Landschaftsfotografie: Die hyperfokale Distanz

Hyperfokale Distanz… Der Begriff hört sich zunächst nach einem recht komplexen Zusammenhang an, ist es aber nicht! Was die Hyperfokale Distanz ist, wozu man sie braucht, was das ganze mit der Blende zu tun hat und  wie man sie berechnet, erkläre ich dir in diesem Blogbeitrag!

Grundlagen

Zunächst müssen ein paar Grundlagen sitzen. In der Landschaftsfotografie möchte man in der Regel ein Bild haben, dass komplett und über den ganzen Bildbereich scharf ist (Ausnahmen bestätigen wie so oft die Regel ;)). Fotografiert man lediglich in die Ferne, hat man dabei kein großes Problem, man fokussiert auf Unendlich und bekommt ein scharfes Bild. Ein solcher Bildaufbau ist jedoch oftmals eher langweilig. Will man jedoch einen spannenden Vordergrund in die Szenerie einbauen, stößt man auf das Problem der Schärfentiefe. Entweder man fokussiert auf den Hintergrund und hat dabei einen unscharfen Vordergrund oder eben anders herum. Nun kann man natürlich mit geschlossener Blende arbeiten, um so eine möglichst große Schärfentiefe zu erreichen, doch das ist je nach Bildaufbau nicht immer ausreichend. Gerade wenn der Vordergrund sehr nah und die Entfernung zwischen Vorder- und Hintergrund sehr groß ist, wird es knapp. Zumal eine stark geschlossene Blende wieder andere Probleme mit sich bringt (Stichwort Beugungsunschärfe). Einfach die Blende zu machen führt also nicht zum Ziel.

Daraus ergeben sich zwei Fragestellungen:

  1. Worauf soll ich fokussieren?
  2. Was ist die optimale (richtige) Blende?

Beide Fragen lassen sich mithilfe der hyperfokalen Distanz beantworten!

Was ist die hyperfokale Distanz?

Der Begriff klingt unhandlich und kompliziert… Anwenden kann man die hyperfokale Distanz aber mit ein paar Hilfsmittelchen ganz einfach.

Aber zuerst zur Frage, was denn die hyperfokale Distanz genau ist. Das ist sogar ganz einfach zu beantworten. Die hyperfokale Distanz ist der Abstand zum Vordergrund, ab dem alles bis zur Unendlichstellung scharf ist!

Fokussierst du auf die hyperfokale Distanz, ist alles ab ca. der halben hyperfokalen Distanz bis unendlich scharf! Die folgende Zeichnung verdeutlicht den Zusammenhang nochmal:

fullsizerender

Wie ermittelt man die hyperfokale Distanz?

Die genaue Distanz ergibt sich aus der Brennweite des Objektivs und der eingestellten Blende! D.h. bei jeder Brennweiten- und Blendenkombination ergibt sich eine andere hyperfokale Distanz. Man kann das ganze jetzt mithilfe einer Formel berechnen, aber welcher Fotograf rennt schon gern die ganze Zeit mit dem Taschenrechner in der Hand herum. Daher gibt es dazu Tabellen und Rechner, mit deren Hilfe man sich die genaue hyperfokale Distanz für den jeweiligen Anwendungsfall berechnen lassen, bzw. ablesen kann. Für Unterwegs bietet sich dazu unter anderem auch die App Photopills an, die auch noch eine Menge weiterer nützlicher Tools beinhaltet.

Hier findet ihr eine Tabelle, mit der ihr die hyperfokale Distanz ermitteln könnt. Dort dann einfach Blende und Brennweite eingeben. Zudem könnt ihr ganz oben noch euer Kameramodell auswählen, denn es gibt zusätzlich zur Brennweite und zur Blende noch einen weiteren Einflussfaktor, nämlich die Größe des Kamerasensors.

Anwendung in der Praxis

In der praktischen Anwendung sieht das ganze dann beispielsweise wie folgt aus:

Möchte ich ein Foto mit Blende 2,8 bei einer Brennweite von 14 mm und einem Vollformatsensor (in meinem Fall Sony A7) schießen, so beträgt die hyperfokale Distanz 2,32 m. Fokussiere ich auf diese Distanz, ist ab ca. der halben Entfernung  alles bis zur Unendlichstellung scharf!

In diesem Beispiel habe ich unterstellt, dass man bewusst eine bestimmte Blende haben möchte, in diesem Fall Blende 2.8, also sehr offenblendig. Das wäre beispielsweise in der Astrofotografie notwendig.

Man kann die hyperfokale Distanz aber auch zum ermitteln der optimalen Brennweite verwenden:

Soll bei einer Brennweite von 14 mm auf einen Vordergrund in 90 cm Entfernung fokussiert werden, braucht man nach der Tabelle oben eine Blende von f/8. Die hyperfokale Distanz liegt dann bei 83 cm.

Vorsicht!

Es gibt bei der ganzen Geschichte auch noch den ein oder anderen Punkt zu beachten:

  1. Bei der hyperfokalen Distanz spricht man von „annehmbarer Schärfe“. Das bedeutet, dass zwar ab der hyperfokalen Distanz alles in der Schärfeebene liegt, bei der Betrachtung des Bildes in der 100% Ansicht wird man jedoch trotzdem leichte Schärfeunterschiede wahrnehmen, da auch in der Schärfeebene ein Schärfeverlauf vorhanden ist.
  2. In der Praxis ist zu empfehlen, lieber auf eine etwas größere Entfernung als die hyperfokale Distanz zu fokussieren, denn wenn man auf einen Punkt weiter vorn fokussiert, ist der Hintergrund schnell wieder ziemlich Unscharf! Hier also lieber auf Nummer sicher gehen und anstelle von 2,32 m beispielsweise auf einen Punkt in 2,5 m Entfernung fokussieren! Dann ist man auf der sicheren Seite.

 

Gar nicht so schwer das ganze oder? ;). Probiert es aus!

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4 Kommentare auf "Landschaftsfotografie: Die hyperfokale Distanz"

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Henrik
Gast

Kleine Besserwisserattacke (-; : Stellt man den Fokus auf die Hyperfokale Distanz, ist alles innerhalb *halber* Hyperfokaldistanz bis nach unendlich scharf (zB bei 40mm Vollformat und F8 mit 7m Hyperfokaldistanz geht die Schärfezone also schon ab 3,50m los).
Zum selber rumspielen habe ich für das allseits bekannte Tabellenkalkulationsprogramm auch mal so einen Rechner gebastelt (inklusive weiterer nützlicher Formeln):
http://www.mopswerk.de/photography-math-formula-spreadsheet-calculation/
Viele Grüße!

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