LANGZEITBELICHTUNG AM WASSERFALL – TEIL 2 Durchführung

Im ersten Teil dieser Artikelserie wurden bereits die notwendigen Vorbereitungen für eine erfolgreiche Langzeitbelichtung am Wasser beschrieben. Wer gleich hier gelandet ist, findet den ersten Teil hier: Langzeitbelichtung am Wasserfall – Teil 1

In diesem Artikel geht es nun um die Durchführung selbst und welche Punkte hierbei zu beachten sind. Viel Spaß damit!

Durchführung

Wurden die genannten Vorbereitungen getroffen, kann man loslegen. Bei dieser Art der Fotografie ist es jedoch nicht mit dem drücken des Auslösers getan, es gibt dabei eine Menge zu beachten. Die Grundlagen der Fotografie mit ND Filtern habe ich bereits in diesem Blog Beitrag beschrieben: Fotografie mit ND Filtern – Grundlagen.

Je nach Gewässer und ob es sehr spritzt oder nicht, sieht mein Aufbau so:

Aufbau 1

oder so:

Aufbau 2

aus.

Grundsätzlich empfehle ich für diese Aufnahmen die Matrix Belichtungsmessung zu verwenden, da meist ein größerer Bereich korrekt belichtet werden soll. Die genaue Vorgehensweise wird im folgenden beschrieben:

  1. Die Kamera wird auf die Blendenvorwahl/ Zeitautomatik (A-Modus, oder Av-Modus) gestellt.
  2. Der gewünschte Bildausschnitt wird gewählt, dabei ist der Filter noch nicht montiert!
  3. Die gewünschte Blende wird eingestellt. Alternativ wird, wie im Grundlagen Beitrag beschrieben, von der gewünschten Belichtungszeit zurück gerechnet und ISO bzw. Blende entsprechend gewählt.
  4. Es wird, je nach persönlicher Vorliebe, per Autofocus oder Manuell fokussiert und die Belichtung gemessen. Soll eine bestimmte Zeit erreicht werden, muss nun mit ISO und Blende korrigiert werden, um die gewünschten Werte erreichen zu können.
  5. anschließend auf jedenfall den Autofocus deaktiveren!
  6. Nun kann der Filter oder die Filterkombination aufgeschraubt werden
  7. Jetzt wird in den manuellen Modus gewechselt und bei „Belichtungszeit“ die „Bulb“ Einstellung gewählt
  8. Über den Kabelauslöser kann nun die Belichtung gestartet werden, über einen Timer wird die gewünschte Belichtungszeit abgewartet und dann über den Kabelauslöser die Belichtung beendet. Das Bild ist nun im Kasten.

Ich rate dazu, zuerst auszuprobieren welche Belichtungszeiten sinnvoll sind. 30s sind meist ein guter Startwert. Man braucht ein wenig Gefühl für die Belichtungszeiten, die beiden Bilder der Wasserfälle sind an nicht allzu sonnigen Tagen entstanden, ich habe mich dabei meist zwischen Blende f5,6 und f8 bewegt. ISO habe ich versucht möglichst niedrig zu halten, zwischen ISO 100 und 320. Bei diesen Werten lag die Belichtungszeit im Bereich um 1/30s Sekunde, was bei einem ND3.0 Filter mit 1000x Verlängerung den angesprochenen 30s entspricht. Durch variieren von ISO und Blende habe ich dann 1/30s Sekunde als Referenzwert genommen und immer auf diesen Wert ohne Filter eingestellt.

30 Sekunden war mir für die Fließgeschwindigkeit des Wassers jedoch etwas zu wenig, hängt aber ebenfalls von den persönlichen Vorlieben ab. Ich habe daher noch einen ND0.9 Filter dazu genommen, was zusammen auf eine Filterstärke von ND3.9 bzw. eine 8000x fache Verlängerung kommt. Nach der Tabelle wären dies 4 Minuten Belichtungszeit. Wie ich bereits im Beitrag zu den Grundlagen angeschnitten habe, ist bei den starken Filtern eine Kalibrierung notwendig, da es oftmals Abweichungen von der angegebenen Filterstärke gibt. So habe ich beispielsweise 5 Minuten 40s benötigt. Mein Filter (der ND 3.0) ist demnach eine ganze Ecke stärker als angegeben. Hier muss man entweder ausprobieren welche tatsächliche Belichtungszeit man braucht, damit das Bild korrekt belichtet wird oder aber den Filter kalibrieren. Das ist ganz einfach und mit wenig Aufwand möglich, ich werde das Vorgehen in einem weiteren Blogbeitrag beschreiben.

Grundsätzlich gilt: Bei langen Belichtungszeiten von mehreren Minuten kommt es meist nicht auf jede Sekunde an, daher empfehle ich auch generell lieber etwas länger zu belichten um eine Unterbelichtung zu vermeiden. Die Filter sind eher stärker als angegeben!

Außerdem empfehle ich immer im RAW Format zu fotografieren, so hat man später in Lightroom oder Photoshop noch deutlich mehr Reserven für Korrekturen.

Tipp:  Einige Kameras haben eine Langzeit Rauschminderung eingebaut, der Begriff ist etwas irreführend, eigentlich geht es bei dieser Funktion um die Reduktion von Hotpixeln. Über diese Funktion wird nach der eigentlichen Belichtung noch ein weiteres, so genanntes Darkframe, erstellt. Also ein komplett schwarzes Bild bei geschlossenem Verschluss, mit gleicher Belichtungszeit wie die eigentliche Aufnahme. Die Kamera rechnet intern über diese Funktion die entstehenden Hotpixel heraus. Hier muss man je nach Kamera und der gewählten Belichtungszeit selbst entscheiden ob das ganze nötig ist oder nicht. Ich habe die Funktion bei Belichtungen unter 15 Minuten immer deaktiviert, da ich keine Hotpixel feststellen konnte. Eine 10 Minuten Belichtung würde sonst ganze 20 Minuten beanspruchen. Das muss aber jeder für seine Kamera selbst herausfinden.


Ich hoffe ich konnte mit dieser Beschreibung dem ein oder anderen Helfen. Weitere Beiträge zu ND Filtern, wie die Kalibrierung, folgen demnächst!

Photograficx - Johannes

Gründer der Fotografie Seite photograficx.de

Hinterlasse einen Kommentar

3 Kommentare auf "LANGZEITBELICHTUNG AM WASSERFALL – TEIL 2 Durchführung"

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste
trackback

[…] Im zweiten Teil beschreibe ich dann die konkrete Durchführung und worauf bei der Belichtung selbst zu achten ist. Hier geht´s weiter: Teil 2 Durchführung […]

Claus Böttger
Gast
Claus Böttger

Bin durch Zufall auf diese Seite getroffen. hat mich sehr insperiert und möchte gern weiter informiert werden.

Besten Gruß aus Hamburg
Claus

Johannes Schmidt
Webmaster

Hallo Claus,

vielen Dank für den Kommentar, freut mich wenn meine Beiträge inspirieren und informieren :).

Viele Grüße,
Johannes

wpDiscuz