Kommentar: Neuerscheinungen von Sony – Innovation im Kamerasektor

Letzte Woche sind nun die lang als Gerüchte kursierenden, neuen Kameras von Sony erschienen. Ich habe mich dazu entschlossen ein paar Worte dazu zu verlieren, da ich selbst Kameras von Sony in Benutzung habe und ich zwei der Neuvorstellungen sehr Interessant finde. Die Zusammenfassungen zu den beiden Kameras finden sich hier: Sony A7R II und hier: Sony RX100 M4. In diesem Kommentar möchte ich das ganze noch einmal Zusammenfassen und meine Meinung zur Rolle von Sony auf dem Kameramarkt, bzw. die Auswirkungen der Neuerscheinungen auf die etablierten Hersteller, kund tun.

Neuvorstellungen

Um was geht es konkret, Sony hat letzte Woche eine neue Systemkamera (Sony A7R II), eine Kompaktkamera (Sony RX100 M4) und eine Bridgekamera (Sony RX10 M2) vorgestellt. Besonders interessant ist hier meiner Meinung nach die A7R II und die RX100 M4. Bei der A7R II handelt es sich um eine Vollformatsystemkamera, also ein Wechselobjektivsystem mit einer spiegellosen Kamera. Sony ist aktuell der einzige Hersteller, der solche Systemkameras auch mit Vollformatsensor anbietet und diese gegen die Vollformat DSLR´s der Platzhirsche Canon und Nikon positioniert.

Entwicklung

Im Prinzip geht es bei der ganzen Thematik vor allem um Innovation. Seit Jahrzehnten hat sich im Bereich der professionellen Fotografie die SLR, also die Spiegelreflexkamera, etabliert, klar war es doch auch lange Jahre DIE Technologie um Wechselobjektive und ein vernünftiges Sucherbild zu kombinieren. Die Technik wurde grundsätzlich von der analogen Fotografie direkt ins digitale Zeitalter übernommen – und dies ohne wesentliche Änderungen am Grunddesign, salopp gesagt wurde der analoge Film durch den digitalen Sensor ersetzt und fertig war die Kiste. Durch das Grundprinzip hatten DSLR´s anfangs keinen LiveView, der aber doch unbestreitbare Vorteile bietet, man hat schließlich direkt eine Live Vorschau des Bildes, das man nach drücken des Auslösers erhält. Inzwischen hat sich dies geändert und nahezu jede Kamera bietet Heute einen LiveView, mal mehr, mal weniger gut umgesetzt. Ein durchgängiger LiveView ersetzt heute bei Systemkameras die aufwändige Spiegelkonstruktion durch ein, meist großes, Display sowie inzwischen auch überwiegend kombiniert mit einem zusätzlichen elektronischen Sucher. Dieser Sucher ist im Prinzip ebenfalls ein kleines, hochauflösendes Display. Grundsätzlich ist jede Kamera mit Wechselobjektiven – also auch eine DSLR – eine Systemkamera, der Begriff hat sich aber inzwischen vor allem für die spiegellosen Kamerasysteme durchgesetzt, die eben keinen Spiegelkasten mit optischem Sucher sondern eben nur noch Displays besitzen.

Diese Technik wurde vor allem im Profibereich lange Zeit belächelt, auch heute noch geht für viele kein Weg an der DSLR vorbei, doch ist das noch berechtigt?

Anfangs war dies sicherlich der Fall, oftmals waren die Displays schlecht ablesbar, vor allem in der Sonne. Die elektronischen Sucher waren anfangs ebenfalls nicht hochauflösend und daher einem optischen Sucher weit unterlegen, doch seit einiger Zeit hat sich dies geändert. Die elektronischen Sucher bieten sehr hohe Auflösungen, die kaum mehr einzelne Pixel erkennen lassen. Zudem bietet der LiveView unbestreitbare Vorteile, man sieht eben auch durch den Sucher was man nachher als Bild bekommt. Zudem können alle Funktionen, auch das Menü, im Sucher eingeblendet werden, was bei optischen Suchern nicht möglich ist. Dadurch können z.B. alle Einstellungen vorgenommen werden, ohne die Kamera absetzen zu müssen.

Nachteilig ist bei Systemkameras dagegen oftmals der Autofocus, da Anfangs bauartbedingt kein Phasen AF, sondern nur ein langsamerer Kontrast AF möglich war. Inzwischen ist diese Problematik aber gelöst, da die Phasen AF Punkte bei aktuellen Systemkameras bereits in die Sensorebene integriert werden können, so bieten Systemkameras der aktuellen Generation Phasen- und Kontrast AF und können damit auch schnell bei dunklen Lichtsituationen reagieren und bieten durch den Kontrast AF trotzdem eine hohe Präzision.

Spätestens mit erscheinen der ersten Vollformat Systemkamera (Sony A7) werden Systemkameras auch für die etablierten DSLR Systeme zu einer echten Konkurrenz, womit wir beim Thema Innovation angelangt wären.

Innovation

Seit einiger Zeit gibt es, verglichen mit anderen Elektroniksparten, kaum mehr Innovationen im Kamerasektor, vor allem die alteingesessenen Hersteller wie Canon und Nikon verbessern die bekannten Modelle nur rudimentär, etwas mehr AF Punkte, ein paar neue Funktionen, alle paar Jahre mal ein neuer Sensor. Klar das sind wichtige Verbesserungen, jedoch fallen die Schritte sehr klein aus. Der Absatz bei DSLR Kameras schwindet zudem von Jahr zu Jahr. Hersteller von Systemkameras dagegen können teils deutliche Zuwächse verzeichnen, doch woran liegt das?

Seit es ernstzunehmende Systemkameras gibt bewegt sich der Markt in diese Richtung, viele Hobbyisten sind bereits zu Systemkameras gewechselt oder nutzen diese als Ergänzung. Dies liegt sicher mit an der kompakten Bauweise, durch den Wegfall des Spiegelkastens können Systemkameras sehr viel kleiner gebaut werden und nehmen dadurch deutlich weniger Platz in Anspruch. Auch das Gewicht ist meist deutlich niedriger.

Desweiteren bieten Systemkameras durch das, im Vergleich zu DSLR´s, deutlich geringere Auflagemaß die Möglichkeit praktisch alle Objektive über Adapter nutzen zu können. Oftmals jedoch mit Einschränkungen vor allem beim Autofocus. Gerade wenn man noch alte Objektive besitzt ist das eine tolle Möglichkeit diese weiter zu nutzen. Vor allem wenn diese nicht über einen Autofocus verfügen.

Für mich würde das jedoch nicht ausreichen einen Wechsel des Kamerasystems zu rechtfertigen. In meinen Augen sind Systemkamerahersteller (allen voran Sony im Bereich der APSC und Vollformat Sensoren) auch eine ganze Ecke innovativer als die Platzhirsche Canon und Nikon. Vor allem Canon lässt bei den Topmodellen des eigenen Kameraportfolios Innovation vermissen. Dort werden seit Jahren dieselben Sensoren verbaut, Dynamikumfang und Rauschverhalten sind im Vergleich zu aktuellen Systemkameras oft nicht Konkurrenzfähig, die viel geschätzten Klappdisplays mit LiveView gibt es bei Profi DSLR´s nicht (Ausnahme Nikon D750, dort wurde die Nachfrage erkannt). Auch moderne Konnektivitätsmöglichkeiten wie NFC oder WLAN sucht man oft vergeblich. Sony macht vor, dass es auch anders geht, der Anlass für diesen Artikel ist vor allem die bereits genannte Vorstellung der Sony A7R II, welche wieder einmal zeigt was möglich ist.

Es wird eine Sensortechnologie verbaut, die bisher nur von kleineren Kameras, seit der Samsung NX1 auch im APSC Bereich, bekannt ist. Mehr dazu findet sich in meinem Bericht zur A7R II. Nach den ersten Erfahrungen der Samsung NX1 verspricht dieses Sensordesign einen höheren Dynamikumfang, bei gleichzeitiger Zunahme der Auflösung sowie ein besseres Rauschverhalten. Ob sich dies dann auch Bestätigen lässt, müssen erste Testberichte zeigen. Nikon ist noch in der glücklichen Situation auf Sony Sensoren zurückzugreifen und deshalb diese Verbesserungen der Bildqualität ebenfalls umsetzen zu können, oftmals mit noch etwas besseren Ergebnissen als Sony selbst, was wohl an der internen Verarbeitung liegt. Canon jedoch hinkt schon länger hinterher, vor allem was die Bildqualität angeht.

Viele weitere Verbesserungen wie hochwertiges Internes 4K Recording, eingebauter optischer Bildstabilisator im Gehäuse, leiser Verschluss etc. heben die Neuerscheinung noch zudem von etablierten Kameras ab.

Systemkameras sind Innovativer, daher besser, also sollte jeder wechseln?!

Ganz so einfach ist es nun leider doch nicht! An vielen Stellen besteht auch im Systemkamerasegment noch Verbesserungsbedarf, nehmen wir dazu wieder die A7R II als Beispiel. Es ist z.B. gänzlich unverständlich, warum nicht ein zweiter Speicherkartenslot verbaut wird, Kameras mit professioneller Ausrichtung haben bei Canon und Nikon einen zweiten Kartenslot, gerade wenn man mit den Bildern Geld verdient ist ein Verlust derselben eine Katastrophe. Speicherkarten fallen heute zwar nicht mehr oft aus, wenn es aber passiert ist es mehr als ärgerlich. Der Hobbyfotograf hat dann den Verlust von ein paar Bildern zu bedauern, der Profi jedoch gleich mit einen Verdienstausfall oder gar schlimmer Vertragsstrafen oder ähnlichem  zu rechnen. Ein zweiter Kartenslot nimmt kaum Platz weg und sollte auch in der A7 platz finden! Vor allem in Anbetracht des Preises, welcher auf Augenhöhe mit den anderen Topmodellen liegt, ist es nicht verständlich weshalb hier gespart wird.

Ein weiterer oft genannter Kritikpunkt ist die Objektivauswahl, zwar ist das FE System von Sony inzwischen stark und schnell gewachsen, einige Brennweiten fehlen jedoch immernoch, vor allem hohe Lichtstärke, besser f1,8 ist nicht oft anzutreffen. Canon und Nikon bieten da deutlich mehr Auswahl und das oft auch deutlich günstiger bei vergleichbarer, oftmals vergleichbarer Qualität.

Daher ist es gerade im professionellen Umfeld nicht ganz einfach zu wechseln, vor dem Hintergrund des neuen AF Systems der A7R II könnte zumindest der Punkt der Objektive entschärft werden. Erste Meldungen bestätigen einen schnellen AF mit Canon Linsen, wobei es dort auch Unterschiede zu geben scheint. Manche Objektive funktionieren noch gar nicht, andere haben noch etwas Schwierigkeiten den richtigen Focus zu finden. Laut Sony wird bis zum Release noch weiter abgestimmt, daher ist diese Punkt zwar sehr interessant, aber noch etwas mit Vorsicht zu genießen. Hier muss das finale Produkt abgewartet werden.

Fazit

Es zeigt sich also, dass Systemkameras innerhalb weniger Jahre den Markt ordentlich aufgemischt haben und nicht zuletzt durch die Vollformatsystemkameras von Sony auch den etablierten Systemen Konkurrenz machen. Auch für Profis werden die Kameras immer interessanter, vor allem zeigen sich Systemkamerahersteller deutlich innovativer, auch die alteingesessenen Hersteller  sollten solche Innovationen bringen um nicht den Anschluss zu verlieren, egal ob in einer DSLR oder eigenen Systemkameras. Konkurrenz belebt das Geschäft und so hat die neue A7R II hoffentlich auch Auswirkungen auf andere Hersteller. Sony zeigt sich selbstbewusst, vor allem auch im Preis der neuen Kameras wird dies unmissverständlich klar. Man will in alle Bereiche und auch Profis ansprechen. Ob dies gelingt wird das finale Produkt zeigen.

Photograficx - Johannes

Gründer der Fotografie Seite photograficx.de

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