Geotagging mit Smartphone und Lightroom – Tutorial

Geotagging, also das Einfügen von Ortsinformationen in die Metadaten von Fotos, ist eine tolle Möglichkeit um die eigenen Bilder besser sortieren und wiederfinden zu können. Gerade in Verbindung mit Lightroom als Organisationssoftware und der dort eingebauten Kartenfunktion ist Geotagging eine sinnvolle Sache. Man schießt unzählige Fotos und weiß oftmals nach einiger Zeit nicht mehr wo die Aufnahme entstanden ist, gerade bei Fotos auf Reisen ist es toll auch später noch den genauen Ort der Aufnahme zu kennen. Auch für diesen Anwendungszweck ist Geotagging unerlässlich. Zuletzt sind Ortsinformationen in Fotos für die Onlineveröffentlichung der Bilder, beispielsweise auf Flickr, interessant. Ich schaue gern auf Flickr nach Fotos an bestimmten Orten die ich selbst besuchen möchte, um mir schon vorab einen Eindruck der Location zu verschaffen.

Geotagging bietet also viele Vorteile, doch was tun wenn die Kamera kein eingebautes GPS Modul hat? 

Im Smartphonezeitalter ist dies zum Glück kein Problem mehr, jedes Smartphone hat eine GPS Modul und über verschiedenste Apps können damit Ortsinformationen geloggt werden.

Ich habe nach einigem probieren einen einfachen, universell anwendbaren Workflow gefunden, um die Ortsinformationen aus meinem Smartphone in Lightroom sehr komfortabel mit meinen Bildern zu verknüpfen. Diese Methode ist vollkommen unabhängig von der Kamera, funktioniert also mit jeder Kamera!

Zunächst wird eine App benötigt, mit der die Ortsinformationen im standardisierten .gpx Format gespeichert werden, um die Informationen nachher problemlos in Lightroom nutzen zu können. Es gibt bereits eine Vielzahl von Apps die diese Funktionalität bieten. Ich habe jedoch einige Zeit gesucht bis ich eine App gefunden habe, die auch meine anderen Anforderungen erfüllt, diese wären:

– Einfaches übertragen der Ortsinformationen an den PC

– wenig Akkuverbrauch des Handys

– pausieren und späteres, beliebiges Fortsetzen des Geotaggens einer Route

Eine App die diese Anforderungen perfekt erfüllt ist Geotag Photos, erhältlich für Android (Playstore  Link) und iOs (App Store Link). Es kann gut sein, dass es noch weitere Apps gibt die ebenso gut funktionieren, ich kenne jedoch nur diese eine und richte diesen Beitrag daher danach aus. Die App kostet je nach Betriebssystem ca. 4€, was für die gebotenen Funktionen ein fairer Preis ist.

Die App bietet umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten, ich möchte die für mich idealen Einstellungen hier weitergeben, ich denke diese sind für die meisten Fotografen passend und können übernommen werden.

Ablauf

Grundsätzlich funktioniert dieser Geotagging Workflow komplett unabhängig von der Kamera, bei Start der Fototour oder des Shootings, wird einfach in der App die Aufzeichnung der Route gestartet. Die Verknüpfung der Fotos mit den Geoinformationen geschieht dann anschließend durch den Import der Fotos sowie der Route in Lightroom. Dort werden die Fotos den Geoinformationen anhand der Aufnahmezeit zugeordnet. Daher ist es wichtig, die Uhr der Kamera mit dem Smartphone zu synchronisieren!

 Die APP

Beginnen wir nun mit der App selbst, ist diese heruntergeladen und gestartet, begrüßt uns die folgende Ansicht:

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Hier wird die letzte Route, in diesem Fall „Test“, angezeigt. Über „neue Route“ kann eine neue Route angelegt werden. Über den „Rec“ Button wird die Aufzeichnung gestartet. Unter „Routen“ findet sich eine Auflistung aller bisher angelegten Routen.

Kümmern wir uns jedoch zunächst um die allgemeinen Einstellungen, über das Einstellungszeichen oben Rechts gelangen wir auf folgenden Bildschirm:

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Unter „Genauigkeit“ kann nun eine Mindestentfernung definiert werden, bei der ein neuer Datenpunkt erstellt wird. Dies bedeutet, dass erst dann eine neue Ortsinformation abgelegt wird, wenn man sich um diese Entfernung vom letzten Punkt entfernt hat. Ich habe hier nach einigem probieren 25m eingestellt, so hat man einen gewissen Bewegungsradius bei einem Shooting wo nicht ständig unnötige Datenpunkte erstellt werden wenn man sich um einen Punkt herum bewegt um zu Fotografieren, dennoch ist es noch ausreichend genau um auch Wegabzweigungen gut zu erfassen. Daher halte ich diese Einstellung für optimal.

Die Zweite Einstellung an dieser Stelle bezieht sich auf die Art der Datenerfassung, man kann entweder nur GPS verwenden, oder aber auch Mobilfunkdaten zur Standortbestimmung hinzuziehen. Ich habe hier „nur GPS“ eingestellt, dies ist meiner Erfahrung nach ausreichend und man läuft gerade im Ausland nicht in Gefahr unnötige Kosten durch Datenroaming zu verursachen. Zudem wirkt sich diese Einstellung positiv auf den Akkuverbrauch aus.

Unter „Uhr der Kamera Stellen“ muss nun vor dem Taggen die Kamera Uhr genau auf die in der App angezeigte Zeit gestellt werden. Das ist wichtig, da die Ortsinformationen später auch über die Zeit den Bildern zugeordnet werden.

Eine letzte Einstellung ist nun noch vorzunehmen, auf dem Startbildschirm gibt es noch den Punkt „Autom. markieren“, dort kann das Zeitintervall eingestellt werden, nachdem ein neuer Datenpunkt gesetzt wird. Ich empfehle hier die Einstellung „kontinuierlich“ auszuwählen. Über die Einstellung der Entfernung auf 25m wurde die Erstellung neuer Datenpunkte bereits ausreichend limitiert. Es braucht daher keine weitere zeitliche Begrenzung. Auch auf den Akkuverbrauch wirkt sich dies nicht negativ aus.

Ich empfehle, in den Einstellung unter „Dropbox“ die App mit dem eigenen Dropbox Account zu Verknüpfen, die Routen werden dann automatisch über das heimische WLAN in die Dropbox geladen und stehen zur weiteren Nutzung zur Verfügung.

Die App ist nun fertig konfiguriert, über den „Rec“ Button kann nun eine Route aufgezeichnet werden, es wird dann im Display angezeigt wann der letzte Datenpunkt angefertigt wurde. Durch erneutes drücken des „Rec“ Buttons kann die Route pausiert werden. Sie kann durch ein weiteres Betätigen des Buttons wieder fortgeführt werden, was gerade bei mehrtägigen Touren von Vorteil ist.

 

Route Übertragen

Zuhause am Rechner kann nun die Route übertragen werden. Die Route sollte, sobald sich das Smartphone im heimischen WLAN befindet, automatisch in die Dropbox geladen worden sein. Nun geht es weiter in Lightroom. Dort werden zunächst die Bilder importiert, ich denke darauf muss ich nicht gesondert eingehen ;). Anschließend kann das Kartenmodul aufgerufen werden.
karte 2
Durch einen Klick auf das Rot markierte Track Symbol öffnet sich folgendes Kontextmenü: karte3

Hier kann nun über Tracklog laden ein Tracklog aus der Dropbox ausgewählt und importiert werden. Anschließend erscheint der über die App aufgezeichnete Tracklog auf der Lightroom Karte. Nun wählt man im nächsten Schritt die Fotos, die während der Tour aufgenommen wurden aus und Klickt dann im Kontextmenü auf „x Fotos automatisch taggen“. Die Fotos werden nun automatisch mit den Ortsinformationen aus dem Tracklog verknüpft und die GPS Koordinaten werden in die Metadaten geschrieben.

Ich finde dieses Vorgehensweise super einfach umsetzbar, bei mir funktioniert es jetzt seit einiger Zeit tadellos.

Viel Spaß beim selbst probieren!

Photograficx - Johannes

Gründer der Fotografie Seite photograficx.de

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2 Kommentare auf "Geotagging mit Smartphone und Lightroom – Tutorial"

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Tobias
Gast

Hallo lieber Johannes,

vielen Dank für diesen Artikel – das klingt sehr interessant. Wie weiß die App, wann Du ein Foto machst. Für mich sieht es so aus als würde die gesamte Route getrackt. Wie aber wird je Foto eine Koordinate erfasst? Gibt es da einen extra Button?

Viele Grüße
Tobias (@tobohme)

Johannes Schmidt
Webmaster

Hey tobias,
die App weiß gar nicht wann man ein Foto macht ;). Das ganze wird erst in Lightroom zusammengeführt, die Synchronisation der GPS Daten mit den Bilder geschieht elegant über die Uhrzeit!
D.h. Smartphone und Kamera Uhrzeit müssen exact gleich gestellt werden.
Während der Aufzeichnung muss man also nichts weiter machen.

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