Haida ND Filter – Erfahrungsbericht

ND Filter gibt´s wie Sand am Meer. Die etablierten Hersteller (B&W, Hoya, LEE) werden hochgelobt und liefern gute optische Qualität. Doch seit einiger Zeit gibt es auch vermehrt günstige Filter. Inzwischen hat sich der Hersteller Haida mit preiswerten Filtern einen Namen gemacht. Ich verwende die Haida Filter in verschiedenen Ausführungen bereits seit längerem und habe einige Bilder damit erstellt. In diesem Beitrag möchte ich dir meine Erfahrungen mit diesen Filtern weitergeben.

Ich nutze die Haida Filter in folgenden Ausführungen:

ND Filter Set Slim

ND Filter 100×100

Wodurch unterscheiden sich ND Filter?

Grundsätzlich dunkelt ein Graufilter ein Bild um einen definierten Wert ab und verlängert dadurch die Belichtungszeit. Das ganze geschieht mehr oder weniger neutral. Gute ND Filter beeinflussen ein Bild kaum. Passt man die Belichtungszeit entsprechend an, kommt im Idealfall dasselbe Bild heraus wie ohne Filter und mit kurzer Belichtungszeit. In der Praxis ist das aber nicht der Fall. Vor allem bei starken Filtern (z.B. einem 1000x Filter, der um 10 Blendenstufen abdunkelt) treten durch den Filtereinsatz auch Farbverschiebungen hervor. Das Bild bekommt einen Farbstich. Je nach Qualität der Filter fällt der Farbstich mehr oder weniger stark ins Gewicht.

Wenn man Elemente vor ein Objektiv schnallt, verändert das natürlich auch das Gegenlichtverhalten. Objektive haben eine aufwändige Vergütung, um störende Effekte durch direktes Licht möglichst zu minimieren. Eine solche Vergütung sollten auch die Filter mitbringen, denn wenn man sich schlechte Filter vor das Objektiv schraubt, nutzt die beste Objektivvergütung nichts mehr.

Wie schlagen sich die Haida Filter?

Eins vorweg, ich verwende die Filter in den meisten Fällen um Langzeitbelichtungen durchzuführen. Meistens halte ich dabei die Kamera nicht in die knallige Mittagssone ;). Das Gegenlichtverhalten ist für mich dennoch nicht unwichtig, denn gerade Sonnenauf- bzw. Untergänge fotografiere ich oft mit Filtern. Ich habe das Flareverhalten jedoch nicht gesondert in für mich nicht relevanten Situationen getestet.

Bzgl. des Gegenlichtverhaltens konnte ich keine Verschlechterung der optischen Leistung durch den Filtereinsatz feststellen. Dazu hier ein Bild für eine typische Gegenlichtsituation bei meinen Aufnahmebereichen. Die sichtbaren Flares sind übrigens nicht auf die Filter zurückzuführen, sondern auf das Samyang 12mm. Die Flares hatte ich dort auch ohne Filter in gleicher Weise. Manche Berichte sprechen von etwas besserer Vergütung bei B&W und somit besserem Gegenlichtverhalten, ich konnte jedoch in meinen Aufnahmesituationen keinen Nachteil für die Haida Filter erkennen. Das kann jedoch je nach Aufnahmesituation anders sein. Ich bin was das anbelangt vollauf zufrieden mit den Haida Filtern.

Haida Filter gegenlicht mallorca

Haida ND 3.0 1000x – unbearbeitet

Wirklich überrascht haben mich die Filter allerdings in Bezug auf Farbverschiebungen! Selbst bei dem sehr starken ND3.0, was einer Reduktion um 10 Blendenstufen entspricht, sind die Farbverschiebungen minimal! Da habe ich bei teuren B&W Filtern schon deutlich schlimmere Ergebnisse gesehen.

Zum Vergleich hier zwei Testbilder aus dem Garten (ohne jeglichen künstlerischen Anspruch), mit denen ich die Filterstärke kalibriert habe (mehr dazu: Filter Kalibrieren).

ohne Filter

Sony FE 16-35 ohne Filter

mit Haida ND3.0 1000x

Sony FE 16-35 mit Haida ND3.0 1000x

Die Farbverschiebungen bei diesen Testbildern sind minimal. Mir gefallen ehrlich gesagt sogar die Grüntöne des Bildes mit Filter besser :). In anderen Testberichten die ich vorab gelesen habe, war von deutlich stärkeren Farbverschiebungen die Rede, das kann ich jedoch nicht bestätigen. Es kann allerdings auch sein, dass Haida die Filter nochmals optimiert hat. Sowohl meine 2015, als auch die 2016 gekauften Haida Filter sind hierbei gleich gut im Hinblick auf die Farbtreue! Auch zwischen den Schraub- und Steckfiltern kann ich keinen Unterschied feststellen.

Auch das folgende Beispiel zeigt kaum Farbunterschiede. Beim ersten Bild kam wieder ein Haida ND 3.0 1000x Filter zum Einsatz. Das zweite Bild wurde ohne Filter aufgenommen. Beide Bilder sind unbearbeitete RAW Dateien als JPEG exportiert.

Triberger Wasserfall mit Haida ND 1000 unbearbeitet

Wasserfall Triberg – Sony FE 16-35 – Haida ND 3.0 1000x Schraubfilter – unbearbeitet

Triberger Wasserfall unbearbeitet

Wasserfall Triberg – Sony FE 16-35 – ohne Filter – unbearbeitet

 

Und noch ein letzter Vergleich, Bild 1 wurde mit einer Kombination aus einem Haida 3.0 1000x und einem Haida 0.9 8x Filter aufgenommen. Dadurch wurde eine lange Belichtungszeit von 93 Sekunden erreicht. Wer sich über den dunklen Fleck wundert: Das war ein Boot, das dort relativ langsam herum gefahren ist. Das zweite Bild zeigt die gleiche Szene ohne Filter. Beide Bilder sind, wie die anderen Beispiele auch, unbearbeitete RAWs.

Mallorca ND 3.0 + ND 0.9

Mallorca – Samyang 12mm – Haida ND 3.0 1000x + ND 0.9 8x – unbearbeitet

Mallorca ohne Filter

Mallorca – Samyang 12mm – ohne Filter – unbearbeitet

Hier sind leichte Farbverschiebungen erkennbar, aber auch diese fallen kaum ins Gewicht und lassen sich leicht in Lightroom korrigieren.

Ich bin mit den Ergebnissen der Haida Filter durchweg sehr zufrieden! Egal ob schwächere 8x Filter oder der sehr starke 1000x. Auch die Kombination mehrer Filter verwende ich oft, ebenfalls ohne nennenswerte Probleme. Die dabei auftretenden, leichten Farbverschiebungen lassen sich problemlos in Lightroom oder PS korrigieren.

Aus optischer Sicht spricht aus meinen Erfahrungen nichts gegen die Haida Filter. Einen Kritikpunkt gibt es jedoch trotzdem: Die Gewinde! Eigentlich sollte es ja nicht schwer sein saubere Gewinde auf einen Filter zu schneiden… Haida hat da auf jeden Fall noch Nachholbedarf! Bei zwei Filtersets hatte ich das Problem, dass die Gewinde zu beginn etwas hackelig liefen. Ich habe die Filter mehrmals gegenseitig verschraubt, um so die Gewinde leichtgängiger zu machen. Da sollte nachgebessert werden! Es ist kein riesen Problem und nach mehrmaligem Zusammenschrauben läuft das auch, aber trotzdem ärgerlich. Bei den Steckfiltern entfällt dieser Kritikpunkt selbstverständlich ;).

Der Preisunterschied zwischen einem B&W Filter (ca. 80€ für einen ND 0.9 Filter) im Vergleich zum Haida Set (ca. 80€ für drei Filter, ND 0.9 – ND 1.8 – ND 3.0) fällt doch recht deutlich aus, ich sehe keinen Grund mehr zu den teuren Filtern zu greifen. Die Farbverschiebungen die ich teilweise bei B&W Filtern gesehen habe, sind mir bei Haida bislang nicht untergekommen. Das geschriebene gilt gleichermaßen für die Schraub- und Steckfilter!

Ich hoffe der Bericht hilft dem ein oder anderen bei der Kaufentscheidung.

Welche Filter nutzt du? Schreib mir gern einen Kommentar zu deinen Erfahrungen mit Filtern!

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2 Kommentare auf "Haida ND Filter – Erfahrungsbericht"

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Henrik
Gast

Ich bin auch dazu übergegangen, mir die Filter von Haida zuzulegen: Wenn man verschiedene Filterdurchmesser hat, dann können viele Filter ganz schön ins Geld gehen (und ja, ich kenne Step Up Filter, aber ab und zu will man’s wegen der Gegenlichtblende passgenau haben)
Was bei den Filterbildern oben auffällt, dass es anfängt zu vignettieren: Ist nicht unbedingt störend, aber sichtbar.

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