Lofoten im Herbst

2200 km – Unterwegs auf den Lofoten

Morgens kurz vor 7 auf der Fähre von Moskenes nach Bodø – ich bin schon seit halb 5 auf den Beinen und versuche mich beim Schreiben des Blogbeitrags nicht allzu sehr vom doch recht stark schaukelnden Schiff ablenken zu lassen. Wenn du das hier liest, hat es halbwegs geklappt ;).

Die drei Wochen auf den Lofoten sind wie im Flug vergangen – Zeit für einen kleinen Rückblick:

Planung

Bereits ganz am Anfang der Planungen für den Norwegenaufenthalt stand fest: „Ich muss auf die Lofoten“. Besonders viele Gedanken wie das Ganze aussehen soll habe ich mir in Deutschland aber noch nicht gemacht, nur eins war klar: Wenn schon Norwegen dann auch auf jeden Fall Nordlichter sehen! Geplant habe ich den Trip dann in unserer norwegischen „Homebase“ Oslo.

Weil wir dieses große Abenteuer gemeinsam erleben wollten, kam wegen Katjas Vorlesungszeiten nur der Zeitraum von Mitte Oktober bis Mitte November in Frage. Schnell war klar, dass die letzten zwei Oktoberwochen am besten in den Zeitplan passen. Ich wollte mir zudem die Option offen halten, noch die erste Novemberwoche dran zu hängen. Bei der weiteren Planung stellte sich doch recht schnell heraus, dass das vielleicht nicht so optimal ist. Überall ist zu lesen, dass November der wettertechnisch schlechteste Monat für eine Lofoten Reise ist, weil die Regenwahrscheinlichkeit dann ihr jährliches Maximum erreicht – Mist!

Zudem bekommt man auch Anfang November schon die Sonne praktisch nicht mehr richtig zu Gesicht. Ich hatte die im Herbst sehr schnell kürzer werdenden Tage etwas unterschätzt.

Also nochmal umdisponieren. Letztendlich ging es für mich dann am 09.10. von Oslo mit dem Auto los in Richtung Lofoten – Katja konnte Unibedingt erst am 17.10. mit dem Flieger nachkommen. Der drei Tage dauernden Anreise habe ich auch schon einen Beitrag gewidmet:  Anreise

Regen, Nebel, Sonnenschein

Der erste Tag auf den Inseln begrüßte mich mit typischem Lofoten Herbstwetter – etwas Nieselregen, viele Wolken und kaum Sonne – zum Fotografieren gar nicht die schlechteste Bedingung! Also ging es recht früh auf Achse, um die bekannten Locations rund um mein Basislager in Leknes zu erkunden. Uttakleiv und Haukland Beach sind in unmittelbarer Nähe, aber auch sonst halte ich alle paar Meter an. Man weiß gar nicht wo man zuerst fotografieren soll!

In den kommenden Tagen besserte sich das Wetter zunehmend und wurde fast schon zu gut – Fotografen sind was das Wetter angeht ja bekanntlich recht anspruchsvoll: bitte nicht die ganze Zeit Regen aber auch purer Sonnenschein ohne Wolken am Himmel ist nicht das Wahre. Rückblickend hatten wir bei drei Wochen Lofoten zwei richtige Regentage (Sturm und Regen von allen Seiten, einfach nur von oben nach unten gibt es nicht, wenn schon denn schon ;)) und einen eher durchwachsenen – ansonsten absolutes top Wetter: von allem ein bisschen. Das ist ungewöhnlich für die Lofoten im Herbst!

Das grüne Licht – Aliens? Nordlichter?

Vorteil des extrem guten Wetters: Es gab auch einige sternenklare Nächte sowie viele Nächte mit einer Wolkenbedeckung von weniger als 50% – beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Nordlichtjagd also, dann muss nur noch die Aktivität der „Aurora Borealis“ stimmen! Tatsächlich hatten wir auch damit mehr als Glück! Die Nordlichtaktivität war über den gesamten Zeitraum relativ hoch, inklusive eines über 5 Tage (!!) andauernden Sturms mit sehr starker Aktivität. Nur leider trafen beide Faktoren nur ein paar Mal auch zusammen: Gerade die beiden Regentage fielen in die Zeit der stärksten Aktivität. Da kann man nix machen – Aufregen bringt nichts. Aber ich habe auch wirklich keinen Grund zu meckern, denn die Ausbeute ist mit acht wirklich guten Nordlichtnächten trotzdem viel höher als erwartet ausgefallen und ich konnte an verschiedensten Spots gute Bilder mitnehmen!

Northern Lights - Uttakleiv - Lofoten - Nordlichter

Nordlichter am Uttakleiv Strand auf den Lofoten – Sony A7rii – Zeiss FE 16-35

Wer sich mehr für die Nordlichtfotografie interessiert, findet hier den ersten Beitrag der großen Nordlicht-Tutorial-Serie im Blog: Teil 1 – Basics

Auch zu meiner ersten Nordlichtnacht auf den Lofoten gibt es einen Beitrag.

Ein unverzichtbarer Freund – das Auto!

Die Lofoten sind im Herbst aber nicht nur wegen der Nordlichter sehenswert, auch die Herbstfarben in dieser einzigartigen Landschaft bieten Fotomotive am laufenden Band! Mehr als einmal habe ich das eigentlich für diesen Tag geplante Zielfoto verpasst, weil ich auf dem Weg zu viele Spots gefunden habe, an denen ich einfach nicht vorbeifahren konnte!

Ein Blick auf den Kilometerstand des Autos zeigt, dass wir im Schnitt mind. 100km am Tag zurückgelegt haben. Das summiert sich dann bei der Aufenthaltsdauer schnell und so stehen am Ende gut 2200 km auf der Uhr.

Das zeigt deutlich, dass man hier ohne Auto sprichwörtlich nicht weit kommt! Fotografieren macht auf den Lofoten nur mit Auto Sinn – egal, ob es der eigene geliebte Karren oder ein Leihwagen ist. Flexibilität ist aber nicht nur nötig um immer zur richtigen Zeit am richtigen Spot sein zu können, sondern auch um auf das sehr wechselhafte Wetter reagieren zu können. So wurde die Tagesplanung öfters spontan dem Wetter angepasst oder auch mal ganz verworfen:  In der Landschaftsfotografie ist und bleibt man einfach der Natur unterworfen!

Das heißt aber nicht, dass einem deshalb die Hände gebunden wären und man bei schlechtem Wetter am besten daheim bleibt – ganz im Gegenteil! Nicht selten startet man im Starkregen, fährt 10 km und hat auf einmal strahlenden Sonnenschein vor sich. Oft richtet sich die Tagesplanung daher nach Sicht -> Dort wo es hell ist wird hingefahren! Das sorgt auch für neue Herausforderungen bei der Bildgestaltung, denn man kann eben nicht alles planen. Das gilt grundsätzlich in der Landschaftsfotografie – ganz besonders aber auf den Lofoten!

Urlaub? Fehlanzeige!

Für den „Ich leg mich auf Malle an den Pool“ Touristen sind die Lofoten definitiv nichts, denn man ist sehr nah an der Natur und muss sich mit den Gegebenheiten arrangieren – gerade das ist aber für alle anderen wohl von größtem Reiz, vor allem, wenn man besondere Fotos mitnehmen möchte. Mit (Entspannungs-) Urlaub hat das Ganze dann jedoch nicht mehr viel zu tun. Die Tage haben im Schnitt 15 bis über 20 Stunden –  aber wer möglichst den ganzen Tag über alle Lichtstimmungen mitnehmen will muss eben auch mal mit wenig Schlaf zurechtkommen. Insbesondere das Warten auf Nordlichter kann dann am Ende des langen Tages echt anstrengend sein: Öfters saßen wir ab 20 Uhr bei Temperaturen um 0°C im Auto, eingepackt in den Schlafsack und starrten in den Himmel, auf der Suche nach einem grünen Leuchten. Umso größer die Glücksgefühle, wenn dann auf einmal der Himmel brennt (wie Wolfgang Petry wohl sagen würde ;)).

Es lässt sich schwer beschreiben, man muss es selbst erlebt haben – auf jeden Fall macht es süchtig und man schlägt sich Nacht um Nacht um die Ohren.

Fotografieren außerhalb der Komfortzone

Das Fotografieren selbst wird immer wieder zur Herausforderung, mal stürmt es so stark, dass beinahe das eigentlich sehr stabile Stativ weggeblasen wird, mal steht man im kalten Wasser. Fotograf und Ausrüstung sind zwar Salzwasser, Regen und Sand ausgesetzt aber „Schönwetterfotografen“ verpassen nun mal die besten Lichtstimmungen. Also lieber das Equipment ordentlich versichern und dann halbwegs entspannt am Limit fotografieren 😉

Fotografieren am Limit

Fotografieren Extrem – Wind, Regen und Wellen gehören dazu!

Filter wechseln mit durchgefrorenen Fingern gehört manchmal ebenso dazu wie kalte Füße (trotz noch so guter Schuhe). Das Wasser ist zwar türkis und kristallklar, man ist aber halt doch nicht in der Karibik unterwegs!

Auftanken

Wenn man so lange und anstrengende Tage hat, lohnt es sich wirklich bei der Unterkunft nicht zu sparen. Als Reisende mit limitiertem Budget ist für uns Airbnb immer ein guter Kompromiss: Hier findet man eigentlich fast überall ein super gemütliches und bezahlbares Zimmer und meistens kann man dort dann auch die Küche mitbenutzen, was vor allem in Norwegen erhebliches Sparpotential bei der Verpflegung bietet! Wir haben in den 3 Wochen bei einer super herzlichen norwegischen Familie gewohnt und konnten dort im Warmen immer wieder auftanken, Schlaf nachholen und Teekannen neu befüllenJ

Wir kommen wieder!

Obwohl die meisten Touristen hier nur 3-7 Tage bleiben und wir mit unseren 3 Wochen also eine kleine Ewigkeit hier verbringen durften, steht für uns trotzdem fest: wir waren definitiv nicht das letzte Mal auf den Lofoten!
Sowohl im Winter mit Schnee, als auch zur Zeit der Mitternachtssonne im Sommer wollen wir auf jeden Fall nochmal hoch. Denn wie an den meisten coolen Spots lohnt es sich zu den verschiedenen Jahreszeiten zurückzukehren – die Landschaft und das Licht zeigen sich immer wieder ganz neu und langweilig wird das nie!

Johannes und Katja unterwegs

Wir kommen wieder!

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2 Kommentare auf "2200 km – Unterwegs auf den Lofoten"

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Lisa
Gast

Hallo Johannes,

Du hast es genau so beschrieben wie es ist. Selbige Erfahrungen haben wir auch gesanmelt. Der Beitrag ist wirklich toll geschrieben. Trotz all der „Strapazen“ lohnt sich die Jagd immer wieder 🙂

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