ND Filter

Fotografie mit ND Filtern – Grundlagen

Dieses Tutorial befasst sich mit den Grundlagen, die im Umgang mit ND Filtern notwendig sind. Beim fotografieren mit ND Filtern gilt es einiges zu beachten bzw. zu verstehen, um schöne Ergebnisse zu erzielen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Einsatzgebiete für ND Filter
  2. Bauarten
  3. Handhabung
  4. Vorgehensweise
  5. Zu Beachten
  6. Step Up Ringe

Was ist ein ND Filter?

ND Filter, auch Graufilter genannt, sind Filtergläser die vor dem Objektiv der Kamera befestigt werden. ND steht dabei für Neutrale Dichte. Ein ND Filter reduziert die in das Objektiv einfallende Lichtmenge gleichmäßig und ermöglicht somit längere Belichtungszeiten. Wie der Name schon sagt ist die Abdunklung dabei neutral, die Farben und Kontraste werden also nicht verfälscht.
Wichtig ist auch hier auf ausreichend hochwertige Produkte zurückzugreifen, ansonsten kann es gerade bei der Farbwiedergabe zu ungewollten Überraschungen kommen!

Einsatzgebiete für ND Filter

ND Filter können vielfältig in der Fotografie eingesetzt werden, vorwiegend kommen sie in folgenden Bereichen zur Anwendung:

  1. Bewegungsunschärfe, durch gezielte Ausnutzung von Bewegungen (vor allem bei Gewässern oder Wolken) lassen sich tolle Effekte generieren. Gewässer können beispielsweise glatt gezogen werden, wodurch das Wasser nebelartig abgebildet wird. Ebenso ist dies bei Wolken möglich, was vor allem in der Architekturfotografie reizvoll ist. Sollen diese Effekte tagsüber erzeugt werden, können die dafür notwendigen Belichtungszeiten von einigen Sekunden bis Minuten meist nicht erreicht werden, ohne das Bild über zu belichten. Daher werden hierfür ND Filter benötigt.
  1. Menschen ausblenden, durch Langzeitbelichtungen können auf belebten Plätzen Menschen ausgeblendet werden, was oftmals nützlich sein kann wenn ansonsten das zu fotografierende Objekt immer wieder verdeckt wird.
  2. Tagsüber offenblendig fotografieren, soll tagsüber offenblendig fotografiert werden, um beispielsweise Objekte freistellen zu können ist dies in sehr hellen Umgebungen oft nicht möglich, da ansonsten auch hier das Bild überbelichtet wird. Auch dafür kann ein, meist schwächerer, ND Filter Abhilfe schaffen.

Bauarten

ND Filter gibt es in verschiedenen Bauarten, es sind Stecksysteme erhältlich die vor der Linse befestigt werden, was den einfachen Austausch der Filter ermöglicht. Oft aber mit dem Nachteil, dass Streulicht einfallen kann. Schraubfilter, die auf das Filtergewinde des Objektivs geschraubt werden können, haben dieses Problem nicht, können dafür aber nicht so leicht mit anderen Filtern kombiniert werden. Außerdem ist der Filterwechsel aufwändiger als bei einfach gesteckten Systemen.

ND Filter gibt es in verschiedenen Dichten, mit verschiedenen Verlängerungsfaktoren für die Belichtungszeit.

Die Angaben zur Dichte der Filter unterscheiden sich leider je nach Hersteller, so wird teilweise die neutrale Dichte angegeben beispielsweise ND 3.0. Oft wird jedoch auch der Verlängerungsfaktor selbst angegeben, z.b. 1000x für eine tausendfach längere Belichtungszeit bei Einsatz des Filters. Ein Filter mit einer neutralen Dichte von ND 3.0 entspricht dabei einem Verlängerungsfaktor von 1000x. Um die Verwirrung zu komplettieren geben manche Hersteller die Filter auch in Blendenstufen an, beispielsweise 10, also eine Reduktion von 10 Blendenstufen, was wiederum einer 1000 fachen Verlängerung und somit dem ND 3.0 Filter entspricht.

Mit diesen unterschiedlichen Angaben muss man sich arrangieren, die von mir verwendeten Haida Filter sind mit der Angabe der neutralen Dichte und dem Verlängerungsfaktor versehen.

Um die Verwirrung etwas aufzuklären habe ich hier eine kleine Tabelle erstellt, wo die verschiedenen Angaben übersichtlich dargestellt sind. Ist eigentlich doch gar nicht so schwer 😉

ND1

Handhabung

Die Anwendung der ND Filter ist nicht schwer, ich habe für die verschiedenen Filterstärken folgende Tabelle erstellt:

ND2

Die üblichsten Filterstärken wurden orange markiert.

Die erste Spalte „Belichtungszeit Kamera“ ist die Zeit, die von der Belichtungsmessung der Kamera ermittelt wurde. Von dort ausgehend kann nun für jede Filterstärke die einzustellende Belichtungszeit ermittelt werden. Übersteigt die Belichtungszeit den Wert von 30s muss in der Kamera im manuellen Modus „Bulb“ ausgewählt werden. In diesem Modus kann die Belichtungszeit über einen Kabelauslöser praktisch unbegrenzt lange gewählt werden. Anfang und Ende werden durch betätigen des Kabelauslösers bestimmt.

Möchte man eine bestimmte Belichtungszeit erreichen, geht man andersherum vor, soll z.B. tagsüber 30s belichtet werden, wählt man einen ND3.0 Filter mit 1000x Verlängerung. An der Kamera muss man dafür nun 1/30 Sekunde einstellen, ein Wert der tagsüber normalerweise problemlos erreicht werden kann. Man kann nun mit dem ISO Wert und der Blende variieren um auf die jeweilige Zeit zu kommen.

Vorgehensweise

  • Zuerst wird die Kamera auf einem Stativ befestigt
  • Anschließend wird die Kamera vorzugsweise auf die Blendenvorwahl (A Modus oder Av Modus) gestellt
  • Es wird der gewünschte Bildausschnitt sowie die Blende eingestellt
  • anschließend wird mittels Autofocus oder manuellem Focus fokussiert und die Belichtungszeit gemessen, über die Blendenvorwahl kann nun korrigiert werden, falls eine bestimmte Zeit erreicht werden soll
  • Nun stellt man auf jedenfall den Autofocus ab! Und wechselt in den manuellen Modus und dort in den Bulb Modus der Belichtungszeiteinstellung
  • Jetzt kann der Filter montiert werden, die Belichtungszeit für den Filter wird nun anhand der zuvor von der Kamera gemessenen Zeit aus der obigen Tabelle abgelesen und entsprechend eingestellt
  • Über den Kabelauslöser kann nun die Belichtung  durchgeführt und nach der jeweiligen Zeit beendet werden

Nun kann es vorkommen, dass man die gewünschte Belichtungszeit nicht mit einem Filter erreichen kann. Für diesen Fall kann man mehrere Filter kombinieren, hierbei ist jedoch zu beachten, dass gerade im Weitwinkel u.U. Verschattungen entstehen können, daher empfehle ich Slim Filter, diese sind allgemein dünner wodurch Verschattungen vermieden werden können.

Für die Kombination mehrerer Filter wird die neutrale Dichte addiert, ebenso die Blendenstufen. Der Verlängerungsfaktor der Zeit wird allerdings multipliziert. Kombiniert man also einen Filter ND0.9 und ND3.0 erhält man eine gesamte neutrale Dichte von ND3.0 + ND0.9 = ND3.9, einen Verlängerungsfaktor von 8 x 1000 = 8000 und eine Blendenreduktion von 3 + 10 = 13.

Das ganze im voraus zu berechnen ist wie man sieht jedoch umständlich, ich empfehle daher eine andere Vorgehensweise.

Man nutzt wieder die Übersichtstabelle oben, nun schaut man für den ersten Filter, einen ND0.9 mit 8 facher Verlängerung, in die Tabelle. Gibt die Kamera eine Belichtungszeit ohne Filter von 1/30 Sekunde vor, muss man mit dem ND0.9 Filter 1/4 Sekunde einstellen. Für den zweiten Filter kann man nun die Zeit mit dem ersten Filter, also 1/4 Sekunde nehmen und wieder in die Tabelle schauen, dort nun mit der Vorgabe 1/4 Sekunde. Für den zweiten Filter (ND3.0, 1000x Verlängerung) ergibt sich somit eine Belichtungszeit von 4 Minuten, was nun der Zeit für beide Filter entspricht.

Zu Beachten

Bei ND Filtern ist Grundsätzlich zu beachten, dass die in diesem Artikel genannten Werte in der Theorie richtig sind, es jedoch praktisch oft zu Abweichungen kommt. Die Filter sind alle nicht 100%ig gefertigt, so kann die Neutrale Dichte und damit auch der Verlängerungsfaktor von Filter zu Filter abweichen. Bei schwächeren Filtern stimmt die Tabelle meist sehr gut, bei stärkeren Filter, wie dem oft verwendeten ND3.0, können dagegen größere Abweichungen auftreten. Diese können sich bei den langen Belichtungszeiten teilweise auch stark auswirken.

Daher sollten stärkere ND Filter kalibriert werden, wie das geht beschreibe ich in einem weiteren Artikel, den ich dann an dieser Stelle verlinken werde!

Ergänzung: Der Artikel zur Kalibrierung ist inzwischen online und hier zu finden: Kalibrierung von ND Filtern

Pauschal kann man sagen, dass stärkere Filter eher noch stärker sind als angegeben, ein ND3.0 also z.b. eher ein ND3.1, daher sollte man auf jeden Fall eher etwas länger belichten!

Step Up Ringe

Ein Problem, auf das man in der Anwendung von ND Filtern oftmals stößt, sind die unterschiedlichen Filterdurchmesser der Objektive. Die Filter passen somit meist nur auf ein, zwei Objektive, die anderen haben andere Filtergewinde. Muss man nun für mehrere Durchmesser jeweils eigene Filter kaufen geht das schnell ins Geld. Zum Glück gibt es für dieses Problem auch eine günstige Lösung, so genannte Step up Ringe.

Dabei handelt es sich um Zwischenringe, mit denen ein Filter mit großem Durchmesser auf ein Objektiv mit kleinerem Durchmesser adaptiert werden kann. Man  kann also Filter für die Objektive mit dem größten Durchmesser kaufen und diese über die Ringe an allen Objektiven nutzen.

Zu beachten ist jedoch, dass es an Ultraweitwinkel Objektiven u.U. zu Problemen kommen kann, wenn dort der kleinere Durchmesser vorliegt und mit Zwischenringen gearbeitet werden muss. Durch den dadurch größeren Vorbau vor dem Objektiv kann es zu Abschattungen kommen. Das muss im Einzelfall getestet werden, da hier keine pauschale Aussage möglich ist.

Hier noch ein Beispiel für empfehlenswerte Step up Ringe: XSOURCE Step Up Ringe


Hier geht´s weiter zur Artikelserie LANGZEITBELICHTUNG AM WASSERFALL wo ebenfalls mit ND Filtern gearbeitet wird.

Photograficx - Johannes

Gründer der Fotografie Seite photograficx.de

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10 Kommentare auf "Fotografie mit ND Filtern – Grundlagen"

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[…] Um die Belichtungszeiten nicht im Kopf errechnen zu müssen, habe ich eine Übersichtstabelle erstellt. Diese ist in diesem Blogbeitrag zu finden: Fotografie mit ND FIltern – Grundlagen. […]

Thomas
Gast
1 Jahr 2 Monate her

Die Tabelle mit den Belichtungszeiten ist schon gedruckt und in meinen Fotorucksack gewandert. Klasse und Danke!

LG Thomas

Johannes Schmidt
Webmaster
1 Jahr 2 Monate her

Vielen Dank für den Kommentar, freut mich wenn es weiter hilft!
Zu einer App Lösung für die Belichtungszeiten mit ND Filtern, bzw. zur Kalibrierung der Filter folgt in den kommenden Tagen auch noch ein Artikel.

Thomas
Gast
1 Jahr 2 Monate her

Da bin ich gespannt. Dein Blog ist schon in meinen RSS-Reader gewandert!

LG Thomas

Johannes Schmidt
Webmaster
1 Jahr 2 Monate her

sehr schön, freut mich 😉

trackback

[…] Filter werden wie bereits in meinem ND Filter Grundlagen Beitrag genau beschrieben mit verschiedenen Angaben versehen, über die Angabe des Verlängerungsfaktors […]

Christian
Gast
1 Jahr 2 Monate her

Hi Johannes,

schöne Übersicht und Zusammenstellung der verschiedenen Aspekte bei der Filterfotografie.

Ich bevorzuge für die Kalkulation meiner Belichtungszeit bei der Filterfotografie eine Android-App. Da ist übersichtlicher Art und Weise deine Tabelle hinterlegt und man muss einfach seine aktuelle Belichtung auswählen.

Viele Grüße
Christian

Johannes Schmidt
Webmaster
1 Jahr 2 Monate her

Ja, es gibt einige gute Vorgehensweisen, bei Android kenne ich mich allerdings leider nicht aus. Daher bin ich nur auf die Lösung für iOS eingegangen.

trackback

[…] Wurden die genannten Vorbereitungen getroffen, kann man loslegen. Bei dieser Art der Fotografie ist es jedoch nicht mit dem drücken des Auslösers getan, es gibt dabei eine Menge zu beachten. Die Grundlagen der Fotografie mit ND Filtern habe ich bereits in diesem Blog Beitrag beschrieben: Fotografie mit ND Filtern – Grundlagen. […]

Klaus
Gast
1 Jahr 1 Monat her

Prima Beschreibungen – DANKE dafür!!

MfG Klaus

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