Canon 5D Mark IV Release – Fortsetzung der Erfolgsstory?

Da ist sie nun also die Canon 5D Mark IV – der lang erwartete und überfällige Nachfolger DER DSLR. Aber kann sie halten was sie verspricht?

An neuer Technik bin ich immer interessiert, daher verfolge ich natürlich auch die Vorstellungen neuer Kameras sehr gespannt. Dieses Jahr gab es mit den neuen Profiflaggschiffen von Canon und Nikon schon einiges an Neuigkeiten zu sehen, aber auch Pentax hat mit der K1 eine Underdog- alternative zu den etablierten Herstellern vorgestellt, die mit vielen innovativen Features, sehr guter Bildqualität und geringem Preis punkten kann.

Während die Canon 1DX II sowie das Pendant von Nikon mit mäßiger Auflösung, dafür aber überragendem AF und sehr hoher Serienbildgeschwindigkeit vor allem Sport- und Wildlifefotografen ansprechen, versteht sich die 5D Serie als Allrounder für alle Bereiche der Fotografie – das Arbeitstier für alle Lebenslagen sozusagen. Doch genau hier liegt der Knackpunkt, die Canon 5D Mark III war zur Vorstellung unbestritten eine geniale Kamera, wurde aber in den Punkten High ISO, Rauschverhalten, Dynamic Range und Auflösung längst von Mitbewerbern wie der Nikon D810, Sony A7xx und auch Pentax mit der kürzlich vorgestellten K1 abgehängt. Bei den Konkurrenten gab es einfach wesentlich mehr für weniger oder vergleichbares Geld.

Für einige auch Grund zum wechseln – mich eingeschlossen – so sind viele der heutigen Sony Kunden ehemalige Canon User. Der Wechsel zu Sony ist vor allem aufgrund der Adaptiermöglichkeit der bereits vorhandenen Canon Linsen attraktiv, so muss man nicht alle Linsen direkt neu anschaffen. Mit den aktuell erhältlichen Adaptern geht das sogar mit richtig guter Autofocus Performance.

Die Frage ist nun also…

Kann Canon wieder aufschließen?

Da die Kamera bislang lediglich vorgestellt wurde, aber noch keine Tests der tatsächlichen Performance veröffentlicht wurden, bleibt nur die Pressemitteilung  zu analysieren. Schauen wir uns mal an was bisher bekannt ist:

30 Megapixel Sensor

Der Sensor löst mit 30,4 Megapixeln auf und wird mit „großem Dynamikumfang“ beworben. Innovative Features wie Bildstabilisator, BSI Sensor etc.? – Fehlanzeige, das lässt mich skeptisch bleiben. Schaut man sich die in jüngerer Vergangenheit vorgestellten Canon Kameras an, war der Sensor auch nie wirklich vorn mit dabei. Die 5dsR hat zwar eine hohe Auflsöung, aber Dynamikumfang und Rauschverhalten? Naja… das machen andere besser.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich gerade was das Rauschverhalten als auch den Dynamikumfang angeht sehr skeptisch bin. Da kann Canon schon sehr lange nicht mehr mithalten, eine Verbesserung dieser Punkte gegenüber der 5D Mark III wird es geben, ich erwarte jedoch allenfalls ein aufschließen zur Konkurrenz, jedoch kein vorbeiziehen. Vor allem was den Dynamikumfang angeht gehe ich davon aus, dass die Sony A7rii nicht geschlagen werden kann.

Der ISO Bereich im erweiterten Modus bis über 100.000… Moment kennen wir das nicht? Genau gleich wie bereits beim Vorgänger. Der native ISO Bereich des Sensors liegt dagegen bei bis zu 32.000, nicht wesentlich mehr als noch bei der 5D Mark III. Diese ISO Zahlen sind allerdings sowieso kaum brauchbar zu verwenden. Wichtig ist eher das Rauschverhalten im Bereich bis ISO 8.000, auch da gehe ich von einer Verbesserung zum Vorgänger aus – aber auch hier glaube ich dass die Konkurrenz nach wie vor besser ist. Diese Punkte sind schon länger nicht mehr Canons Stärke. Vor allem der kaum erweiterte Bereich spricht dafür, dass sich hier nicht besonders viel getan hat.

Autofocus

Beim Autofocus liegen vor allem die Spiegellosen noch hinter den DSLR´s zurück. Aber da macht sich erst einmal Ernüchterung breit, schon wieder kennt man die Zahlen bereits von der 5D Mark III – 61 Messfelder mit 41 Kreuzsensoren – altbekannt. Klar die reine Anzahl der Messpunkte hat nicht viel mit der Treffsicherheit und Geschwindigkeit zu tun, aber gerade im Bereich Nachführ- AF oder für eine möglichst große und feine Abdeckung des Sensorbereichs für eine gezieltere Auswahl der Fokuspunkte wäre auch bei der Anzahl eine Verbesserung wünschenswert gewesen. Ich jedenfalls möchte da die Möglichkeiten meiner A7rii nicht mehr missen.

Touchscreen?!

Da ist der neu dazugekommene Touchscreen für mich die erste wirklich interessante Neuerung. Es gibt doch einige Anwendungsfälle wo ein Touchscreen Sinn macht, den vermisse ich bei meiner Sony A7rii doch ab und an.

Und sonst so?

DualPixel RAW? Während ich die Featureliste bislang eher ernüchternd fand, taucht am Horizont mit den Dual Pixel RAW files die erste Innovation auf. Damit lassen sich nachträglich Schärfepunkt, Bokeh und Linsenreflexionen verschieben, bzw. korrigieren. Hier muss man abwarten was das ganze wirklich in der Praxis bringt. Ich bin jedoch auch eher skeptisch. Warum? – Ganz einfach weil ich das ganze für eine Spielerei halte. Man kennt ähnliches bereits von den LYTRO Lichtfeldkameras, ich habe die LYTRO Kamera mal ein Wochenende ausprobiert, mich aber schnell an den Möglichkeiten satt gesehen. Zu selten kann man das wirklich sinnvoll einsetzen. Bokeh und Schärfe will ich zudem schon beim Fotografieren richtig setzen und nicht im Nachhinein. Mag für den ein oder anderen interessant sein, aber ein wirklicher Grund um deshalb zu dieser Kamera zu greifen? Sehe ich eher nicht.

Was bleibt noch übrig?

Die Serienbildgeschwindigkeit wurde leicht verbessert, es gibt endlich WLAN und eine bessere Konnektivität, auch 4K Video hat Einzug gehalten – alles bestenfalls ein Anschluss an die Konkurrenz, Innovationen sind das nicht mehr.

Ich vermisse da Funktionen wie Bildstabilisator, lautloses Auslösen, Pixel Shift, GPS Tracking, etc. – alles Funktionen die es bei den verschiedenen Konkurrenzprodukten bereits gibt und die auch wirkliche Praxisvorteile bieten.

Der Preis von 4.000 € ist da doch recht sportlich. Bei Sony findet man für weniger Geld deutlich mehr Auflösung, vermutlich wesentlich besseren Dynamikumfang und Rauschverhalten, Silent Shutter, Bildstabilisator usw. Aber auch Pentax bietet für den halben Preis wesentlich mehr, dort findet sich dann auch noch extreme Robustheit, Wetterschutz und sehr guter Autofocus.

Ich bereue meinen Wechsel zu Sony definitiv nicht und es entwickelt sich kein Haben-wollen-Gefühl, bei der Pentax K1 sah das etwas anders aus.

So wird es wahrscheinlich auf eine Empfehlung für all diejenigen rauslaufen, die vor allem einen flotten AF benötigen. Fürs Studio mit kontrollierbaren Lichtbedingungen sicher zu empfehlen, aber da kann man auch bedenkenlos eine 5DsR einsetzen. Für Landschaftsfotografie, bzw. die Outdoor Peoplefotografie – wo Dynamikumfang und Rauschverhalten wichtige Kennwerte sind, wird auch die 5D Mark IV nicht wirklich Punkten.

 

 

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2 Kommentare auf "Canon 5D Mark IV Release – Fortsetzung der Erfolgsstory?"

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Henrik
Gast

Zumindest sieht das mit dem Autonachführmodus doch nicht schlecht aus und könnte ja sowas wie was Neues darstellen: https://youtu.be/9FqX6qblyJ8?t=60
Ist sicherlich ein Feature für Porträt/Hochzeitsfotografen, bei den Lanschaftsfotografen laufen die Steine aber nicht so schnell weg und es kommt auf andere Dinge an ( Dynamikumfang ).
Außerdem sprengt das Teil sämtliche Budgetgrenzen eines durchschnittlichen Fotoenthusiasten … wahrscheinlich werden wir in Zukunft halt sehen, dass DSLR Boliden wohl nur noch im Premium/Profipreissegment angesiedelt sein werden …

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