Belichtungsreihen – Manuell vs. Automatik

Ich stehe auf rutschigen Steinen, es stürmt und die Wellen peitschen gegen die Felsen – zum Glück habe ich Spikes auf meinen Stiefeln, ohne die wäre ein fester Stand schwierig. „Hoffentlich geht meine Ausrüstung nicht baden“ denke ich fortlaufend während ich mit kalten Händen den Fernauslöser drücke, um auf gut Glück eine Belichtungsreihe zu schießen. Auf dem Display: nicht viel zu erkennen.

In der Theorie klingt vieles einfach, wenn man aber bei widrigen Bedingungen draußen steht und versucht außergewöhnliche Aufnahmen zu erstellen werden auch die einfachsten Handgriffe zur Herausforderung. Vor allem jedoch hat man nicht immer die Zeit jedes Bild sorgfältig zu kontrollieren, bzw. es ist schwierig weil man keinen vernünftigen Blick aufs Display hat.

Wenn dann auch noch, wie in gerade beschriebener Situation, ein „professioneller“ Spritzwasserschutz (in Form einer Plastiktüte) auf der Kamera angebracht ist, macht es das Einstellen und den Blick auf Display und Sucher nicht unbedingt einfacher.

So oder so ähnlich sieht einer meiner Anwendungsfälle für Belichtungsreihen aus. In der Landschaftsfotografie nutze ich diese sehr oft, um einen größeren Dynamikumfang zu erhalten oder um in schwierigen Aufnahmesituationen sicherzustellen, dass auch ein korrekt belichtetes Bild dabei ist. Je nach Anwendung unterscheidet sich dabei die Vorgehensweise:

Automatische Belichtungsreihe

Im Bracketing Modus erstellt die Kamera automatisch die voreingestellte Zahl an Bildern mit dem gewählten Belichtungsunterschied und variiert dabei die Belichtungszeit.

Ich greife gerne auf diesen Modus zurück, der sich bzgl. seiner Möglichkeiten je nach Hersteller und Modell stark unterscheidet. Bei meinen Sony A7 Kameras habe ich für mich ausreichende Einstellungsmöglichkeiten. Den guten Sensoren sei Dank, erstelle ich in der Regel drei Bilder mit je einer Blendenstufe Unterschied. Nur sehr selten sind auch mal fünf Bilder notwendig.

Warum genau eine Blendenstufe? Dieser Wert hat sich für meine Art der Fotografie und vor allem Nachbearbeitung als ideal herausgestellt. Da ich oft manuelle Überblendungen der Bilder in Photoshop erstelle darf der Belichtungsunterschied nicht zu hoch sein – eine Blendenstufe Unterschied ist dafür optimal!

Je nach individuellem Bedürfnis gibt es aber verschiedene Herangehensweisen. Im Normalfall liegt der Unterschied zwischen den Belichtungen zwischen einer und zwei Blendenstufen. Wer die Bilder z.B. mit der automatischen HDR Funktion in Lightroom zusammensetzen möchte, kann gut mit zwei Blendenstufen Unterschied arbeiten. Bei sehr hohen Kontrastumfängen (Gegenlichtaufnahmen) ist es dagegen besser, niedrigere Abstufungen zu wählen. Im Zweifel gilt hier: lieber ein Bild mehr machen!

Wenn mir die Belichtungszeit weitgehend egal ist, arbeite ich übrigens auch sehr gerne im Av Modus (Blendenvorwahl oder Zeitautomatik genannt) und korrigiere die Helligkeit (Belichtungszeit) mit der Belichtungskorrektur.

Es geht auch ohne Stativ!

Herbst HDR

Handgehaltenes HDR aus zwei Aufnahmen

Im Normalfall arbeite ich in der Landschaftsfotografie natürlich mit Stativ, aber ich denke jeder kennt die Situation, dass man mal zufällig an einen coolen Spot kommt und dann hat man gerade dieses eben nicht dabei. Soll man deshalb aber auf ein tolles Bild verzichten müssen? Nein! Denn neben dem großen Dynamikumfang hat der Bracketingmodus einen weiteren Vorteil: man kann damit auch ohne Stativ arbeiten, da die Bilder in sehr kurzer Abfolge nacheinander aufgenommen werden. Klar muss man die Kamera dabei sehr ruhig halten, aber das klappt mit etwas Übung gut! Zudem lassen sich minimale Verwackler beim späteren Zusammensetzen der Bilder gut ausgleichen – Lightroom kann das z.B. automatisch. Voraussetzung für handgehaltene Aufnahmen ist natürlich, dass die einzelnen Belichtungszeiten nicht zu lange werden – bei  5s Belichtungen geht das natürlich nicht mehr!

Bei Filtern: M – Modus!

Sobald ND Filter und somit meist lange Belichtungszeiten zum Einsatz kommen verwende ich wenn möglich den manuellen Modus, denn dort habe ich mehr Möglichkeiten die Parameter für die unterschiedlichen Belichtungen zu verändern.

Ein Beispiel:

Bei Verwendung von ND Filtern habe ich oft das Ziel eine bestimmte Belichtungszeit zu wählen, so auch beim  Titelbild. Ausschlaggebend waren hier für mich die Wasserschlieren im Vordergrund, die ich jedoch nur bei bestimmten Belichtungszeiten so einfangen kann. Würde ich nun den Automatik Modus wählen, würde dieser einfach die Belichtungszeit anpassen, was ich in diesem Fall jedoch nicht möchte! Daher erstelle ich mir manuell eine Belichtungsreihe und verändere hier z.B. ISO oder die Blende, um den gewünschten Helligkeitsunterschied zu erreichen. Ein Bild bei ISO 100, das nächste bei ISO 200 ergibt die gewünschte Blendenstufe an Helligkeitsunterschied, bei gleicher Belichtungszeit.

Lerne deine Ausrüstung kennen!

Wie immer ist es absolut notwendig, die eigene Ausrüstung zu kennen, um ungefähr einschätzen zu können, wann man wie viele Belichtungen benötigt, um nicht unnötig viele Bilder zu erstellen.

In schwierigen Lichtsituationen lautet aber auch bei mir die Devise:

Lieber ein Bild mehr als eins zu wenig

Gerade bei sehr kontrastreichen Gegenlichtszenen – und wenn ich eine umfangreiche Nachbearbeitung geplant habe, mache ich meist zur Sicherheit eine Belichtungsreihe, auch wenn diese manchmal nur aus zwei Bildern besteht.

Ich wünsche euch viel Spaß und tolle Bilder beim Ausprobieren und freue mich wie immer über Feedback, bzw. natürlich auch das Teilen des Beitrags

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2 Kommentare auf "Belichtungsreihen – Manuell vs. Automatik"

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Oliver
Gast

Grade vor zwei Wochen habe ich in Irland bestimmt 50% meiner Freihandbilder mit der 7r internen Belichtungsreihe geschossen.
Das typisch irische Wetter schreit geradezu nach dem Erhalten der Wolkenstrukturen.

Ich bin noch nicht durch alle Aufnahmen durch, aber bisher fahre ich damit sehr gut – Lichter und Dunst entfernen Regler sei Dank 😉

Grüße aus dem Saarland
Oliver

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