein Weg an Lightroom vorbei. Die vielen Fotos habe ich gern im Lightroom Katalog und verwalte sie von dort. Vor allem jedoch benötige ich für Landschaftsbilder den Verlaufs- und Radialfilter. Teilweise bearbeite ich Landschaftsfotos nur in Lightroom, da will ich für die Korrekturen nicht extra in Photoshop wechseln. Da sind wir auch gleich beim nächsten Punkt: Photoshop! Die nahtlose Integration von Photoshop und die Unterstützung von PSD Dateien hat schon große Vorteile. Für diesen Anwendungsfall ist für mich daher Lightroom ideal!

Anders sieht es im People Bereich aus, Tethering ist ein schlagendes Argument für Capture One – vor allem für mich, da ich mit Sony Kameras arbeite. Aber auch die Bearbeitungsmöglichkeiten, allen voran die Haut- und Farbanpassungen, sind für den Peoplebereich deutlich besser als die Möglichkeiten die Lightroom bietet. Man merkt, dass hier die ausgeklügelteren Algorithmen am Werk sind! Bei Peopleshootings hat man oft mit in sich geschlossenen Projekten zu tun, daher arbeite ich dort viel lieber mit den Sessions in Capture One anstelle des Katalogsystems.

Tipp: Wer eine aktuelle Sony Kamera sein eigen nennt, bekommt die Basis Version von Capture One kostenlos! Die Pro Version gibt es für Sony Kameras für günstige 50€!

Meine Aufteilung zwischen den beiden Programmen ist daher klar:

Für Peopleaufnahmen: CaptureOne

alles andere: Lightroom

Ich hoffe ich kann damit dem ein oder anderen bei der Entscheidung helfen! Es ist sicher sehr spezifisch, welche Features einem wichtig sind, bzw. ob einem eher das Katalogsystem oder die abgeschlossenen Sessions liegen, hier muss jeder für sich selbst entscheiden.

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar
wpDiscuz