Langzeitbelichtung am Wasserfall – Teil 1 Vorbereitung

In meiner ersten Bildbeschreibung soll es um eine Langzeitbelichtung am Gütersteiner, bzw. Uracher Wasserfall gehen. Das Beitragsbild oben ist am Gütersteiner Wasserfall entstanden, weitere Informationen zur Wanderroute und Lage des Wasserfalls finden sich bei der Tourist Information Bad Urach. Dasselbe gilt auch für den Uracher Wasserfall.

Der Artikel wird in zwei Teilen erscheinen, der erste Teil befasst sich mit den notwendigen Vorbereitungen und der benötigten Ausrüstung, im zweiten Teil wird dann die genaue Vorgehensweise beschrieben.

Außerdem habe ich bereits ein Tutorial zum allgemeinen Umgang mit ND Filtern erstellt, es ist unter diesem Link zu finden: Fotografie mit ND Filtern – Grundlagen

Vorbereitung

Für Langzeitbelichtungen an Gewässern sollte man sich zuerst Gedanken über die notwendige Ausrüstung machen, sonst kann schnell Frust aufkommen wenn man doch etwas wichtiges vergessen hat.

Auf jedenfall sollte man auf passendes Schuhwerk achten, ich empfehle möglichst wasserdichte Wanderschuhe mit sehr gutem Profil! Oftmals muss man gerade an Bachläufen für ein gutes Bild auch mal das Stativ ins Wasser stellen, mit nassen Füßen macht das ganze jedoch wenig Spaß 😉

Stativ

Wenn wir schon beim Thema Stativ angekommen sind: Hier sollte keinesfalls gespart werden! Man ist schließlich mit teurer Kameraausrüstung am Wasser unterwegs und möchte diese nicht unbedingt Baden gehen sehen. Ein hochwertiges Stativ ist also Pflicht.  Grundsätzlich gibt es eine Menge Stative die in Frage kommen, wie bei fast allen Anschaffung gibt es auch hier preislich nahezu keine obere Begrenzung. Ich halte Stative für 400€ aufwärts für die allermeisten Anwendungsfälle allerdings für übertrieben, ich habe schon oft Empfehlungen gelesen, wonach ein Stativ soviel Kosten sollte wie ein gutes Objektiv. Von solchen Aussagen halte ich allerdings wenig, klar gute Qualität hat ihren Preis, aber auch dabei gibt es vernünftige Grenzen. Ich empfehle daher den Preisrahmen von 120 – 250€ im Auge zu behalten. Dazu möchte ich zwei Empfehlungen abgegeben:

  1. SIRUI T-005X : Dieses Stativ besitze ich zwar nicht selbst, konnte mich aber bereits von der guten Qualität überzeugen. Mit 120€ liegt es am unteren Ende der Preisskala für empfehlenswerte Stative. Es ist stabil genug für Systemkameras oder Spiegelreflexkameras mit nicht allzu großen Objektiven (es sollte klar sein, dass man dieses Stativ nicht für ein 70-200 f2,8 verwenden sollte). Allerdings ist die Mittelsäule nicht wirklich brauchbar, sie sollte entfernt und der Kugelkopf direkt auf dem Stativkreuz montiert werden. Nachteil ist, dass Stativ ist dann nicht besonders hoch, für den gebotenen Preis allerdings empfehlenswert.
  2. Vanguard Alta Pro 263: Dieses Stativ ist meine absolute Empfehlung, ich besitze es selbst seit einiger Zeit und bin damit hochzufrieden. Je nach Ausstattung kostet es 163€ (mit Kugelkopf) bzw. 186€ (mit Kugelkopf und Pistolengriff). Es ist nicht so kompakt wie das Sirui, aber immer noch gut händelbar. Großer Vorteil ist die deutlich größere Arbeitshöhe, hier die Mittelsäule ausreichend stabil um auch diese noch etwas auszufahren. Das Stativ ist weiterhin extrem anpassungsfähig, so können die Beine in drei Winkeln arretiert werden, außerdem lässt sich die Mittelsäule umklappen, was wirklich alle Winkel und Kombinationen ermöglicht. So können auch Kopfüber – Marko Einstellungen oder andere verrückte Stellungen realisiert werden – der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt. 

Es gibt unzählige weitere Stative in diesem Preisbereich, bei einschlägigen Markenherstellern macht man dabei meist nichts Falsch, ansonsten einfach an meinen Empfehlungen orientieren.

Kamera

Es sollte eine Spiegelreflexkamera oder eine Systemkamera eingesetzt werden. Da für diese Aufnahmen ND Filter benötigt werden (siehe weiter unten), ist ein Objektiv mit Filtergewinde notwendig, dies ist bei den  meisten Kompakt- und Bridgekameras jedoch nicht vorhanden, weshalb man auf Kameras mit Wechselobjektiven angewiesen ist. Die Kamera sollte auf jedenfall einen BULB Modus besitzen um die Belichtungszeit selbst bestimmen zu können und Belichtungszeiten größer 30 Sekunden zu ermöglichen.

Ich selbst nutze Systemkameras von Sony mit E-Mount, die Langzeitbelichtungen habe ich mit der Sony A6000 erstellt.

Ergänzung: Was die Technik angeht habe ich inzwischen aufgerüstet und bin zwar nach wie vor mit Sony Kameras, allerdings inzwischen mit der Vollformat Serie A7x unterwegs.

Objektiv

Als nächstes steht die Wahl eines passenden Objektives an, hier kann keine eindeutige Empfehlung gegeben werden, da sich die Wahl des Objektivs nach den persönlichen Vorlieben richtet und es auf die gewünschte Bildgestaltung ankommt. Grundsätzlich rate ich jedoch dazu auf jedenfall ein Zoom Objektiv mitzunehmen, an Bachläufen, Flüssen und Wasserfällen ist man in der Wahl des Kamerastandorts oftmals eingeschränkt und benötigt dann ein Zoom Objektiv um den gewünschten Bildausschnitt erreichen zu können. Ich habe die Fotos mit meinem 18-200 für Sony E-Mount gemacht, dadurch habe ich alle Brennweiten abgedeckt. Ich habe eben meine Fotos nochmal durchgeklickt, es sind alle Brennweiten von 24-190mm vertreten. Das Objektiv ist sicher nicht optima, da ein so großer Brennweitenbereich natürlich Abstriche bei der optischen Qualität mit sich bringt. Aber auch damit sind brauchbare Ergebnisse möglich! Empfehlen würde ich ein Weitwinkelzoom. Klassisch ist da das 16-35 mm zu nennen, das es eigentlich von allen Herstellern gibt. Natürlich sind auch mehrere Festbrennweiten möglich. Wichtig ist, dass das Objektiv ein Filtergewinde besitzt, dieses wird für die obligatorischen ND Filter benötigt (siehe unten).

Ergänzung: Für APSC Kameras wie die Sony A6000 habe ich auch lange Zeit das Samyang 12mm Objektiv verwendet, es ist ein komplett manuelles Objektiv zu kleinem Preis. Es liefert allerdings eine sehr gute optische Qualität und ist für nahezu alle Systeme erhältlich. Das manuelle Fokussieren ist gerade beim Umgang mit ND Filtern überhaupt kein Problem, da man mit dem Autofocus dabei oftmals sowieso nichts anfangen kann. Dieses Objektiv kann ich uneingeschränkt empfehlen!
Es ist auch unter den Handelsnamen Walimex oder Rokinon erhältlich!

Fernauslöser

Für Langzeitbelichtungen Allgemein ist ein Fernauslöser unabdingbar. Soll die Langzeitbelichtung 30s überschreiten (dies ist bei den meisten Kameras der maximale, direkt wählbare Wert für die Belichtungszeit) ist auch eine Rastfunktion notwendig, um bei minutenlangen Belichtungen nicht ständig einen Finger am Auslöser haben zu müssen ;). Ob man auf Kabel- oder Funkauslöser setzt ist dabei jedem selbst überlassen, ich empfehle allerdings einen einfachen Kabelauslöser zu verwenden, dann braucht man sich keine Gedanken um leere Batterien zu machen.

ND Filter

Langzeitbelichtungen am Tage sind aufgrund der Lichtverhältnisse nur sehr begrenzt möglich. Kameraseitig kann man eine möglichst lange Belichtungszeit durch einen möglichst niedrigen ISO Wert und eine geschlossene Blende erreichen. Die Blende sollte allerdings nicht zu weit geschlossen werden, um ungewollte Beugungsunschärfe zu vermeiden. Wer noch Input zum Thema Beugungsunschärfe braucht kann hier Nachlesen: Beugungsunschärfe.

Für schön verwaschene Wasserläufe reicht die dadurch erreichbare Belichtungszeit jedoch meist nicht aus. Es werden also ND Filter, auch Graufilter genannt, notwendig, um die Belichtungszeit weiter verlängern zu können. Ein Tutorial zum grundsätzlichen Umgang mit ND Filtern habe ich bereits verfasst, es ist zu Beginn dieses Artikels verlinkt.

Ich empfehle hier mehrere Stärken mitzunehmen, je nach Wasserlauf und Umgebungslicht werden verschiedene Filter oder sogar Filterkombinationen benötigt, ich habe für meine Bilder ND Filter von HAIDA in den Stärken ND0,9 (8x); ND1,8 (64x); ND3 (1000x) verwendet.

Wasserschutz

Je nach Gewässer ist unter Umständen auch ein Wasserschutz für die Kamera notwendig/sinnvoll. Gerade an schnell fließenden Gewässern oder Wasserfällen spritzt das Wasser doch recht stark. Manche Kameras und Objektive sind von Haus aus spritzwassergeschützt, dann ist das ganze weniger kritisch. Meine Sony A6000 dagegen bietet leider keinen Spritzwasserschutz, ich habe mir mit einer einfachen Plastiktüte beholfen in die ich einen Ausschnitt für das Objektiv geschnitten habe. Für diesen Anwendungsfall absolut ausreichend.

ND Filter Zeiten Tabelle

Um die Belichtungszeiten nicht im Kopf errechnen zu müssen, habe ich eine Übersichtstabelle erstellt. Diese ist in diesem Blogbeitrag zu finden: Fotografie mit ND FIltern – Grundlagen.


Damit haben wir alle Ausrüstungsgegenstände beisammen!

Im zweiten Teil beschreibe ich dann die konkrete Durchführung und worauf bei der Belichtung selbst zu achten ist. Hier geht´s weiter: Teil 2 Durchführung

Photograficx - Johannes

Gründer der Fotografie Seite photograficx.de

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6 Kommentare auf "Langzeitbelichtung am Wasserfall – Teil 1 Vorbereitung"

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[…] geht´s weiter zur Artikelserie LANGZEITBELICHTUNG AM WASSERFALL wo ebenfalls mit ND Filtern gearbeitet […]

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[…] Im ersten Teil dieser Artikelserie wurden bereits die notwendigen Vorbereitungen für eine erfolgreiche Langzeitbelichtung am Wasser beschrieben. Wer gleich hier gelandet ist, findet den ersten Teil hier: Langzeitbelichtung am Wasserfall – Teil 1 […]

Günter
Gast

Sehr schöne Bilder. Zum Thema Langzeitbelichtung: Sehr gute Beschreibung. Da kann ich auch noch was lernen. …weiter so.
LG
Günter

Johannes Schmidt
Webmaster

Vielen Dank Günter für den lieben Kommentar! Freut mich immer wenn ich auch anderen weiterhelfen kann.

andreas
Gast

Tolle Erklärung und schöne Fotos. Danke! 🙂

Johannes Schmidt
Webmaster

Freut mich wenn es dir gefällt!
Danke für das Feedback!

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