High dynamic range (HDR) Fotografie – Teil 1 – was ist das?

Fast jeder kennt den Begriff „HDR“ – oftmals jedoch negativ behaftet. Das liegt vor allem an den vielen überzogenen HDR Bildern die im Netz kursieren und in der Tat oftmals abschreckend wirken. Leider wird die HDR – Fotografie oft mit genau diesen Bildern gleichgesetzt, dabei steckt wesentlich mehr dahinter! In diesem Beitrag will ich daher ein paar Missverständnisse und Fehlinterpretationen im Zusammenhang mit HDRs aus dem Weg räumen. Im zweiten Teil beschreibe ich dann einige Möglichkeiten Bilder mit hohem Dynamikumfang zu erstellen.

HDR: „Kenn ich!“ – aber was bedeutet der Begriff wirklich?

HDR – die Abkürzung für „high dynamic range“ besagt zunächst einmal nur, dass ein Bild einen hohen Dynamikumfang aufweist, also einen sehr großen Bereich unterschiedlicher Helligkeiten beinhaltet. Die Definition ab wann ein Bild ein HDR ist, ist dabei jedoch alles andere als klar – logisch das hier Missverständnisse auftreten.

Nikon beispielsweise definiert HDR folgendermaßen:

„HDR-Fotografie (High Dynamic Range) zielt auf die Erstellung eines Bildes mit einem erweiterten Tonwertumfang, der die Möglichkeiten einer Einzelbelichtung übersteigt.“ (Quelle)

Ein HDR wäre demnach ein Bild, das auf mehrere Belichtungen angewiesen ist, da in einer Belichtung nicht alle Tonwerte dargestellt werden können. Diese Darstellung ist aber mit der aktuellen Kamerageneration überholt.

Meiner Meinung nach ist es schlüssiger den Begriff HDR über das Bild selbst zu definieren, eine Aufnahme bei bewölktem Himmel und Nebel weißt einen eher geringen Dynamikumfang auf, ein kräftiger Sonnenuntergang mit dunklen Felsen im Vordergrund dagegen hat deutlich höhere Helligkeitsunterschiede und demnach einen sehr großen Dynamikumfang. Ein Bild dieser Szene, dass alle Tonwerte beinhaltet kann somit als HDR bezeichnet werden, unabhängig davon ob es mit einer aktuellen Kamera in einer Belichtung aufgenommen werden kann oder aber mit einem älteren Sensor mehrere Belichtungen notwendig sind. Das erstellen mehrerer Belichtungen ist lediglich ein notwendiges Hilfsmittel wenn eine Belichtung nicht ausreichend ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Ein HDR Bild beinhaltet alle Tonwerte einer aufgenommenen Szene, es gibt keine über-, oder unterbelichteten Bildbereiche, unabhängig davon wie das Bild aufgenommen wurde.

HDR Fotografie

In der Fotografie wird der Dynamikumfang eines Bildes in Blendenstufen angegeben, einem Maß für den Kontrastumfang eines Bildes. Auch der Dynamikumfang eines Kamerasensors wird nach der Anzahl Blendenstufen, die er in der Lage ist abzubilden, beurteilt.

Beispiel

Nehmen wir ein in den letzten Jahren weit verbreitetes Kameramodell: Die Canon EOS 450D, eine zum Erscheinungsdatum sehr gute Einstiegskamera. Sie hat einen Dynamikumfang von 11 Blendenstufen. Nach heutigen Maßstäben ist das nicht besonders viel. Aktuelle Kameramodelle wie  beispielsweise die Sony A7rii haben einen Dynamikumfang von 14 Blendenstufen. 3 Blendenstufen mehr sind eine Menge!

Um eine Szene mit mit einem Dynamikumfang von 13 Blendenstufen einzufangen ist bei einer EOS 450D eine Belichtungsreihe mit einem neutral belichteten Bild sowie je einem mit einer Blendenstufe über- und unterbelichtetem Bild notwendig. Um den (hohen) Dynamikumfang einfangen zu können. Bei einem Sonnenuntergangsbild zum Beispiel ist das ein realistischer Wert. Laut der oben genannten Definition ist das demnach ein HDR Bild. Mit einer Sony A7rii dagegen, könnte man dieses Bild in einer Belichtung anfertigen und hätte im Hinblick auf den Sensor sogar noch massig Luft nach oben!

Damit wird denke ich deutlich, weshalb ich von der Definition des Begriffs HDR über die Anfertigung mehrerer Belichtungen nicht viel halte.

Auch die negative Assoziation von HDR Bildern ist unbegründet. Ein HDR kann nämlich auch natürlich bearbeitet werden, das folgende Bild beispielsweise wurde zwar im Hinblick auf die Farben intensiv bearbeitet, im Hinblick auf die Bilddetails und Kontraste wirkt es dagegen natürlich.

High dynamic range (HDR) Fotografie

HDR aus mehreren Belichtungen – Sony A7ii

Ganz anders bei diesem Bild. Das geht schon eher in die „typische“ HDR Richtung, mit extremer Entwicklung der Details:

HDR - extreme Bearbeitung

HDR Beispiel – extreme Entwicklung – Sony A6000

Beide Bilder wurden aufgrund des durch die Kamera begrenzten Dynamikumfangs aus mehreren Belichtungen zusammengestellt.

Das folgende Bild dagegen wurde mit einer Sony A7rii – und entsprechend hohem Dynamikfumfang – aufgenommen. Auch hier sind alle Bilddetails und Tonwerte vollständig enthalten, trotz starker Mittagssonne und dementsprechend großem Dynamikumfang.

natürliches HDR - Sony A7rii

natürliches HDR – eine Belichtung – Sony A7rii

Man sollte HDR also nicht nur mit den oftmals extremen Entwicklungen gleichsetzen. Diese haben auch ihre Berechtigung, doch HDR ist noch viel mehr! Vor allem in Gegenlichtsituationen ist praktisch jedes Bild, dass alle Tonwerte enthält ein HDR und zwar unabhängig davon ob eine Belichtung ausreichend war oder eine Belichtungsreihe zu Einsatz kommt.

Im zweiten Teil kommen wir zu den verschiedenen Möglichkeiten ein HDR Bild in der Praxis zu erstellen.

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